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Die Zahl der Zuwanderungsgemeinden ist gegenüber 2015 leicht zurück gegangen. Grund ist, dass die Zuwanderung nachgelassen hat. © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Die neu errichteten Wohnhausanlagen brachten der Gemeinde Schlatt 2016 ein sattes Eihnwohner-Plus von 8,22 Prozent. ©Gemeinde Schlatt

Schlatts Kindergartenkinder beim erstmaligen Hissen der von ihnen gestalteten Geburtsfahne. In der Mitte Bürgermeister Christian Mader. 2016 konnte die Fahne insgesamt 16 Mal die Fahnenstange erklimmen. Zum Vergleich: 2015 gab es nur sieben Geburten. ©Gemeinde Schlatt

Klaus Hügelsberger hat in seiner Gemeinde drei Hektar Siedlungsgebiet entwickelt. Davon profitiert nun die Gemeinde Holzhausen mit dem dritthöchsten Bevölkerungswachstum der letzten zehn Jahre. (Bild: ZVG)

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Statistik

Einwohnerzahlen auf Vorflüchtlingskrisen-Niveau

Mit 1.295 Zuwanderungsgemeinden im Jahr 2016 zeigt sich, dass der kurzzeitige Höhenflug, der durch den starken Flüchtlingsstrom verursacht wurde, langsam wieder abebbt. Schlatt in Oberösterreich konnte von 1.1.2016 auf 1.1.2017 das größte Bevölkerungsplus verzeichnen.

Nach dem Zuwanderungshoch im Jahr 2015 scheinen sich die Bevölkerungszahlen im Jahr 2016 wieder auf Vorkrisenniveau einzupendeln. Daher darf die Zahl von 1.404 Zuwanderungsgemeinden im Jahr 2015 als einmalige Ausnahme eingeordnet werden, denn von 1. Jänner 2016 bis 1. Jänner 2017 betrug die Zahl der Zuwanderungsgemeinden wieder 1.295 (2014: 1.254). Das zeigen die aktuellen Bevölkerungszahlen der Statistik Austria. Eine entsprechende Übersicht für Ihr Bundesland finden Sie wieder jedes Jahr in der Excel-Tabelle, die links zum Download bereit steht. Alle österreichweiten Berechnungen sind ohne Wien.

Im Umkehrschluss hat sich damit leider auch wieder die Zahl der Gemeinden mit Abwanderung vergrößert. Waren im Jahr 2015 noch 651 Gemeinden von Abwanderung betroffen, waren es 2016 schon wieder 764 Gemeinden. In 40 Gemeinden gab es Anfang 2016 genauso viele Einwohner wie Anfang 2017.

Größtes Bevölkerungsplus in Schlatt

Dass das oberösterreichische Schlatt 2016 die Gemeinde mit dem prozentuell größten Bevölkerungszuwachs ist, ist für Bürgermeister Christian Mader keine Überraschung: "Wir tun viel um eine möglichst liebens- und lebenswerte Gemeinde zu sein." Nordöstlich von Schwanenstadt gelegen bemüht sich die Kommune aktiv um Zuzug. So konnten heuer zwei von insgesamt drei Wohnbauten bezogen werden, der dritte Teil wird im Oktober fertig werden. Allein diese Maßnahmen brachte der 1.396-Einwohner-Gemeinde ein Plus von 54 Einwohnern.

"Wir schauen aber auch, dass die Leerstände wieder bezogen werden", erzählt Mader. Das Gemeindeamt fungiert hier als zentrale Anlaufstelle für Interessierte und Bauwerber. Der Zuzug brachte auch außergewöhnlich viele Geburten. Insgesamt 19 Mal musste die Geburtenfahne 2016 gehisst werden. Dass die Gemeinde so attraktiv für Zuzügler ist, liegt nicht nur an der herrlichen Lage mit Blick auf den Traunstein, sondern auch an der hervorragenden Infrastruktur. "Wir haben nicht weit zum nächsten Bahnhof, wo es die Anbindung an die Westbahnstrecke gibt, auch die A1 ist gleich in der Nähe und das Stadtzentrum von Schwanenstadt ist auch nur drei Kilometer entfernt", weiß Mader. Insgesamt betrug der Bevölkerungszuwachs von 1. Jänner 2016 auf 1. Jänner 2017 8,22 Prozent bzw. 106 Personen.

