23:12 Uhr  //  KW 21  //  Sonntag, 24. Mai 2020  //  1 Kollegen online

Mining ist eine Gemeinde im oberen Innviertel im oberösterreichischen Bezirk Braunau am Inn. (Bild: ZVG)

Das mittelalterliche Schloss Frauenstein war vermutlich der Mittelpunkt für die unterschiedlichen Bevölkerungen, die im Laufe der Geschichte das Gebiet um das heutige Mining besiedelten. Heute befindet sich darin eine Burgschänke. Eine gute Möglichkeit, Frauenstein zu erreichen, ist mit dem Rad von Braunau aus. Der Radweg führt durch das Naturschutzgebiet Unterer Inn und die Rückfahrt ist auf der bayerischen Seite des Inn möglich. (Bild: ZVG)

Neben dem Schloss Frauenstein bietet eine Naturbühne Platz für kulturelle Veranstaltungen. Die zwei großen Theaterstücke "Der Pfeifenmacher" und "Der Brandner Kasper z'Mining" wurden hier bereits aufgeführt. (Bild: ZVG)

Das Mininger Wappen erinnert gleichzeitig an die lange Herrschaft der Bayern im Innviertel und an die Familie Paumgartner, Besitzer des Schlosses Frauenstein von 1508 bis 1885. (Bild: ZVG)

Das Schloss Mamling wurde erstmals im 13. Jahrhundert beurkundet, befindet sich in Privatbesitz und ist Teil des Mininger Drei-Schlösser-Wegs. Besonders sehenswert ist die Schlosskapelle. (Bild: ZVG)

Am Römerradweg in der Mininger Ortschaft Untersunzing liegt das Schloss Sunzing. Es befindet sich ebenfalls in Privatbesitz. Vorbei an einer über 350 Jahre alten Eiche führt der Schlösserweg von dort wieder zurück zum Schloss Frauenstein. (Bild: ZVG)

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Drei Märchenschlösser in Mining

Mining ist das englische Wort für Bergbau. Wer im oberösterreichischen Mining nun nach einem Stollen sucht, wird abgesehen von der schmackhaften Weihnachtsbäckerei aber nicht fündig werden. Dafür findet man in dem 1.225-Einwohner-Dorf gleich drei (!) historische Schlösser.

Die oberösterreichische Gemeinde Mining liegt direkt am Inn, der Fluss bildet die Grenze zu Deutschland. Mining gehört zum Bezirk Braunau am Inn und hat derzeit 1.225 Einwohner. Endgültig bei Oberösterreich ist der Ort am Inn erst seit nicht einmal 200 Jahren. Bewohnt war die Gegend um das heutige Mining aber schon seit langer Zeit.

Wie die Bayern ins Innviertel kamen

Auf die La-Tène-Zeit zurückgehende Funde zeigen, dass die Terrassenlandschaft am unteren Innufer bereits in der Zeit vor Christus besiedelt war. Nach den Römern vermischte sich die einheimische Bevölkerung im Zuge der Völkerwanderung mit den Bajuwaren, später Bayern genannt.

Nach einer unsicheren Phase während des "Ungarnsturms" im frühen Mittelalter begann im zwölften Jahrhundert die Herrschaft der Wittelsbacher. Diese bayrischen Herzöge sollten 600 Jahre lang die Geschichte rund um Mining bestimmen, indem sie sich gegenseitig bekämpften und dabei die heimische Bevölkerung ausbeuteten.

Von Muno zu Mining

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Mining übrigens im Jahr 885 nach Christus. Aus der damaligen Urkunde ist ersichtlich, dass Mining, "curtis Muninga", zu der Zeit ein dem bayerischen Herzog gehöriger Wirtschaftshof war, der später Eigentum des fränkischen Königs Karl des Großen geworden war. Der Name "Muninga" geht auf einen echten germanischen Personennamen zurück, nämlich "Muno". Es heißt, die Sippe des Muno siedelte sich zu Zeiten der Einwanderung der Bayern dort an. Aus Muninga wurde im Laufe der Jahrhunderte letztendlich Mining.

