03:38 Uhr  //  KW 50  //  Sonntag, 16. Dezember 2018  //  2 Kollegen online

Die neue Fischbacher Ortschefin Silvia Karelly nimmt Gegenwind als Antrieb und zeigt, dass auch Frauen in der Lokalpolitik effektiv mitmischen können. (Bild: ZVG)

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Erste "Frauenherrschaft" in Fischbach

Mutter, Gemeindesekretärin und ab jetzt auch noch Bürgermeisterin: In einem randvollen Gemeindesaal wurde Powerfrau Silvia Karelly zur neuen Fischbacher Ortschefin gewählt. Damit ist die 40-Jährige österreichweit die 161. Frau im Bürgermeisteramt.

Mit zwei Abstimmungen ins Amt

Es war keine leichte Wahl: Erst im zweiten Wahlgang am 26. Jänner 2018 konnte dreifach Mutter und Gemeindesekretärin Silvia Karelly zur neuen Bürgermeisterin der steirischen Gemeinde Fischbach gekürt werden. Davor spielten sich im voll gefüllten Gemeindesaal dramatische Szenen ab. Im Versuch eine Frau in der Fischbacher Bürgermeisterriege zu verhindern, legte Gemeindekassier Herrmann Reindl harte Protestworte ein, bevor er als einziger anwesender Vertreter der FPÖ die Sitzung verließ. Auch die Sozialdemokraten der Gemeinde stimmten nicht für die VP-Kandidatin. Trotzdem konnte Karelly mit den verbleibenden acht Stimmen der ÖVP die Wahl für sich entscheiden.

"Bei der FPÖ, die bei uns noch immer eine sehr "männerdominierte" Partei ist, habe ich nichts anderes erwartet - von den SPÖ-Vertretern allerdings schon", tut die Neo-Bürgermeisterin ihre Enttäuschung über das Verhalten der anderen Parteien im Wahlvorgang kund. Besonders von den Frauen habe sie mehr Solidarität erwartet. Großen Zuspruch und zahlreiche Worte der Ermutigung erhielt die 40-Jährige hingegen aus der Bevölkerung und von den Eltern in der Gemeinde. "Die Bevölkerung zeigte so großes Interesse an meiner Wahl, dass der Gemeindesaal zum Bersten voll war. Das habe ich in meiner langen Zeit in der Gemeinde noch nie erlebt", freut sich die Powerfrau.

Wogen wieder geglättet

Mittlerweile haben sich die zwischenparteilichen Wogen in der Gemeindepolitik wieder geglättet: "Ich habe der SPÖ die Hand hingestreckt und versprochen, den Informationsfluss auch zur SPÖ aufrecht zu erhalten. Außerdem habe ich ihnen angeboten, vor den Gemeinderatssitzungen alle anfälligen Themen mit ihnen zu besprechen und sie auch in anstehende Personalentscheidungen miteinzubeziehen", so Karelly über die zukünftige Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten. "Mit der FPÖ wird es sich noch weisen, aber hier stehen bei weitem nicht alle hinter der Meinung des Gemeindekassiers." Dies zeigte sich etwa daran, dass ein FPÖ-Vertreter sein Mandat nach dem Wahl-Eklat zurücklegte.

Fortschrittliche Einstellung

Gegenwind ist die aktive Fischbacherin gewohnt: Auch als sie vor 15 Jahren ihren Dienst in der Gemeindeverwaltung als erste Frau nach über 100 Jahren aufnahm, gab es viele kritische Stimmen aus der männerlastigen Lokalpolitik, für die Karriere und Kinder bei Frauen als unvereinbar galten. Dass es doch anders geht, bewies das Ehepaar Karelly: Während der Mann zuhause bei den drei Töchtern blieb und sich sowohl um den Haushalt als auch um die Landwirtschaft kümmerte, fehlte die damalige Gemeindesekretärin nur für die gesetzlichen Karenzzeiten im Gemeindeamt. Nun möchte sie den Lokalpolitikern beweisen, dass auch Frauen eine gute Arbeit in der Leitung der Gemeindegeschicke leisten können.

Offenes Ohr für Bürger

"Das erste Mal als "Frau Bürgermeister" angesprochen zu werden, war für mich schon ein sehr bewegender Moment", gibt die Neo-Bürgermeisterin von Fischbach zu. Als "Volksbürgermeisterin" hat sie es sich zum Ziel gesetzt, den Anliegen der Gemeindebürger stets offen gegenüber zu treten.

In den nächsten zwei bis drei Jahren möchte sich Karelly besonders um den Erhalt und die Sanierung der Straßen der 1.540-Einwohner-Gemeinde kümmern. "Unsere 80 Straßenkilometer sind die Lebensadern der Gemeinde, ohne die weder Infrastruktur noch Wirtschaft möglich wären", so die Neo-Bürgermeisterin. Auch die Förderung des lebendigen Vereinswesen und besonders der Jugend sind Anliegen, um die sich die dreifache Mutter in ihrer Amtszeit annehmen wird. Dazu stehen schon konkrete Überlegungen im Raum: "In der Feuerwehr fehlen ein dringend notwendige getrennte Sanitär- und Mannschaftsräume, da wir bei der Feuerwehrjugend auch viele Mädchen haben." Auch ein neues Löschfahrzeug für die örtliche Feuerwehr möchte sie finanzieren.

Förderung einer aktiven Dorfgemeinschaft

Als vorwärtsgerichteter Familienmensch legt sie Wert auf das Miteinander, das Gemeinsame und das Verbindende - nicht nur im Gemeindeamt, sondern auch in der Zusammenarbeit der drei zu Fischbach gehörenden Kastralgemeinden Fischbach, Falkenstein und Völlegg. Mit einer gehörigen Portion Idealismus und viel frischen Elan will die positive Powerfrau den guten Zusammenhalt in der Gemeinde weiter stärken und sich zusammen mit Vereinen und Wirtsleuten um eine aktive und lebendige Dorfgemeinschaft bemühen.

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