00:25 Uhr  //  KW 33  //  Montag, 10. August 2020  //  3 Kollegen online

Aus dem althochdeutschen Affulturpach (Erlbach) wird Abfaltersbach. (Bild: ZVG)

Die 647 Einwohner waren schon einmal bayrisch und französisch, nur deutsch wollten sie nie sein. (Bild: ZVG)

Beschreibung: „In von Gold und Schwarz schräglinks geteiltem Schild ein Mohrenlöwe in verwechselten Farben, mit beiden Händen einen grünen Zweig haltend.“ (Bild: ZVG)

Anno 1680 an Kreiz mitwoch als dem 14. may ist mier Martin Wierer von / meiner Ehewirthin Katharina Wiererin geborne obervodnerin ain khnäbl Todter auf die / welt geborn. So haben wier unsalhero zu unser Lieben Frauen haimbsuechung mit ainen opfer und H: mös verlobt, so hat / das khindt gezaichnet und das 1 mal die farb verändert. Zum 2 hat es ge??? Und ist von der höbamm 2 abgetrickhnet worden. / und allden von der Höbamb getauft worden. (© Museum Schloss Bruck, Lienz)

VIDEO

LINKS

DOWNLOADS

Drucken   EMail

Panorama

Abfaltersbach: Ein Mohrenlöwe und volle Windeln

Die kleine Osttiroler Gemeinde Abfaltersbach hat nicht nur einen Namen, den man sich schwer merken kann, sondern auch ein interessantes Wappen. Warum ein Mohrenlöwe das Wappen ziert und eine volle Windel für ein Wunder sorgt, erfahren Sie in diesem Panorama.

Affulturpach war jahrhundertelang als Grenzregion bekannt. Er galt als die östliche Grenze des bajuwarischen Siedlungsgebietes, der Ausläufer des Hochstifts Freising und bis ins fünfzehnte Jahrhundert teilte er die Gerichte Heinfels und Anras voneinander. Affulturpach bedeutet nichts anderes als Erlbach, ein kleiner Bach, der vom Anraser Berg kommt und in der Drau mündet. Vom althochdeutschen Namen Affulturpach hat sich der heutige, mundgerechtere Gemeindename Abfaltersbach abgeleitet.

Erstnennung umstritten

973 wurde die östliche Begrenzung des Freisinger Gebietes mit dem sogenannten Affulturpach bezeichnet. Später entdeckte man aber, dass die Urkunde nicht 973 geschrieben wurde, sondern erst hundert Jahre später.

Aber das war nicht das erste Mal, dass man über die Region rund um den Erlbach geschrieben hatte. Schon knappe 200 Jahre vorher verschenkte der Abt des Klosters Scharnitz ein Stück Land, das "bis an die Grenze zu den Slawen, das heißt bis zum Bach am Anraser Berg" reichen sollte.

Das weltliche vertreibt die Kirche

Abfaltersbach wurde 816 dem Hochstift Freising geschenkt, einem der vier großen bayrischen Bistümer. In dem abgelegenen Landstrich konnte das Stift machen was es wollte, brauchte aber Hilfe aus dem Adel. Dieser stellte zwar die Sicherheit und Gerichtsbarkeit sicher, wurde aber dadurch immer mächtiger und mächtiger.

Bis ins 13. Jahrhundert konnte sich das Stift behaupten, musste das Gebiet aber an die Grafen von Görz abgeben, die schon über Lienz herrschten. Als der letzte Graf von Görz starb und Kaiser Maximilian I. die Region erbte, schloss er Abfaltersbach an Tirol an. Jahrhundertelang war der kleine Ort dann wieder Grenze der Gerichte.

Ein Dorf vieler Länder

Anfang des 19. Jahrhunderts war Abfaltersbach kurze Zeit Teil des bayrischen Königreichs und wenig später einige Jahre dem Kaiserreich Frankreich zugehörig. Nach hundert friedlichen Jahren kam der erste Weltkrieg, der Osttirol isolierte und den Erlbach wieder zur Grenze machte. Als man 1921 Abfaltersbach an Deutschland anschließen wollte, reagierte die Bevölkerung ablehnend und blieb österreichisch.

Auch 1938 wollten die Bewohner nicht zu Deutschland gehören und stimmten viele Einwohner gegen die Wiedervereinigung. Daraufhin wurde die Gemeinde mit dem Nachbarsort Strassen zusammengelegt. Nach Ende des zweiten Weltkrieges waren zuerst die Amerikaner und dann britische Truppen in Abfaltersbach, bevor sie 1948 wieder zu einer eigenen Gemeinde wurde.

Das Wappen bedeutungsschwanger

Aus der reichen Geschichte Affulturpachs zimmerte das Land Tirol 1984 ein Wappen zusammen. Das auf den ersten Blick heute nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinende Wappen, das einen Mohrenlöwen darstellt, der mit beiden Händen einen grünen Erlenzweig hält, soll die Geschichte des Dorfes darstellen und an die jahrhundertelange Grenzlage der Gemeinde erinnern. Zuerst lag die Gemeinde an der Ostgrenze des Stifts Innichen, das zum Hochstift Freising gehörte. Beide Stifte führten den Mohrenkopf im Wappen. Später schied der Abfalter- oder Erlbach das Herrschaftsgebiet der Görzer Grafen, deren Wappentier der Löwe war, vom Gericht Anras, einem Teil des Hochstiftes Brixen. Der Zweig versinnbildlicht den Namen der Gemeinde, der als "Erlenbach" gedeutet wird.

Das Wunder der vollen Windel

Die dorfeigene Legende um das Wunder geht so: Das Ehepaar Wierer brachte 1680 ein Kind zur Welt, das kurz vor dem Tode stand. Völlig verzweifelt brachten die Eltern das halbtote Kind in die Kirche, um es nottaufen zu lassen. Doch als das Kind dort am Altar lag, war es stark genug um zu "zaichnen". In der damaligen Sprache bedeutet zaichnen nichts anderes als die Windel vollzumachen. Dieser Kraftakt des kleinen, schon tot geglaubten Kindes war für die Eltern ein Wunder. Die Hebamme wischte das Neugeborene ab und gab ihm die Taufe. Kurz darauf starb es aber doch. Ob die Taufe schuld war, ist nicht übermittelt.

Während man im Lienzer Museum Schloss Bruck sogar ein Votivbild des Wunders ausgestellt hat, weiß in Abfaltersbach fast niemand mehr von der Geschichte. Die Chronik der Gemeinde weist nur grob auf ein Wunder hin, das etwas mit einem toten Kind und einer Taufe zu tun hat. Am Pfarramt weiß auch niemand darüber Bescheid. Erst die Nachfahren des damaligen Kirchenerbauers, die selbst schon über neunzig sind, erinnern sich an die Sage aus 1680.

LOGIN / NEUANMELDUNG >

 

Benutzername:

Passwort:

 

Neuanmeldung als:

Einzelperson

Gemeinde/Verband