03:02 Uhr  //  KW 26  //  Donnerstag, 27. Juni 2019  //  2 Kollegen online

Die FoodCoop Regionalspeis in Neukirchen a. d. Vöckla ist eine ehrenamtlich aktive Arbeitsgruppe, die im Rahmen des Förderprogramms "Appetit auf Zukunft" ins Leben gerufen wurde. (Bild: ZVG)

Faire Preise für Produzent und Konsument, transparente Vertriebswege und das Ausschalten von Zwischenhändlern gehören zu den wichtigsten Werten von Regionalspeis. (Bild: ZVG)

Die Zusammenarbeit mit dem Spar-Markt in Neukirchen ist für die Lebensmittelkooperative sehr wichtig, da dieser den Lagerraum zur Verfügung stellt. (Bild: ZVG)

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FoodCoops

Einkaufsgemeinschaft "Regionalspeis" geht an den Start

FoodCoops boomen. Immer öfter tun sich Bürger und Bauern zusammen, um die Wertschöpfung in der Region zu halten. Mit der "Regionalspeis" in Neukirchen an der Vöckla wehrt sich eine weitere Gemeinde gegen globale Produktionsketten und weite Lieferwege. Das kommt nicht nur der Umwelt, sondern auch den Bauern, Bürgern sowie dem regionalen Supermarkt zugute.

"Durch das Ausschalten großer Zwischenhändler ist es möglich, die Produkte zu einem fairen Preis zu verkaufen", erzählt Elisabeth Kienberger. Diese ist seit der Gründung des FoodCoop "Regionalspeis" in Neukirchen an der Vöckla (OÖ) im Kernteam des Vereins. Lokal produzieren, lokal kaufen. Der aus Amerika stammende Gegentrend zu globalen Supermarktketten sind FoodCoops. Diese sind Lebensmittelgemeinschaften, die selbstorganisiert biologische Produkte direkt von lokalen Erzeugern beziehen. "Bei uns gibt es keine Handelsspanne. Der Weg vom Produkt zum Konsumenten ist kurz und sehr gut planbar", so Kienberger. Der Konsument weiß, was er kauft und später isst und dem Produzenten ist ein sicherer Absatz garantiert.

Ein Jahr Vorbereitung

Die Lebensmittelgemeinschaft Regionalspeis ist 2014 im Rahmen des Agenda 21 Förderschwerpunkts "Appetit auf Zukunft" entstanden, welcher die nachhaltige Entwicklung vorantreiben soll. Seitdem hat sich der Verein mit der Frage beschäftigt, wie man den Einkauf von regionalen und ökologisch hochwertigen Produkten einfach und schnell gestalten kann. "Nach dem erfolgreichen Probebetrieb, starteten wir am 12. November offiziell mit einer Infoveranstaltung in Neukirchen. Bereits jetzt haben wir einige Interessenten dazugewonnen und erreichen durch Mundpropaganda immer mehr", sagt Elisabeth Kienberger.

Vom entwicklungs- und umweltpolitischen Aktionsprogramm Agenda 21 bekam der Verein Regionalspeis anfangs einen Betreuer gestellt, der das Team unterstützte und dazu verhalf, den Betrieb selbstständig aufzubauen. Die Einkaufsgemeinschaft arbeitet ehrenamtlich und besteht aus einem Dutzend Mitglieder. Zum sozialen Austausch treffen sich alle Beteiligten einmal pro Monat, wo über neue Produkte gesprochen und diskutiert wird.

Einfache Abwicklung

Bestellung und Anlieferung der Produkte erfolgt ganz einfach: auf regionalspeis.at können die Produzenten ihre Produkte selbstständig über eine Software, welche speziell für FoodCoops entwickelt wurde, mit Bild und Beschreibung eintragen und der Kunde kann sich ein Konto einrichten, worüber er die verschiedenen Lebensmittel bestellt. Bezahlt wird über ein Onlinekonto, welches aufladbar ist. "Über unsere Homepage kann der Kunde einmal pro Woche bis spätestens Dienstag Mitternacht bestellen. Am Freitag zwischen 12:00 und 18:30 Uhr kann die Ware dann abgeholt werden", erzählt Elisabeth Kienberger. "Die Anlieferzeit der Bauern ist immer donnerstags zwischen 15:00 und 17:00 Uhr. Die Produktpalette reicht von Fleisch-, Fisch-, Milch- und Getreideprodukte, über Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse, bis hin zu Marmeladen und Säfte."

Das Besondere an der FoodCoop in Neukirchen an der Vöckla ist, dass erstmals der lokale Lebensmittelmarkt der Dreh- und Angelpunkt der Lebensmitteleinkaufsgemeinschaft ist. "Regionalspeis hat beschlossen, mit dem Nahversorger Spar-Markt zusammenzuarbeiten, da wir dessen Geschäft nicht schädigen wollen und durch die Zusammenarbeit beide Organisationen profitieren. Der Markt stellt uns seinen Lagerraum zur Verfügung und die Kunden erledigen dafür ihren restlichen Einkauf im Geschäft. Somit haben wir eine Win-Win-Situation", so Kienberger.

Jeder kann Mitglied werden

Regionalspeis wird von insgesamt 18 Produzenten und Landwirten beliefert, die alle biologisch anbauen. Bevor die Bauern in den Verein aufgenommen werden, findet ein persönliches Gespräch statt, bei welchem individuell entschieden wird, ob die Mitgliedschaft anerkannt wird oder nicht. Bei den Konsumenten erfolgt die Aufnahme einfacher: "Kunde kann jeder werden. Pro Monat ist ein Mitgliedsbeitrag von fünf Euro abzugeben, damit die Verwaltungskosten gedeckt sind und zwei bis dreimal im Jahr muss ein Ladendienst verrichtet werden, bei dem das Mitglied hilft, die Ware einzusortieren", so Kienberger.

Vorteile für alle

Eine Lebensmittelkooperative hat für alle beteiligten Parteien Vorteile: Durch die Mitgliedschaft im Bündnis und den wöchentlichen Vorbestellungen der Produkte können sich die Produzenten ihres Absatzes sicher sein. Da es keine Zwischenhändler gibt, erhalten sie zudem einen fairen Preis für ihre Produkte. Der Kunde weiß, was er kauft und isst und zwischen Konsument und Produzent entsteht eine besondere Verbindung, da direkter Kontakt hergestellt wird. Oft ist es möglich, am Hof vorbeizuschauen, sich auszutauschen und selbst mitzuarbeiten.

Aber nicht nur Konsument und Produzent profitieren, sondern auch die Gemeinde, denn diese erzielt den Vorteil, dass Teile der Wertschöpfung in der Gemeinde gehalten werden und neue Kooperationen zwischen Bürgern, Unternehmen bzw. Produzenten entstehen. Außerdem sind solche Initiativen wertvolle Beiträge für Umwelt, gesunde Ernährung und ein Impuls für ein gutes Miteinander in der Gemeinde.

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