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Der pensionierte Polizist Reinhard Held hat die 12 Asylwerber zu Schülerlotsen ausgebildet. (BR: ZVG)

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Bad Ischl: Asylwerber sorgen für mehr Verkehrssicherheit

Bad Ischl geht mit einem Vorzeigeprojekt in die Integrationsoffensive: Asylwerber verrichten ab Schulbeginn als Schülerlotsen gemeinnützige Arbeit.

In der 14.000 Einwohnerstadt Bad Ischl werden Flüchtlinge ab nächster Woche Schulkinder sicher über die Straßen begleiten. Das Projekt wurde von dem pensionierten Polizisten Reinhard Held ins Leben gerufen, der zwölf Asylwerber, darunter drei Frauen, in Kooperation mit der städtischen Sicherheitswache zu Schülerlotsen ausgebildet hat. Der Laakirchner hat bereits in mehreren Gemeinden solche Projekte initiiert und stellt sich ehrenamtlich für die Ausbildung der Flüchtlinge zur Verfügung. 

Gemeinnützige Arbeit für mehr Verkehrssicherheit und bessere Integration

Primäres Ziel des Projekts ist es, den Schulweg für Kinder sicherer zu machen. In Bad Ischl wurde bislang vergebens nach Ehrenamtlichen für diese Arbeit gesucht. "Alle Bemühungen in den letzten Jahren, Ehrenamtliche für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu finden, sind gescheitert. Umso mehr ist es überaus erfreulich, dass mit dieser Initiative wieder Schülerlotsen in Bad Ischl im Dienste der Verkehrssicherheit für Kinder aktiv sein werden!", meint Bürgermeister Hannes Heide. Für Asylwerber kommt diese Tätigkeit wie gerufen. Sie freuen sich über die Möglichkeit arbeiten zu können, um so ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. "Die Asylwerber können auf diese Art beweisen, dass sie sich in unserem Land integrieren wollen", sagt SP-Sozialstadträtin Ines Schiller.

Das Einsatzgebiet der baldigen Schülerlotsen umfasst gefährliche Straßenzüge im nahen Umkreis der drei Bad Ischler Volksschulen. Hier werden sie ab nächster Woche zum Schulbeginn von Montag bis Freitag zwischen 7.00 und 8.00 Uhr morgens die Volksschüler sicher über die Straße begleiten. Pro Tag kommen bis zu sechs Asylwerber zum Einsatz, dann wird gewechselt. In den ersten Tagen werden sie noch von Polizisten aus dem Ort begleitet, bis sie die Aufgabe alleine übernehmen.

Umfangreiche Schülerlotsen-Ausbildung für Asylwerber

Bei der Ausbildung wurde vor allem auf den praktischen Bezug Wert gelegt. Stundenlanges Üben und Erkunden der Straßen gehörten zum Ausbildungsalltag der Asylwerber. Zudem mussten sie die Verkehrsordnung auswendig lernen. Um die Ausbildung absolvieren zu können, mussten die zwölf Asylwerber bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählten der Besitz des B-Führerscheins aus dem Herkunftsland sowie das Beherrschen der Deutschen Sprache auf dem Kompetenzniveau A1. Für den theoretischen Teil der Ausbildung wurde zusätzlich noch ein Arabisch-Dolmetscher hinzugezogen, um etwaige Verständnisschwierigkeiten auszuschließen. "Die Asylwerber sind nach ihrer intensiven Ausbildung bestens vorbereitet. Sie sind motiviert, stolz auf ihre Ausbildung und freuen sich auf ihren kommenden Einsatz", so Stadträtin Schiller.

Erste ehrenamtliche Beschäftigungsmöglichkeit für Flüchtlinge

In Bad Ischl ist das Schülerlotsen-Projekt das erste, bei dem Asylwerber gemeinnützige Arbeit leisten. Als Vorreiter gelten die Gemeinden Laakirchen und Ebensee, in denen Flüchtlinge im Straßenverkehr schon im Einsatz waren. "In jenen Gemeinden, wo sie bereits im Schülerlotsen-Einsatz sind, gibt es nur positive Rückmeldungen", betont Schiller. Sollte sich die Initiative auch in Bad Ischl bewähren, denke man an eine Ausdenhnung des Einsatzes über das gesamte Schuljahr hinweg.

In Bad Ischl setzt man seit Jahren verstärkt auf Integrationsmaßnahmen, um Flüchtlingen das Leben in der Gemeinde zu erleichtern. So wurde 2012 die Plattform "Flüchtlinge in Bad Ischl - von Mensch zu Mensch" gegründet, welche die circa 130 in Bad Ischl wohnhaften Asylwerber in den Bereichen Bildung, Wohnen, Arbeit sowie Freizeit unterstützt. Zudem wird Flüchtlingen die Möglichkeit geboten in Gemeindebetrieben bei einem Gehalt von fünf Euro pro Stunde mitzuarbeiten. Um das soziale Bedürfnis nicht zu vernachlässigen, lädt die Plattform jeden ersten Donnerstag im Monat zu einem "offenen Kaffee" ein. Hier haben asylbedürftige Menschen die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und mit Bad Ischlern in Kontakt zu treten. Für SP-Stadträtin Ines Schiller ist dies für ein erfolgreiches Miteinander unabdingbar: "Je mehr Kontakt man mit Menschen hat, desto besser können Berührungsängste abgebaut werden. Andernfalls kann Integration nicht gelingen".

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