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13.04.2022

Osterbräuche daheim und woanders

Nach zwei Jahren Pandemie darf man sich hierzulande wieder auf das erste “normale” Osterfest seit längerer Zeit freuen. Wer nicht auf gesellige Familienfeiern steht, kann heuer nicht auf die Pandemie-Ausrede zählen. Ostereiersuchen, Osterfeuer, Palmumzug – all das kann dieses Jahr wieder stattfinden. Dazu ein Überblick über die weniger bekannten Osterbräuche in Österreich und weltweit.

Schalen bringen Glück?

Ostereier bemalen, suchen, pecken, essen – das ist allen bekannt. Vom sogenannten Eierwerfen hören die meisten aber zum ersten Mal: Dabei wird ein geweihtes Ei aus dem Weihkorb übers Haus geworfen, um es vor Unwettern und Blitzschlag zu schützen. Nicht nur Scherben, auch Eierschalen bringen offenbar Glück, wie man im Salzburger Lungau oder Flachgau überzeugt ist.

Der Palmbuschen – ein Strauch handgebundener Palmkätzchen, oftmals mit bunten Bändern oder Eiern verziert – wird bei der traditionellen Palmesel-Prozession am Palmsonntag durch die Straßen von Salzburg oder auch Tirol getragen. Mancherorts werden die Palmbuschen zu kunstvollen, 2 Meter großen Palmstöcken, bestehend aus 7 Pflanzen. Sie kann man übrigens auch in Hoffnung auf Segen und Glück übers Haus werfen, oder für eine gute Ernte ins Feld stecken.

Osterkulinarik in Österreich

Bild: Gemeinde Fischbach

Zu Ostern gehört natürlich auch die Osterjause, die das Ende der Fastenzeit bildet. Doch schon der Gründonnerstag bringt Speisetraditionen mit sich – das klassische grüne Essen. Laut einer Umfrage essen in der grünen Steiermark fast die Hälfte der Befragten am Gründonnerstag Spinat – nämlich ganze 46 Prozent. Österreichweit ist es knapp ein Drittel. Am Karfreitag – dem christlichen Fasttag schlechthin – isst jeder fünfte Österreicher hingegen Fisch. Und zum sonntäglichen Osterschmaus? Nach der Fastenzeit ist die Ostertafel der Österreicher traditionell reich gedeckt. Auf den Tisch kommt häufig der Osterschinken oder Geselchtes, dazu Kren, Brot oder Kartoffeln und natürlich gefärbte Eier. Die Österreicher lieben ihre Mehlspeisen: Osterlamm, Pinze, Striezel oder Kranz, in Kärnten ist es der Kärntner Reindling.

Wenn die Fahrräder verschwinden

Zum Naschen ist auch das sogenannte “Godnknüpfi”, das Kinder im niederösterreichischen Mostviertel zu Ostern von ihren Taufpaten geschenkt bekommen – Ein kunstvoll geflochtenes und zum Kipferl geformtes Briochegebäck, gespickt mit einer Münze, das vom „Godn“ dem Patenkind überreicht wird. Ein kurioser Brauch ist jedoch im Salzkammergut üblich: Beim sogenannten “Oarradeln” (“Eierradeln”) werden in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag alle Gegenstände, die ein Rad haben und frei herumstehen, verschleppt. So ist es in Obertraun in Oberösterreich keine Seltenheit, am Ostermontag sein Fahrrad am Garagendach wiederzufinden.

Osterfeuer vielerorts illegal?

Osterfeuer gehen auf eine heidnische Tradition zurück. Bild: Uschi Dreiucker/pixelio

Eine heidnische Tradition sind Osterfeuer, die vor allem in Kärnten und der Steiermark in der Nacht auf Ostersonntag verfeuert werden. Sie stehen als Freudensymbol für die Auferstehung Jesu, gehen aber auf einen heidnischen Brauch zurück. Das Abbrennen der sogenannten „Brauchtumsfeuern” ist grundsätzlich verboten bzw. unterliegt generell sehr strengen Vorschriften, die gesetzlich geregelt sind. In den einzelnen Gemeinden werden aber teilweise unterschiedliche Regeln befolgt. Eine übliche Lösung ist beispielsweise ein von der Gemeinde veranstaltetes Feuer statt vieler privater Feuer.

