Thommy Weiss/pixelio.de

04.02.2022

Corona-Schutzimpfung: Was Gemeinden für die Quote tun (können)

Von Gemeinde zu Gemeinde sehen die Zahlen der Impfquoten bisher sehr unterschiedliche aus. Die niedrigiste Impfquote Österreichs verzeichnet mit Stand 2. Februar 2022 die Gemeinde Jungholz, dicht gefolgt von der Gemeinde Stall im Kärntner Mölltal mit einer Durchimpfungsrate von rund 40 Prozent (Quelle: Impfdashboard Gesundheitsministerium). Das andere Ende des Spektrums führt die niederösterreichische Gemeinde Andlersdorf mit knapp 85 Prozent Durchimpfungsrate an – ein gewaltiger Unterschied. Doch kann dieses Gefälle Zufall sein? Wieviel kann eine Gemeinde tatsächlich dazu beitragen, wie impfbereit ihre Bevölkerung ist? Kommunalnet hat sich umgehört.

Gemeinde Stall gehört zu den Schlusslichtern bei der Impfquote

Im Kärntner Stall, eins der Schlusslichter bei der Corona-Schutzimpfung, vermutet der ortsansässige Amtsarzt, die geringe Impfbereitschaft hinge damit zusammen, dass die naturverbundene Bevölkerung sich für “stärker” als das Virus halte. Stalls Bürgermeister Peter Ebner stellt etwas wehmütig fest, dass seine persönliche Erfahrung mit der Impfung mitverantwortlich für die geringe Impfquote im Ort sein könnte. Nach seiner ersten Impfung mit Johnson&Johnson erkrankte der Bürgermeister schwer. Viele Staller hegten den Verdacht, dass dies mit der Impfung zusammenhängen könnte. Seither ist Ebner zwar bereits ohne Impf-Nebenwirkungen geboostert, jemanden in seinem Ort “vorzuschreiben”, sich impfen zu lassen, will er aber nicht. Sein Motto laute: “Sein und sein lassen”.

Auch in Ried im Innkreis geht man eher den zurückhaltenden Weg. Bürgermeister Bernhard Zwielehner habe zwar in einem Brief zum Zusammenhalt in der Bevölkerung aufgerufen, den Impfaufruf habe er aber den Gesundheitsbehörden überlassen. „Hier braucht man als Gemeinde nicht unbedingt Position beziehen, um Konflikte zu vermeiden“, so der Rieder Bürgermeister. „Bei uns sind jeden Sonntag Demonstranten unterwegs, die sich aber brav und gesittet verhalten. Es ist bis jetzt zu keinen Beschimpfungen und auch zu keinen Ausschreitungen gekommen.“ Zwielehner führt dies darauf zurück, dass die Stadtgemeinde sich nie offensiv an der Debatte beteiligt hat.

Alberschwende setzt auf das persönliche Gespräch

Blick ins Ländle: Im Vorarlberger Alberschwende sieht Bürgermeisterin Angelika Schwarzmann das anders. Sie geht offensiv auf jene demografische Gruppe zu, welche beim Impfen am zögerlichsten ist: die Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Doch auch Schwarzmann teilt die Meinung, dass öffentliche Aufrufe und Anreize nicht unbedingt helfen. Vielmehr setzt die Bürgermeisterin auf das persönliche Gespräch und auf Überzeugungsarbeit bei Jugendlichen. „Ich habe jahrelang bei meinen Mann in der Tierarztpraxis gearbeitet, da war bei Impfungen auch immer klar: Ein Stich ist kein Stich. Es braucht einfach mehr Impfungen zur Immunisierung und das wird auch bei Corona so sein“, sagt Schwarzmann. Alberschwende hat aktuell eine Impfquote von 64 Prozent. Die Bürgermeisterin ist bemüht diese Quote zu erhöhen – dennoch appelliert sie, „die Impfquote nicht zu verpolitisieren und schon gar nicht Parteipolitik damit zu machen.“ „Die Gesundheit der Bevölkerung muss bei der Impfung im Vordergrund stehen – und das ist auch das Hauptaugenmerk bei meinen persönlichen Gesprächen“, so die Bürgermeisterin.

