19:45 Uhr  //  KW 25  //  Dienstag, 19. Juni 2018  //  148 Kollegen online

Die burgenländische Gemeinde Donnerskirchen ist eingebettet zwischen dem Leithagebirge und dem Neusiedlersee und wurde erstmals im Jahr 1285 urkundlich erwähnt. (Bild: ZVG)

Ein sehenswertes Highlight in der Gemeinde ist die katholische Pfarrkirche zum Heiligen Martin, die sich auf einer bewehrten Terrasse hoch über dem Ort befindet und Donnerskirchen sozusagen bewacht. (Bild: ZVG)

VIDEO

LINKS

DOWNLOADS

Drucken   EMail

Panorama

Donnerskirchen: Vom Blitz und Donner?

Entstand Donnerskirchen in Schallgeschwindgkeit von 330 Metern pro Sekunde? Oder liegt die Gemeinde in einer Zone, in der es oft Gewitter gibt? Wir machten uns auf die Suche nach der Namensherkunft.

Ein krachendes, mahlendes oder rollendes Geräusch, das von einem Blitz während eines Gewitters erzeugt wird, kennen wir als Donner. Ob die burgenländische 1.800-Einwohner-Gemeinde Donnerskirchen, eingebettet zwischen dem Leithagebirge und dem Neusiedlersee, durch ein Naturphänomen oder wie aus dem Blitz entstanden ist, gilt es nun herauszufinden.

Lange Geschichte des Acker- und Weinbaus

Donnerskirchen wurde urkundlich erstmals im Jahr 1285 im Zusammenhang mit Weingärten erwähnt. Dies beweist, dass es in dieser Gegend lange davor ein Gemeinwesen an deutschen Bewohnern mit Acker- und Weinbau gab. Der Ortsname erschien in Folge unter verschiedenen Schreibweisen wie beispielsweise Fulchakan, Chakan, Totchakan, Dondelskyrchen sowie Tundoltzkirchen.

Die Bezeichnung "Tundoldskirchen" geht auf den althochdeutschen Personennamen Tundolt zurück, während die Nennung "Chakan" von einem slawischen Personennamen abgeleitet wird. Wer schlussendlich für den Ortsnamen Donnerskirchen zuständig war, steht offen.

Wirtschaftlicher Aufschwung durch die Habsburger

Das Gebiet von Donnerskirchen wurde über verschiedene Epochen hinweg als Siedlungsplatz genutzt. Die Bevölkerung verteilte sich sowohl auf den Hängen des Leithaberges, als auch auf den Ebenen. Besonders stark besiedelt war die Gemeinde während der frühen Hallstattzeit um 800 vor Christus. Herrschaftlich lag Donnerskirchen im 14. Jahrhundert in den Händen des adeligen Geschlechts der Gathal. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ging der Ort in den Besitz des Hauses Habsburg über und gehörte diesem in Folge fast 200 Jahre an.

Da die Habsburger ihre Untertanen mit Rechten und Handelsprivilegien, vor allem im Bereich der Weinausfuhr nach Böhmen, Mähren und Schlesien ausstatteten, hatte dies einen großen wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge. 1622 wurde die Herrschaft von den Esterházys übernommen und 1647 Ungarn zugeschrieben.

Raubzüge in der Gemeinde

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam es zur Reformation des Gebiets um den Neusiedlersee. Die Bevölkerung Donnerskirchens schloss sich zu dieser Zeit den Lehren der lutherischen Sekte der Flacianer an. Trotz gewaltsamer gegenreformatorischer Maßnahmen der kaiserlichen Behörden hielten sie noch lange Zeit an ihnen fest. 

Besonders viel Leid wurde den Familien in der Gemeinde von den aufständischen Ungarn zugefügt. Sie raubten 35 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren sowie 19 erwachsene Personen, unter denen zum Teil auch Mütter waren. Anschließend verkauften sie sie an das Volk der Tataren. Um in Zukunft räuberischen Scharen nicht mehr ausgeliefert zu sein, errichtete man 1651 eine Befestigungsmauer.

Bosnien oder Donnerskirchen?

Heute gibt es in der Gemeinde eine Viertelbezeichnung namens "Graben", die in den Urkunden als "Neuhäusl" bezeichnet wird und ebenso unter dem Namen "Bosnien" vorkommt. Dies deshalb, weil es im Jahr 1879 zu einer Revolte kam. Wegen des Sammelns von Brennholz im fürstlichen Wald verurteilte man an die 200 Personen zu Geldstrafen.

Die Bevölkerung, die mit Dreschflegeln und Schürhaken bewaffnet war, verjagte die Gerichtsvollzieher jedoch mit großem Geschrei. Erst das einrückende Militär konnte für Ordnung sorgen. Da dieser Vorfall zeitlich mit dem bosnischen Feldzug zusammenfiel, erhielt der Graben als Schauplatz den Beinamen "Bosnien".

Die Kirschblütenregion des Burgenlands

Donnerskirchen ist aber nicht nur für diesen außergewöhnlichen Viertelnamen, sondern ebenso als reich beschenkte Kirschblütenregion und für die gute Weinkultur bekannt. Durch die klimatisch begünstigte Lage am Südosthang des Leithagebirges und am Westufer des Neusiedler Sees spielt der Weinbau eine besondere Rolle. Ein sehenswertes Highlight in der Gemeinde ist die katholische Pfarrkirche zum Heiligen Martin, die im Jahr 1680 geweiht und auf den Grundfesten einer mittelalterlichen Kirche erbaut wurde.

Das barocke Gebäude befindet sich auf einer bewehrten Terrasse hoch über dem Ort und bewacht sozusagen Donnerskirchen. Zuletzt bleibt zu sagen, dass die Gemeinde weder blitzartig, noch durch einen Donner erschaffen wurde und ihr Name vermutlich auf eine Personenbezeichnung zurückzuführen ist.

LOGIN / NEUANMELDUNG >

 

Benutzername:

Passwort:

 

Neuanmeldung als:

Einzelperson

Gemeinde/Verband