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Panorama

20.09.2019

Wo (der) Weichselbaum aufblüht

Die burgenländische Gemeinde Weichselbaum ist tief mit einer jahrhundertealten Sage verbunden, die noch heute zahlreiche Schaulustige in den kleinen Ort lockt und als Namensgeber fungiert.

Eine Weichsel ist bekanntermaßen eine Sauerkirsche und müsste, um dem Sprichwort gerecht zu werden, lustig machen. Ein ganzer Weichselbaum wäre dann quasi ein Spaßgarant. Im burgenländischen Weichselbaum hingegen sind statt den Lachtränen die sagenumwobenen Tränen Thema.

Funde aus der Stein- und Römerzeit

Die Gemeinde Weichselbaum im Südburgenland gehörte bis 1920/21 zu Deutsch/West-Ungarn und wurde 1187 erstmals in einer Urkunde des Papstes Urban III erwähnt, damals allerdings noch unter ihrem ungarischen Namen „Badafalu“.

Die Geschichte des knapp 700-Einwohner-Ortes ist allerdings um einiges älter. Spuren menschlichen Lebens in Weichselbaum sind bereits in der Urgeschichte vorhanden. Wenige Funde aus der jüngeren Steinzeit belegen dies. Zahlreicher sind hingegen die Funde aus der Römerzeit: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden einige Reliefplatten und ein römischer Grabstein in und um Weichselbaum entdeckt.

Die Wallfahrtskirche Maria Bild ist Sehenswürdigkeit des gleichnamigen Ortes.

Ein Marienbild am Weichselbaum

Die Namensgebung des Ortes geht auf eine Sage zurück, die sowohl für die Gemeinde Weichselbaum, als auch für den zur Gemeinde zählenden Ortsteil Maria Bild, bezeichnend war. Die Dorfbewohner fanden auf einem Weichselbaum ein Marienbild hängen. Sie beteten davor und der Legende nach geschahen daraufhin Wunder. Um das Bild vor Wind und Wetter zu schützen, errichteten Gläubige eine Kapelle darum, daraus entwickelte sich ein Pilgerort und die Wallfahrtskirche in Maria Bild entstand.

An die Sage erinnert auch das Wappen der Gemeinde: Ein grüner Weichselbaum mit zwei Ästen und je drei herabhängenden roten Früchten.

Von einer Sage zur nächsten

Bei dem Marienbild, das am Weichselbaum hing, handelt es sich um eine Kopie von dem berühmten Gnadenbild der Madonna von Pötsch, das heute im Wiener Stephansdom zu finden ist. Einer weiteren Sage nach soll das Marienbild, das von einem ungarischen Maler 1676 gefertigt wurde, regelmäßig echte Tränen „geweint“ haben. Daraufhin ließ es Leopold I nach Wien bringen, wo dieses Wunder allerdings nie mehr beobachtet wurde.

Ab- und Auswanderung führte zur Verarmung

Weichselbaum ist, typisch für das Burgenland, von der Weinkultur geprägt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging diese allerdings durch das Auftreten der Reblaus zugrunde. Dadurch wurde die Existenzgrundlage vieler Menschen vernichtet und sie waren gezwungen abzuwandern. Die Menschen zog es dabei vor allem in das heutige Ungarn.

Bis 1921 gehörte das Gebiet um Weichselbaum zum Stuhlrichteramt St. Gotthard in Ungarn. Nach dem Anschluss an Österreich gingen die Arbeitsplätze in St. Gotthard, das bei Ungarn blieb, verloren und die Menschen mussten weiter ab- oder auswandern, was zu einer stetigen Verarmung des Gebietes führte.

Beliebtes Ausflugsziel

Das prägnante Hügelland in der Gemeinde bietet einen für die Landschaft unüblichen Rundblick auf das umliegende Raabtal. Die Orte Mariabild und Krobotek werden scherzhaft auch als „Bergdörfer“ bezeichnet. Vor allem bei Radfahrern ist Weichselbaum aufgrund der markanten Hügeln beliebt.

Aber auch die Wallfahrtskirche Maria Bild zieht jährlich eine Vielzahl an Touristen an. Sie ist Ausgangspunkt für die Rundwanderwege Engel- und Wasserweg.

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