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Teil sechs des Expertentalks zum Thema Radverkehr dreht sich um die Frage, ob Einbahnstraßen für Radfahrer auch gegen die Einbahnrichtung befahrbar sein sollten. ©Gemeindebund

Eine gute Lösung ist, in Risikobereichen die Fahrbahn farblich zu markieren. So können Autofahrer entgegenkommende Radfahrer besser antizipieren. ©Meschik, Korneuburg, NÖ

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Expertentalk: Gegen die Einbahn?

Rad fahren gegen die Einbahn: Gefährdung der Allgemeinheit oder praktische Lösung? Teil sechs des Expertentalks zum Thema Radverkehr gibt Antworten auf diese umstrittene Frage.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist Radfahren gegen die Einbahnrichtung. Michael Meschik vom Institut für Verkehrswesen der BOKU Wien erklärt im sechsten Teil des Expertentalks, warum hier die Meinungen so auseinandergehen, und was bei einer Lösungsfindung zu beachten ist.

Wie stehen Sie zum umstrittenen Thema Radfahren gegen die Einbahnrichtung?

Ich weiß, dass das ein sehr umstrittenes Thema ist. In der Stadt Salzburg sind inzwischen 70 Prozent der Einbahnen gegen die Einbahnrichtung für den Radverkehr geöffnet und es gibt eigentlich keine Probleme. Es gibt einige Untersuchungen, die das auch belegen. Im Wesentlichen kann man davon ausgehen, dass die Radfahrer sehen, was auf sie zukommt. Auch die Autofahrer sehen, was auf sie zukommt. Es ist wesentlich gefährlicher, als Radfahrer in Einbahnrichtung zu fahren, weil viele Lenker von Kraftfahrzeugen nicht genau wissen, wie breit ihr Fahrzeug ist und sie dann rechts sehr wenig Seitabstand einhalten. Wenn man einem entgegenkommenden Radfahrer in der Einbahn begegnet, ist das normalerweise kein Problem.

Radfahrer sind nicht sehr gut zu sprechen auf Einbahnen, weil die Einbahnen ja nicht wegen ihnen errichtet wurden, sondern meistens, um Parkplätze zu schaffen, um die Verkehrssituation ein bisschen zu "entdröseln", damit es leichter geht, oder um mehrere Fahrstreifen zu bauen. Das alles sind Hindernisse für den Radverkehr. Wenn Sie Einbahnen für den Radverkehr öffnen, dann machen Sie das Netz der Radfahranlagen kleinmaschiger, und die Radfahrer fühlen sich wohler.

Man muss natürlich immer darauf achten, dass das auch wirklich funktioniert. Man wird den Radverkehr nicht ohne Weiteres bei einer dreistreifigen Fahrbahn gegen die Einbahn fahren lassen. Aber in Anliegerstraßen und kleineren Straßen ist das kein Problem. Eine ganz wichtige Sache ist der Einfahrtsbereich und der Ausfahrtsbereich, also von den Kreuzungen weg oder zu den Kreuzungen hin. Den muss man besonders sichern. Ich zeige Ihnen ein Foto, auf dem Sie eine geöffnete Einbahn sehen (siehe Abbildung). Das ist in einer kleinen Stadt in Niederösterreich. Hier sehen Sie, dass im Bereich einer Kurve die Fahrbahn rot eingefärbt ist, um extra auf die Einbahnführung hinzuweisen.

Ansonsten ist es auch sehr zu empfehlen, an Kreuzungen eine kleine Insel zu machen, um zu verhindern, dass Autofahrer in diese Einbahn "hineinschneiden", wenn gerade Radfahrer herauskommen. Natürlich muss man sich immer alles im Einzelfall ansehen.

Sie befürworten also insgesamt die Öffnung von Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung für Radfahrer?

Wo es geht, ja. Natürlich muss man sich das vorher anschauen und erst dann kann man es gegebenenfalls umsetzen.

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