09:56 Uhr  //  KW 30  //  Dienstag, 23. Juli 2019  //  2416 Kollegen online

Gemeinden, die nicht in der Landkarte aufscheinen, aber sich auch zu einer pestizidfreien Grünraumpflege bekennen, können sich per E-Mail an service@greenpeace.at wenden. ©Greenpeace

313 Gemeinden bekennen sich zu einer glyphosatfreien Grünraumpflege. Der Umwelt zuliebe sollten es aber noch mehr werden. (Quelle: Greenpeace; Bilder: Karte: ©Alois-Fotolia.com, Schild: ©lantapix - Fotolia.com)

Die Auswirkungen von Pestiziden sieht man an diesem Feld deutlich: Dort, wo das Mittel auf die Wiese gespritzt hinaus ist, sind die Gräser tot. ©Gottfried Flandorfer

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Greenpeace-Analyse

313 glyphosatfreie Gemeinden

In 15 Prozent der österreichischen Gemeinden verzichten die Bauhofmitarbeiter auf den Einsatz von umstrittenen Unkrautvernichtern. Niederösterreich ist mit 228 glyphosatfreien Gemeinden absoluter Spitzenreiter im Bundesländer-Vergleich.

"Inzwischen leben schon 22 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher in Gemeinden, die völlig auf Glyphosat verzichten. Das ist eine gute Nachricht, es sollten aber 100 Prozent sein", betont Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher von Greenpeace Österreich. Die Organisation hat per Umfrage und Auswertung der öffentlichen Informationen die glyphosatfreien Gemeinden analysiert und eine Österreichkarte erstellt. 313 Gemeinden verzichten im eigenen Wirkungsbereich auf den Einsatz dieser gesundheitsgefährdenden Herbizide und 21 Gemeinden haben angegeben, dass sie die umstrittenen Unkrautvertilgungsmittel eingeschränkt verwenden.

Glyphosat schädigt Mensch und Tier

Glyphosat ist in vielen Unkrautvernichtern (Herbiziden) enthalten und steht im Verdacht umweltgefährdend und wahrscheinlich krebserregend für Menschen zu sein. Glyphosat ist beispielsweise in "Roundup" von Monsato oder in "Keeper Unkrautfrei" von Bayer enthalten. Es wird in der Land- und Forstwirtschaft, in privaten Gärten, aber auch im öffentlichen Raum gegen unerwünschten Bewuchs zum Beispiel auf Friedhöfen, Parkplätzen, in Parks oder auf Spielplätzen eingesetzt. Insgesamt ist Glyphosat das in Österreich am meisten eingesetzte Herbizid.

Selbst im Tee nachweisbar

Glyphosat wird mit einer Reihe schädlicher Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt in Verbindung gebracht. Anwender/innen, wie beispielsweise Gemeindebedienstete, sind dabei einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Insgesamt reichen die negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit von Reizungen der Augen und Haut bis hin zu Krebserkrankungen. Die Umwelt leidet unter dem Einsatz von Glyphosat: Das Pflanzengift schädigt nicht nur die Biodiversität und die Böden, sondern auch die Gewässerlebensräume, und kann damit das Gleichgewicht von Ökosystemen dauerhaft beeinträchtigen. Diese Mittel vernichten nicht nur die Pflanzen, sondern schädigen auch die Bienen. Auf diesem Weg kommen die krebserregenden Stoffe in Lebensmittel. Global 2000 hat beispielsweise in einem Tee-Test nachgewiesen, dass herkömmlich angepflanzte Teepflanzen teilweise hohe Rückstände an Glyphosat aufweisen.

Viele große Gemeinden verzichten auf Glyphosat

Unter den Gemeinden, die auf Glyphosat verzichten befinden sich auch große wie Graz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, St. Pölten, Villach, Wiener Neustadt, Klosterneuburg oder Baden bei Wien. Viele dieser Gemeinden sind nicht auf andere Pestizide umgestiegen, sondern benutzen nun mechanische Alternativen wie zum Beispiel Kehrbesen oder Heißdampfverfahren. Mehrere Gemeinden haben gemeinsam mit ihren Nachbargemeinden diese mechanischen Geräte angekauft, um die Anschaffungskosten zu verringern.

Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat

Dass viele Gemeinden erst in den letzten zwei Jahren pestizid- bzw. glyphosatfrei geworden sind, mag an der öffentlichen Diskussion um ein europaweites Verbot dieser Stoffe liegen. Auf europäischer Ebene wird derzeit ein weiteres Mal über die Zukunft des Unkrautvernichters diskutiert. Die Europäische Kommission hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, sich für eine Neuzulassung von Glyphosat für weitere zehn Jahre stark zu machen. Eine Abstimmung darüber könnte frühestens im Sommer stattfinden. Derzeit laufen NGOs wie Greenpeace oder Global 2000 gegen diese Pläne der Kommission Sturm. Um eine Neuzulassung doch noch zu verhindern, starteten die NGOs eine europäische Bürgerinitiative, bei der bereits über 800.000 Menschen unterschrieben haben. Die Unterschriftsphase ist noch nicht vorbei! Über die Homepages von Greenpeace oder Global 2000 kann man sich derzeit immer noch gegen die Neuzulassung von Glyphosat positionieren.

Nützliche Broschüre des Landes Vorarlberg

Gemeinden, die sich nun den 313 Vorreitern anschließen wollen, finden zahlreiche Initiativen in ihren Bundesländern. In Niederösterreich wird das Projekt von "Natur im Garten" geleitet, im Burgenland gibt es ein Umweltsiegel für glyphosatfreie Gemeinden - geleitet vom Büro der Landesrätin Astrid Eisenkopf - und viele mehr.

Das Land Vorarlberg hat eine sehr nützliche Broschüre herausgegeben, die den Einstieg in das Thema erleichtert und zahlreiche nützliche Tipps zur pestizidfreien Grünraumpflege gibt. Die Broschüre können Sie in der Linkbox kostenlos downloaden.

"Die Brennnessel" - Preis für Umdenker

Für Gemeinden, die bereits Vorreiter sind, aber auch für jene, die nun mehr für Biodiversität und Umweltschutz machen möchten, gibt es dieses Jahr einen besonders hoch dotierten Preis: Die Brennnessel. Insgesamt stehen 100.000 Euro für Projekte von Gemeinden, Schulen und Kindergärten zur Erhaltung der Artenvielfalt zur Verfügung. Reichen Sie auch Ihr Projekt ein! Alle Informationen zum Preis finden Sie links unter "Mehr zum Thema".

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