Das zweitgrößte Bevölkerungsplus konnte im niederösterreichischen Lanzendorf mit einer Steigerung von 7,66 Prozent bzw. 131 Einwohnern mehr erreicht werden. Damit zählt Lanzendorf nun 1.842 Bürger/innen. Platz drei belegt ebenfalls eine niederösterreichische Gemeinde: Michelhausens Bevölkerung wuchs 2016 um 7,37 Prozent bzw. 210 Einwohner. Mit diesem Plus liegt Michelhausen erstmals über 3.000 Einwohnern.

Stärkster Einwohnerrückgang im Kärntner Ossiach

Bescherte das Asylverteilerzentrum bei der Bevölkerungsstatistik im Jahr 2015 der Gemeinde Ossiach noch das größte Bevölkerungswachstum, sorgt es bei den Bevölkerungszahlen 2016 für das höchste Minus von 17,34 Prozent bzw. 163 Personen. In Wahrheit aber blieb die Zahl der dauerhaften Einwohner von Ossiach immer bei rund 750 Einwohnern. "Ich würde mir wünschen, dass die Statistik Austria die Zahlen diesbezüglich bereinigt, denn das hat so ja keine Aussage. Im Asylverteilerzentrum sind die Menschen meistens nur kurz und es ist auch nicht konstant mit gleich vielen Menschen belegt. Anders ist das mit den drei Flüchtlingsfamilien, die wir im Ort aufgenommen haben. Diese sind bereits seit zwei Jahren hier und sie wissen immer noch nicht wie es weiter geht. Vor allem für die Jugendlichen wäre es wichtig, eine Perspektive zu haben", kritisiert Ossiachs Bürgermeister Johann Huber.

Ähnlich lassen sich auch die "starken Abwanderungen" bei den beiden anderen Spitzenreitern erklären. Sowohl in Potzneusiedl (-12,54 % bzw. -83 Personen) und in Spital am Semmering (-11,33 Prozent bzw. -198 Personen) sorgten die Flüchtlinge im Jahr 2015 für ein großes Hauptwohnsitzplus und 2016 wieder für das entsprechende Minus. Beide Gemeinden gehören zu jenen Orten, in denen der Bund - in Potzneusiedl mit Durchgriffsrecht - große Flüchtlingsquartiere errichtete.

Zehnjahresvergleich: Kittsee weiterhin Zuwanderungsgemeinde Nummer eins

Etwas aussagekräftiger ist hier schon der Zehnjahresvergleich. Vergleicht man die Zahl der Hauptwohnsitze vom 1. Jänner 2007 mit jenen am 1. Jänner 2017 so ist Kittsee immer noch die Gemeinde, mit der höchsten Zuwanderung. Die burgenländische Marillengemeinde hat mittlerweile über 3.000 Einwohner. 2007 hatte sie noch 1.869 Einwohner. Das entspricht einer Steigerung von 1.204 Personen bzw. +64,42 Prozent. Ursache ist die starke Zuwanderung aus der nahen Slowakei, da in Österreich Wohnen offenbar billiger ist als im Zentralraum Bratislava.

