08:43 Uhr  //  KW 33  //  Freitag, 18. August 2017  //  2527 Kollegen online

Statt neben Volksschulkindern mit Gift zu hantieren, wird in Mäder die vollkommene Natur vermittelt. (Bild: ZVG)

Die Kinder der Volksschule konnten sogar ihren Pausenhof zur Bewusstseinsbildung aktiv mitbepflanzen. (Bild: ZVG)

"Unsere Generation ist nach 40 Jahren Waschmittel- und Autowerbung verloren. Wir müssen auf die zukünftige Generation setzen", scherzt Siegele mit Hintergedanken auf eine ernste Thematik. (Bild: ZVG)

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Mäder

Blumenwiese statt Todesgift

Blühende Wiesen und summende Bienen statt krebskranker Menschen und toter Grashalme. Diesen Traum erfüllte sich die Vorarlberger Gemeinde Mäder, sagte 2012 "Stopp dem Glyphosat" und gewährt landwirtschaftliche Pachtungen zukünftig nur noch ohne Einsatz des Gifts.

Österreichweit verzichten 15 Prozent beziehungsweise 313 Gemeinden bereits auf das in Österreich am häufigsten eingesetzte Herbizid Glyphosat, das beispielsweise in "Roudup" von Monsato oder "Keeper Unkrautfrei" von Bayer enthalten ist. Vielerorts wird stattdessen auf alternative Bepflanzung und mechanische Verfahren zur Akzeptanz beziehungsweise Tötung der Wildkräuter gesetzt. Eine dieser Gemeinden ist das 3.822-Einwohner starke Mäder. 

Wasserdampf verdrängt Glyphosat

Der Vorarlberger Ort Mäder, südlich des Bodensees gelegen, beschloss bereits 1992 als umweltbewusste Gemeinde durchzustarten. Dennoch brauchte es noch weitere 20 Jahre, bis die Gemeindeverwaltung dem Wildkrautvernichter Einhalt gebot. "Als ein Anbieter eines Wasserdampfgeräts auf einen Bauhofmitarbeiter zukam, beschlossen wir diese Methode zu testen und die Region amKumma kaufte ein solches Gerät an. Wir hatten damit nicht nur die Möglichkeit die ungewollten Kräuter mechanisch, sondern zusätzlich thermisch zu bekämpfen", berichtet der Bürgermeister von Mäder, Rainer Siegele, vom entscheidenden Schritt zur glyphosatfreien Ortschaft.

Die Region amKumma besteht aus den Gemeinden Altach, Götzis, Koblach und eben Mäder. Ist das Gerät zwar stets in Mäder verortet, teilen sich die vier Ortschaften die Nutzung. Mäder beansprucht die Anschaffung fünf bis sechs Tage im Jahr, die größeren Gemeinden der Region öfters. "Natürlich entsteht ein geringer Mehraufwand durch die mechanische Bekämpfung, spritzen mussten wir nur ein bis zwei Mal im Jahr. Aber durch den Verzicht auf Glyphosat sind unsere Mitarbeiter keinen giftigen Stoffen ausgesetzt, dabei geht es auch um Arbeitnehmerschutz", zeigt Siegele die Vorteile des Wasserdampfgeräts auf. Denn neben dem Verdacht schädlich für die Umwelt zu sein, hat Glyphosat ähnlich negative Auswirkungen auf den Menschen. Angefangen bei Reizungen von Augen und Haut steht das Gift ebenso im Verdacht krebserregend zu sein.

Auch die Bienen freut´s

Neben dem Umstieg auf die mechanische Vernichtung, setzt die Gemeinde zusätzlich auf eine alternative Bepflanzung mittels Blumenwiesen. "Das ist die logische Folge. Statt eines sterilen Rasens gibt es bei uns bunte Blumen. Glyphosat ist letztlich nicht nur ein Gift für Menschen, sondern tötet ebenso Bienen. Mit Blumenwiesen bieten wir den Insekten einen Nährboden", freut sich der Bürgermeister über seine bunte Ortschaft.

Überdies setzt Mäder auf die Sensibilisierung innerhalb des Orts, da das Gift nicht nur im öffentlichen Raum, sondern ferner in privaten Gärten sowie der Land- und Forstwirtschaft gegen unerwünschten Krautwuchs angewandt wird. Es wurden Vorträge gehalten und nun versuchen laut Siegele bestehende Landwirtschaften den Einsatz des Giftes zu reduzieren: "Eine Reduktion ist merkbar, aber Landwirte verzichten nicht völlig. Vor allem bei Mais ist dies derzeit nicht möglich."

Pachten darf der Zukunftsorientierte

Doch das soll sich ändern und so werden landwirtschaftliche Nutzflächen zukünftig nur zusammen mit einem Glyphosatverzicht verpachtet. "Wollen wir zukunftsfähig sein, so müssen wir unser Leben umstellen und ohne den Einsatz von Gift und fossiler Energie auskommen", beschließt Siegele nicht nur für seine Gemeinde, sondern rät selbiges anderen Ortschaften.

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