Ratschenklang statt Kirchenglocken

Besonders im Tiroler Oberland ist zu Ostern der Brauch des „Ratschens” verbreitet. Von Gründonnerstag bis Karsamstag bleibt das Kirchengeläut stumm, weil die Glocken laut Überlieferung nach Rom geflogen sind. Stattdessen ziehen Kinder mit ihren „Ratschen“ – hölzernen Klapperinstrumenten – durch die Dörfer und sagen Sprüche auf. Dafür bekommen sie Ostereier, Süßigkeiten und Kleingeld. 2015 wurde das Ratschen in der Karwoche sogar von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Kreative Fischbacher

Die Fischbacher Osterhasen sind das Markenzeichen des Kunsthandwerks-Kirtag in der steirischen Gemeinde. Bild: Gemeinde Fischbach

Ein nicht ganz so alter Brauch sind die mittlerweile stark touristisch geprägten Ostermärkte. Ein besonderer dieser Art ist der Fischbacher Osterhasenkirtag. Er entstand aus der Idee, auf kleinen Holzstämmen ein Hasengesicht zu malen und diese im ganzen Ort als Osterdekoration aufzustellen. Anfangs waren nur einige wenige Osterhasen zu sehen, dann wurde immer mehr die “künstlerische” Ader der Einwohner der steirischen Gemeinde geweckt und nach und nach fanden sich immer mehr dieser lustigen Gesellen mit allerhand österlicher Dekoration vor den Häusern.

Zur Begrüßung gibt’s die Rute

In den deutschsprachigen Ländern hat sich der Osterhase etabliert – vermutich als Symbol für Fruchtbarkeit. Doch nicht überall bringt der Hase die Eier. ©Heinrich Linse/pixelio.de

Wem die österreichischen Traditionen schon zu langweilig geworden sind, kann sich vielleicht an internationalen Bräuchen etwas abschauen. In Schweden kommt statt dem Osterhasen beispielweise die Osterhexe Påskkärring. Sie fliegt der Sage nach am Gründonnerstag auf ihren Hexenberg Blåkulla. An diesem Tag verkleiden sich deshalb die Kinder mit bunten Kopftüchern und Besenstiel als Hexen und gehen mit einer leeren Kaffeekanne in der Hand von Tür zu Tür. Sie fragen nach Süßigkeiten und verschenken zum Dank selbstgebastelte Osterbriefe. In Finnland beginnt das Osterfest bereits am Palmsonntag mit einer besonders “besinnlichen” Tradition: Jeder bewaffnet sich mit einer Birkenrute und verteilt damit Hiebe an seine Freunde und Familie. Diese sollen Glück fürs anstehende Jahr bringen und symbolisieren die Palmwedel zum Einzug Jesu in Jerusalem. Am Ostersonntag gibt es Umzüge, wo Kinder mit Trommeln und Scheppern die bösen Wintergeister vertreiben und dem Frühling damit den Weg bereiten.

Pitschnasse Ostern in Osteuropa

Etwas nass beginnt der Ostermontag für Frauen in Polen, Ungarn und in der Slowakei. Dort ist es üblich, dass sie von ihren Männern mit Wasser übergossen werden. Auch in Tschechien geht’s den Damen an den Kragen: Dort werden sie mit Weidenzweigen “geschlagen”: Ob dieser Brauch außer Schmerz wirklich auch die angebliche Gesundheit und Lebenskraft bringt, bleibt fraglich. Eher zu empfehlen sind die haitianischen Osterdrachen, die von Kindern gebaut und kunstvoll verziert werden. Am Karfreitag wird getestet, ob der Drache auch wirklich fliegt. In vielen Ländern bringt der Osterhase die Eier. Das ist aber nicht überall so: In Frankreich etwa sind es – ja, wirklich! – Glocken, die mit den Süßigkeiten angeflogen kommen und in Australien kommt zu Ostern das Beuteltier – der Easter Bilby.

-E. SCHUBERT

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