Platz zwei mit einem Einwohner-Plus von 40,33 Prozent bzw. 744 Personen belegt Mitterndorf an der Fischa (NÖ). Die Gemeinde, die ungefähr eine halbe Stunde von Wien entfernt liegt, hat mittlerweile 2.589 hauptwohnsitzgemeldete Einwohner. Bürgermeister Mag. Helmut Hums ist das rasche Wachstum seiner Gemeinde keine Neuigkeit mehr: "1990 hat ein großer Hühnerbetrieb geschlossen. Dadurch sind im Ortszentrum viele Hektar Grund frei geworden. Wir haben umgewidmet und konnten einige der Gründe auch für die Gemeinde erhalten. Darauf konnten wir zahlreiche Wohnanlagen und auch sozialen Wohnbau realisieren. Als ich angefangen habe, hatten wir um die 970 ordentliche Wohnsitze, heute sind es über 2.000. Für dieses Wachstum mussten wir natürlich auch die ganze Infrastruktur weiter aufbauen. Im Großen und Ganzen ist das eine sehr positive Entwicklung. Das einzige, was wir jetzt nicht mehr haben, ist, dass jeder jeden kennt." In die Gemeinde zog es aber nicht nur Wiener, sondern aufgrund des sozialen Wohnbaus auch viele Bürger der umliegenden Gemeinden, sowie die Kinder von Einheimischen, die dann in der eigenen Gemeinde passenden Wohnraum fanden.

Holzhausen belegt Platz drei. Die 948-Einwohner-Gemeinde ist auf dem guten Weg, über 1.000 Einwohner zu bekommen, profitiert es doch von der günstigen Lage zwischen Linz und Wels. Um 38,60 Prozent hat die Gemeinde in den letzten zehn Jahren an Einwohnern gewonnen. "Wir sind Speckgürtelgemeinde", fasst Bürgermeister Kurt Hügelsberger den Grund für die Entwicklung kurz zusammen, "in den letzten Jahren haben wir drei Hektar Siedlungsgebiet entwickelt. Für uns ist eher schwer, dass man noch neue Grundstücke findet, um die Gemeinde weiterzuentwickeln." Das bringt der Gemeinde auch Mehreinnahmen durch die Ertragsanteile. "Natürlich ist für uns nicht nur der wirtschaftliche Aspekt wichtig. Es geht auch darum unseren Kinderbetreuungs- und Schulstandort abzusichern und somit den Diskussionen einer etwaigen Gemeindefusion vorzubeugen. Dafür muss aber auch die wirtschaftliche Entwicklung stimmen", betont Hügelsberger.

Tweng, Namlos und Gramais - höchste Abwanderung in zehn Jahren

Die Liste der Gemeinden mit dem größten Abwanderungsverlust führen drei kleine Gemeinden an. Hier wirkt sich natürlich die Abwanderung einiger weniger gleich stark auf das Gesamte aus. Dazu kommt, dass in einer Tourismusgemeinde wie Tweng auch die Abmeldung der Saisonarbeitskräfte die Statistik verfälscht. Geht man rein nach dem Zahlenwerk, führt die Salzburger Gemeinde die Liste mit 28,82 Prozent Abwanderung an. Im Vergleich zu Anfang 2007 verlor die Gemeinde 115 Einwohner und steht nun bei 284 Einwohnern.

Die Abwanderung von nur 26 Bewohnern in Namlos bzw. 16 Einwohnern in Gramais in den letzten zehn Jahren führte dazu, dass diese im Zehnjahresvergleich die zweit- bzw. dritthöchste Abwanderung hatten. In Namlos reduzierte sich die Zahl der Hauptwohnsitzer von 98 auf 72 bzw. um 26,53 Prozent und in Gramais wohnten Anfang 2007 noch 63 Menschen, während es nun nur mehr 47 sind. Das ist eine Reduktion um etwas mehr als ein Viertel (25,40%).

Erklärung zur Statistik

Für die Statistik werden die Zahlen der Hauptwohnsitze zum Stichtag 1. Jänner des jeweiligen Jahres herangezogen. Leichte Verfälschungen durch die An- bzw. Abmeldung von Saisonarbeitskräften im Tourismus beispielsweise oder von Flüchtlingen können dabei nicht herausgefiltert werden, da diese im zentralen Melderegister auch als Hauptwohnsitzgemeldete aufscheinen.

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