Auch im steirischen Gleisdorf führt der Bürgermeister viele Gespräche mit seinen Leuten. Der Anlass ist aber gravierender: In Gleisdorf ist es bereits mehrmals zu Ausschreitungen mit Corona-Demonstranten gekommen. Bürgermeister Christoph Stark ist selbst von den Bedrohungen betroffen. Im Zuge von den Demonstrationen, sogenannten “Spaziergängen” oder “Fackelwanderungen”, wurden vor seinem Privatwohnhaus Grabkerzen abgestellt und Zettel mit “Leb wohl” dazugelegt. “Holt ihn raus”, hätten die Demonstranten gebrüllt. Sein Wohnhaus wird nun polizeilich bewacht, und auch seine Frau erhielt bereits Drohbriefe. Bürgermeister Stark versucht, offensiv auf die Demonstrierenden zuzugehen. „Es ist wichtig, den Dialog aufrechtzuerhalten. Das Schlechteste wäre, die Tür zuzuschlagen und nicht mit den Leuten zu reden“, ist der Bürgermeister überzeugt. Er hat die Kritikerinnen und Kritiker wiederholt ins Rathaus zum Gespräch eingeladen. Dabei stellte sich heraus, dass manche wirklich nur beim Thema Corona ihre Probleme hätten und ansonsten mit der Gemeindepolitik d’accord seien. Andere wiederum wollten gar nicht reden. Zur Diskussion stellt Bürgermeister die rechtlichen Rahmenbedingungen von Demonstrationen: „Die Demonstrationsfreiheit ist wichtig und gut, aber es fehlen die Spielregeln. Bei einer angemeldeten Demo ist vieles erlaubt, was bei anderen Veranstaltungen nicht vorstellbar wäre.“ Alle Demos in Gleisdorf werden von der Polizei begleitet.

Podersdorf freut sich über eine der höchsten Impfquoten

Podersdorf im Burgenland ist jener Ort mit der höchsten Impfquote, in der eine Frau an der Spitze der Gemeinde steht. Auf die Frage, wie Bürgermeisterin Michaela Wohlfahrt die 85 Prozent Impfquote in der 2128 Einwohner großen Gemeinde erreicht hat, sagt sie: „Ich denke, bei uns waren drei Gründe ausschlaggebend: Wir sind eine Tourismusgemeinde, wo viele Menschen aus unterschiedlichsten Regionen und Ländern bei uns sind. Da hat die Bevölkerung einfach ein instiktives Gefühl sich zu schützen und zu impfen“, sagt die Bürgermeisterin. Als zweiten Grund nennt sie die engagierte Medizinerin vor Ort: „Unsere Gemeindeärztin war eine Impfärztin der ersten Stunde und hat ein unkompliziertes und niederschwelliges System für die Anmeldung zur Impfung angeboten“, sagt Wohlfahrt. Und dann sei da noch ein dritter, trauriger Grund: „Wir hatten im ersten Quartal 2020 einen ersten Coronatodesfall einer gesunden Frau. Und das hat uns alle in Schock versetzt“, erzählt die Ortschefin. Mit der hohen Impfquote in Podersdorf ist ihre Gemeinde auch berechtigt, die Impfprämie und damit Geld für Investitionen in der Gemeinde abzuholen. „Wir werden das Geld auf jeden Fall in Anspruch nehmen und schauen, ob wir vielleicht sogar noch die 90 Prozent schaffen“, so Michaela Wohlfahrt. Wofür sie das Geld verwenden werden, ist noch offen. Fest steht jetzt schon: „Wir werden uns gemeinsam ein gutes Projekt suchen und etwas Schönes für die Gemeinde auf die Beine stellen.“

– E. AYAZ, E. SCHUBERT, S. PEISCHL

MEHR ZUM THEMA

Verlängerte Einreichfrist für innovative Projekte

Gemeinde Flaurling digitalisiert Bauakten

Schützen Sie Ihre Bürger vor Datenmissbrauch

© Copyright - Kommunalnet