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Werfen hat eine bewegte Geschichte zu erzählen. ©TVB/Werfen

Die Festung Hohenwerfen gab der Marktgemeinde ihren Namen. ©www.Guenterstandl.de

Der Ort im Salzburger Pongau zählt knapp 3.000 Einwohner. ©Foto Karisch/TVB Werfen

Geografisch liegt Werfen eingebettet zwischen Hochkönig, Tennen- und Hagengebirge. ©TVB/Werfen

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Panorama

Einen Blick auf Werfen werfen

Die zweitgrößte Gemeinde im Salzburger Pongau hat mit der Burg Hohenwerfen und der größten Eishöhle der Welt einiges zu bieten. Aber auch ein mordender Bürgermeister gehört dazu.

Die Marktgemeinde Werfen liegt eingebettet zwischen Hochkönig, Tennengebirge und Hagengebirge im Pongau, etwa 40 Kilometer südlich von Salzburg. Werfen beheimatet mit der Festung Hohenwerfen und der Eisriesenwelt zwei der insgesamt elf Top-Sehenswürdigkeiten von Salzburg. Das Gemeindegebiet umfasst fünf Kastralgemeinden und sechs Ortschaften, von denen Werfen der Hauptort ist. So ruhig und idyllisch Werfen heute ist, sind auch dubiose und dunkle Gestalten Teil seiner Geschichte. Werfen wir einen genaueren Blick darauf.

Der Ex-Bürgermeister als Giftmörder

Johann Oberreiter war von 1843 bis 1848 Bürgermeister von Werfen und zählte mit seiner Ehefrau und seinen fünf Kindern vorerst noch zur Obrigkeit im Ort. 1855 starb seine Frau und der gelernte Lebzelter heiratete nach vier Jahren erneut. Das Unheil begann seinen Lauf zu nehmen als er sich immer weiter verschuldete und Gläubiger ständig die Rückzahlung von seinen nicht unbeträchtlichen Schulden forderten. Dazu war Oberreiter allerdings nicht in der Lage.

1864 verstarb eine seiner Töchter und Gerüchte kamen auf, dass sie, genau wie ihre Mutter Jahre zuvor, von dem ehemaligen Werfener Bürgermeister vergiftet wurde. Seine zweite Ehefrau erstattete Anzeige, als nach drei Wochen auch noch eine weitere Tochter starb. Oberreiter wurde festgenommen und gestand seine zwei Töchter mit Arsen vergiftet zu haben. Der Mord an seiner ersten Frau konnte ihm nie nachgewiesen werden. Das Landesgericht Salzburg verurteilte ihn 1865 zum Tod durch Erhängen.

Hexenverbrennungen und Protestantenverfolgungen

Ein weiteres dunkles Kapitel von Werfen sind auch die Hexenverbrennungen und Protestantenverfolgungen. Zwischen 1675 und 1690 ließ Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg in der Erzdiözese Salzburg über 150 Personen wegen angeblicher Hexerei und Zauberei hinrichten. Im Mittelpunkt stand der Prozess gegen Barbara Koller, Abdeckerin im Raum Werfen. Abdecker war eine Berufsbezeichnung für Personen, die für die Beseitigung von Tierkadavern zuständig waren. Der Beruf galt als unehrlich und wurde mit Angehörigen einer sozial geächteten Gruppe verbunden. Barbara Koller wurde im August 1675 auf der Richtstätte Salzburg-Gneis hingerichtet.

Grundlage für die Protestantenvertreibung war der Ausweisungserlass von 1731. 20.000 protestantische Glaubensflüchtlinge aus dem Fürsterzbistum Salzburg mussten fliehen. Aus dem Raum Werfen waren mehr als 4.000 Menschen betroffen.

Von der Salzach geprägt

Weniger dramatisch ist die Art und Weise, wie Werfen zu seinem Namen kam. Aus heutiger Sicht leitet er sich von den Geländegegebenheiten ab und hat weniger mit dem Infinitiv zu tun, obwohl das die bewegte Geschichte des Ortes gut beschreiben würde. Das mittelhochdeutsche Wort "werve", was so viel heißt wie Wirbel oder Strudel bezeichnet die Stelle, wo die Salzach am Fuß der Burg "herumgewirbelt " wird. Der Fluss ist auch für die wirtschaftliche Entwicklung von Werfen bedeutend: das Salzachtal gilt als eine der wichtigsten Alpentransit-Routen und der Pass Lueg als seine natürliche Schlüsselstelle.

Einer der ältesten Märkte Salzburgs

Namentlich erwähnt wurde Werfen erstmals 1077 als "Burg Castrum Weruen" und spielt damit direkt auf die Burg Hohenwerfen an. Diese wurde im 11. Jahrhundert von Erzbischof Gebhard erbaut, um während des Investiturstreites seine Ländereien gegen Angriffe abzusichern. Um die Burg entstand der Markt Werfen, der vermutlich 1190 als Ort begründet und schon 1242 als "marckt" bezeichnet wurde, damit zählt er zu den ältesten Märkten im Salzburger Land. Marktprivilegien kann die Gemeinde seit 1425 aufweisen und wurde auch mit ihrem Wappen auf den Landtafeln des Erzstiftes geführt. Dieses zeigt im oberen Teil in Gold die Gestalt eines Pilgers in rotem Kleid und schwarzem Mantel und Hut. Bei dem Pilger handelt es sich wahrscheinlich um den Heiligen Rochus, dessen Heiligenattribut ein Hund ist, dieser ist ebenfalls im unteren Teil des Wappens zu sehen.

Größte Eishöhle der Welt

Die Burg Hohenwerfen ist heute ein recht beliebtes Ausflugsziel und zieht sowohl einheimische als auch fremde Besucher an. Eine weitere Attraktion in Werfen ist die Eisriesenwelt. Mit einer Gesamtlänge von 42 Kilometern ist sie die größte Eishöhle der Welt. Die Gemeinde legt besonderen Wert auf die Naturbelassenheit der Höhle, die Beleuchtung erfolgt zum Beispiel unter Verzicht auf Elektrizität durch Hand-Karbidlampen.

Berühmtheit erlangte Werfen auch als Filmkulisse für Hollywood-Produktionen. 1964 diente es als Drehort für den Kultfilm "The Sound of Music" mit Julie Andrews. Für Fans bietet Werfen geführte Wanderungen zu der weltberühmten Wiese, auf der die Darstellerin der Maria Trapp sang. Nur vier Jahre später eroberten Clint Eastwood und Richard Burton in dem Film "Agenten sterben einsam" heldenhaft die Burg Hohenwerfen, die im Film als "Schloss Adler" bezeichnet wird. Trotz seiner schaurigen Geschichte ist Werfen definitiv einen Besuch Wert, also keine Angst!

 

Salzburg hat sein eigenes Ortsnamenbuch

Auf 193 Seiten haben die beiden Sprachwissenschaftler Ingo Reiffenstein und Thomas Linder die Herkunft der Salzburger Ortsnamen (im Band 1: Stadt Salzburg und Flachgau) zusammengestellt. Es ist in der Edition Tandem erschienen und kostet 24,9 Euro. (ISBN: 987-3-902932-30-3)

 

 

 

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