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Panorama

28.08.2019

Allerheiligen: Jeden Tag Gedenktag?

Allerheiligen bei Wildon in der Steiermark ruft durch seinen Namen allerlei Fragen auf. Haben die Heiligen einen besonders hohen Stellenwert in der Gemeinde? Oder besteht in Allerheiligen ein besonderer Totenkult? Oder hat die Gemeinde noch anderes zu bieten, was den Blick auf sich zieht?

Der Feiertag der Heiligen, der großen Vorbilder der katholischen Kirche, wird jedes Jahr am 1. November begangen – doch ist der Feiertag nicht das einzige, das den Namen “Allerheiligen” trägt: Zwei Gemeinden aus Österreich tragen ebenfalls den Namen des Gedenktages. Die oberösterreichische Gemeinde durfte sich bereits im Jänner 2017 präsentieren (siehe Box links), diesmal ist der steirische “Namenskollege” an der Reihe. Doch was verbindet Allerheiligen bei Wildon mit den religiösen Vorbildern? Handelt es sich um einen ganzjährigen Pilgerort? Oder qualifiziert sich die 1.500-Einwohner-Gemeinde durch etwas anderes für den Namen?

Keine Heiligen, dafür umso mehr Geschichte

Erste Anzeichen auf Siedlungen gehen bereits auf die Steinzeit zurück und auch die Römer düften es sich in und um das heutige Allerheiligen gemütlich gemacht haben. Um rund 1147 wird das Schloss Herbersdorf erbaut, in dessen nähe der Markwart von Herbersdorf eine Siedlung für seine Untertanen errichten ließ – daraus – erstmals 1218 urkundlich erwähnt – soll sich im Laufe der Zeit nach und nach die Siedlung Allerheiligen entwickeln.

Heilig wird es im Gebiet von Allerheiligen erst im Jahre 1640, als der Orden der Jesuiten die Gebarungen des örtlichen Schlosses sowie der naheliegenden Gemeinde übernimmt. Sie richteten das eng mit der Gemeinde verflochtene Schloss als Sommerfrische für Scholasten der vom Jesuitenorden geführten Universität Graz ein. Besonders zu Zeiten der Pest, wo man versuchte, die Städte zu meiden, kamen solche Rückzugsorte gelegen.

Der Orden war auch verantwortlich für den Bau der großen Pfarrkirche in der Mitte der Ortschaft um das Jahr 1700, welche später namensspendend fungieren soll. Nach dem Ende des steirischen Jesuitenordens im Jahre 1773 gewannen auch die verteilten Siedlungen immer weiter an Autonomie, bald wurden erste Bürgermeister eingesetzt. 1968 wurden die beiden kleinen Ortschaften Allerheiligen und Feiting zur Gemeinde Allerheiligen bei Wildon zusammengelegt – die Konstellation, in der die Gemeinde heute noch besteht.

Pilgerziel der anderen Art

Auch wenn sie mit einem 42 Meter hohen Turm wahrlich imposant ist – nur aufgrund ihres Namens ist die Pfarrkirche von Allerheiligen bei Wildon nicht unbedingt ein Pilgerziel, allerdings ist der Ort trotzdem Schauplatz von besonderer Totenverehrung: eine tatsächliche, ungewöhnliche Gedenkstätte befindet sich im nahegelegenen Waldstück. Dem am 28. November 1971 bei einem Jagdunfall ums Leben gekommenen steirischen Landeshauptmann Josef Krainer Sr. ist ein Denkmal in der Nähe des Unglücksortes gewidmet.

Die im Stiefingtal gelegene Ortschaft lockt aber auch ohne Heilige jedes Jahr Touristen, die eine Pause vom Alltagsstress brauchen. Auch das bis heute hervorragend erhaltene Schloss Herbersdorf ist einen Besuch wert und durch seine Lage im “grünen Herzen Österreichs” lädt der Ort dazu ein, Stützpunkt für Aktivurlaube zu sein.

Jubiläum und sportliche Erfolge aus Allerheiligen

2018 wurde in Allerheiligen bereits das 800. Jubiläum der ersten Erwähnung zelebriert und auch aus sportlicher Sicht gibt es fast wöchentlich Grund zum Feiern: Der örtliche Fußballklub konnte durch seine herausragenden Leistungen bereits bis in die dritthöchste Spielklasse der Österreichischen Ligen vorstoßen.

Auch wenn keine katholischen Heiligen in Allerheiligen zu finden sind, hat der steirische Ort und der “Namensvetter” in Oberösterreich trotzdem am 1. November einen (fast) eigenen Feiertag – welche anderen Gemeinden können das schon von sich behaupten?

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