Unruhige Zeiten beiderseits des Inns

Im Zuge der Umbrüche nach der Reformation kam es auch vermehrt zu Bauernaufständen. Auf den Öberösterreichischen Bauernkrieg im Jahr 1626 und den 30-jährigen Krieg folgten Hungersnöte und Leid. Kaum hatte sich das Volk von den Gräueln erholt, kam schon die nächste Auseinandersetzung: Im Spanischen Erbfolgekrieg fielen die Truppen Prinz Eugens wiederholt ins Innviertel ein. Auch im Österreichischen Erbfolgekrieg war Oberösterreich das wichtigste Zielgebiet. Mit dem letzten Nachbeben der Erbfolgekriege war es soweit: Am 13. Mai 1779 kam das Innviertel zu Österreich.

Zehn Jahre nach Herrschaftsübernahme der Habsburger begann in Paris die Französische Revolution und Napoleons Truppen besetzten die Gegend am Inn. 1809 fielen die Franzosen direkt in Mining ein. Erzählungen zufolge rettete ein k.u.k. Zollwachebeamter namens Alexander Wilhelm Gogl viele Mininger, indem er sich als bayerischer Commissair-Ordinateur ausgab. Da er fließend französisch sprach, konnte er die feindlichen Truppen überreden, keine gewaltsamen Übergriffe auf die Bevölkerung zu unternehmen. Dafür versprach er ihnen Verpflegung und Quartier.

Blau-Gelb-Blau statt Rot-Weiß-Rot

Im selben Jahr ergriff Bayern abermals Besitz vom Innviertel. Diesmal sollte die bayrische Herrschaft nicht lange dauern: Mit dem Wiener Kongress 1815 kam die Gegend um Mining endgültig zu Österreich. Mit Bayern bleibt die Gemeinde dennoch durch eine lange gemeinsame Geschichte verbunden. Das zeigt sich auch im Mininger Wappen: Dieses wurde der Gemeinde 1969 verliehen. Es zeigt einen goldenen Löwen mit roter Zunge über einem goldenen Zaun vor einem blauen Hintergrund. Die Gemeindefarben Blau und Gelb(gold) sollen an die einstige Zugehörigkeit an Bayern erinnern. Das Wappen hat übrigens große Ähnlichkeit mit jenem der Familie Paumgartner - eine Familie, deren Geschichte eng mit jener von Mining verbunden ist.

Die Paumgartners waren über fast 400 Jahre Besitzer des Schlosses Frauenstein. In seiner heutigen Form existiert die mittelalterliche Burg seitdem sie um 1508 in den Besitz der Familie überging. Davor stand an der Stelle seit dem zehnten Jahrhundert bereits eine Burg namens Ernstein, und, um noch weiter in die Vergangenheit zurückzugehen, seit etwa 15 vor Christus ein römischer Wachturm. Vermutlich war eben jene frührömische Ansiedlung der Ursprung der heutigen Gemeinde Mining. Heute wird das Schloss Frauenstein von einem eigens gegründeten Verein gepachtet, der sich das Ziel gesetzt hat, das Schloss vor dem Verfall zu bewahren. Besucher können das historische Gebäude bei einem Getränk in der Burgschänke hautnah erleben.

Sportlich und historisch unterwegs am Drei-Schlösser-Weg

In Mining bleibt es jedoch nicht nur bei einem Schloss. Neben Frauenstein stehen nämlich in zwei anderen Ortschaften die Schlösser Mamling und Sunzing. Diese befinden sich zwar beide in Privatbesitz, können aber im Rahmen des Mininger Schlösserwegs von außen besichtigt werden. Der Rundweg führt Besucher wie Einheimische über eine Strecke von neun Kilometern zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die idyllische Landschaft des Innufers. An insgesamt acht Stationen erfahren Interessierte Wissenswertes über Mining und seine lange, abwechslungsreiche Geschichte.

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