19:44 Uhr  //  KW 25  //  Dienstag, 19. Juni 2018  //  148 Kollegen online

Mit einem neuen Maßnahmenpaket versucht das Land Niederösterreich das Berufsbild für Landärzte attraktiver zu gestalten. (v.l. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landesrat Ludwig Schleritzko) © NLK Filzwieser

Das Land stellt Allgemeinmedizinern, die in Gemeinden einspringen, 5.000 bis 50.000 Euro Einstiegsprämie zur Modernisierung der Ordination zur Verfügung. ©Robert Kneschke/Fotolia.com

"Die Initiative in Niederösterreich ist ein wichtiger erster Schritt, aber um das Problem an der Wurzel zu packen, braucht es eine österreichweite Lösung", so Alfred Riedl in seiner Funktion als Präsident des Niederösterreichischen Gemeindebundes. ©Gemeindebund/Jürg Christandl

"Grundsätzlich begrüße ich jede Initiative, die hilft, den Landärztemangel zu beseitigen. Ich halte die niederösterreichische Initiative aber für zu wenig tiefgreifend. Wir brauchen ein österreichweites Konzept mit mehr Studienplätzen", so Rupert Dworak, Präsident des Verbandes sozialdemokratischer Vertreter in Niederösterreich. ©Gemeindebund/Jürg Christandl

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Niederösterreich

50.000 Euro Einstiegsprämie für Landärzte

Das Land Niederösterreich versucht mit einer neuen Initiative die ärztliche Versorgung in Gemeinden zu sichern. Aufgrund einer anstehenden Pensionierungswelle vieler Landärzte, werden jetzt Maßnahmen wie Einstiegsprämien gesetzt.

Mit der "Initiative Landarzt" startete das Land Niederösterreich am 2. Jänner 2018 ein Maßnahmenpaket zur Sicherung der ärztlichen Versorgung am Land. Sind Praxen mit einem Kassenvertrag in Niederösterreich für länger als ein Jahr nicht besetzt und bereits mehrmals ausgeschrieben worden, sollen künftig die Landeskliniken-Holding einspringen und Allgemeinmediziner für die Praxis bereitstellen.

Dabei werden für jene, die als Landarzt in Gemeinden einspringen, 5.000 bis 50.000 Euro Einstiegsprämie zur Modernisierung der Ordination vom Land zur Verfügung gestellt. Die Initiative setzt sich aber nicht nur aus dem "Sofort-Maßnahmenpaket", sondern auch aus einem "Struktur-Maßnahmenpaket" zusammen, womit etliche Erneuerungen in Kraft treten.

Unterstützung bei schwierigen Einsätzen

Das Sofort-Maßnahmenpaket umfasst drei Punkte, nämlich die Landarzt-Garantie, eine Einstiegsprämie für Allgemeinmediziner und die Begleitung der Ärzte bei schwierigen Einsätzen. So werden Landärzte künftig etwa bei schlechter Witterung von Rettungsdiensten oder Medizinstudenten unterstützt. Dafür stellt das Land jährlich 500.000 Euro zur Verfügung.

Laut dem neuen Struktur-Programm soll der Vollausbau der Karl-Landsteiner Universität in Krems an der Donau bis zum Jahr 2020 gelingen. Damit der drohende Ärztemangel abgewendet werden kann, fordert die Landeshauptfrau die Bundesregierung dazu auf, die Anzahl der Studienplätze für Medizin anzuheben. Beispielsweise gab es im Vorjahr für 1.620 Studienplätze fast 16.000 Bewerber.

60 Lehrpraxis-Stellen ab dem Sommer 2018

Mit der bereits bestehenden Aktion "NÖ studiert Medizin" sollen zudem noch mehr junge Menschen bei Vorbereitungskursen und Medizin-Aufnahmetests unterstützt und das Programm somit ausgeweitet werden. Ab dem Sommer 2018 werden rund 60 Lehrpraxis-Stellen angeboten. Um gut qualifizierte Mediziner in ländliche Regionen zu bekommen, möchte die Regierung unter anderem Landarzt-Stipendien einführen.

Forderung einer österreichweiten Lösung

Den Gemeindevertretern Niederösterreichs gehen diese Maßnahmen aber noch nicht weit genug. "Die Initiative in Niederösterreich ist ein wichtiger erster Schritt, aber um das Problem an der Wurzel zu packen, braucht es eine österreichweite Lösung", so Alfred Riedl in seiner Funktion als Präsident des Niederösterreichischen Gemeindebundes.

Auch Rupert Dworak, Präsident des Verbandes sozialdemokratischer Vertreter in Niederösterreich, hofft auf ein österreichweites Konzept. "Grundsätzlich begrüße ich jede Initiative, die hilft, den Landärztemangel zu beseitigen. Ich halte die niederösterreichische Initiative aber für zu wenig tiefgreifend. Wir brauchen ein österreichweites Konzept mit mehr Studienplätzen. Die Studenten erhalten hier eine erstklassige Ausbildung, daher denke ich, dass es auch eine Verpflichtung für sie geben sollte, hier nach ihrem Studium eine Zeit lang zu arbeiten."

Mit Blick in die Zukunft handeln

Derzeit gibt es rund 770 Kassenstellen für Allgemeinmediziner, wovon fünf Stellen nicht besetzt sind. Obwohl dies weniger als ein Prozent sind, "ist es ein klares Signal, hier Maßnahmen zu setzen und vorausschauend zu handeln", so Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leiter. Die drei niederösterreichischen Gemeinden Gresten im Bezirk Scheibbs, Aspangberg-St.Peter im Bezirk Neunkirchen und Groß-Siegharts im Bezirk Waidhofen an der Thaya warten bereits seit 2016 auf einen Landarzt.

In Gresten sowie Aspangberg-St.Peter wurde die Stelle bereits 24 Mal ausgeschrieben, während es in Groß-Siegharts zu 20 Ausschreibungen kam. Laut Johanna Mikl-Leitner könnte sich diese Situation aber durch eine anstehende Pensionierungswelle vieler Landärzte verschärfen.Das Angebot des Sofort-Maßnahmenpakets kann ab sofort in Anspruch genommen werden. Die Abrechnungsmodalitäten sollen künftig noch geklärt werden.

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