07:46 Uhr  //  KW 21  //  Montag, 20. Mai 2019  //  1952 Kollegen online

Der zweite Teil des Expertentalks zum Thema Radverkehr beschäftigt sich damit, wie man die Menschen zum Radfahren bewegt. ©Gemeindebund

Viele Menschen sind nicht abgeneigt, das Fahrrad zu benutzen, haben aber Angst vor rücksichtslosen Autofahrern. ©Meschik

Geschwindigkeitsbeschränkungen, wie etwa die Tempo-30-Zone, ermutigen zum Radfahren und verhindern schwere Verkehrsunfälle. ©Meschik, Nijmegen, NL

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Expertentalk: Warum nicht mit dem Rad?

Wie bringt man die Menschen dazu, das Fahrrad zu benutzen? Was hält sie davon ab und wie kann man sie dazu ermutigen? Diesen Fragen widmet sich der zweite Teil des Expertentalks zum Thema Radverkehr.

Trotz ausgebauter Radwege haben viele Menschen dennoch Hemmungen vor dem Radfahren. Welche subjektiven Hürden es gibt und wie man diese beseitigen kann, bringt Ihnen Michael Meschik vom Institut für Verkehrswesen der BOKU Wien näher. In Teil zwei des Expertentalks rund um das Thema Radverkehr analysiert Meschik jene Hintergründe, die viele Menschen vor dem Fahrradfahren abhalten.

Infrastruktur, schön und gut. Aber wie bringen wir die Menschen dazu, das Fahrrad wirklich zu benutzen? Was hält sie davon ab?

Wenn Sie die Leute fragen, warum sie nicht Rad fahren, dann bekommen Sie sehr häufig die Antwort: Weil sie sich fürchten. Das heißt, weil sie subjektive Sicherheitsprobleme haben. Darunter werden sehr häufig genannt: Große Verkehrsmengen, schneller Autoverkehr, rücksichtslose Autofahrer (siehe Abbildung). Davor haben die Leute einfach Angst und wollen deshalb nicht Rad fahren. Eine wichtige Sache, wie Sie den Radverkehr fördern können, ist, zum Beispiel, indem Sie flächendeckend Tempo 30 oder überhaupt geringe Geschwindigkeit in den Ortsgebieten einführen (siehe Abbildung mit Beispiel für Tempo 30). Das hat die Stadt Graz schon vor, glaube ich, 20 Jahren gemacht, und ist inzwischen sehr erfolgreich damit.

Es ist auch eine sehr kostengünstige Maßnahme - in den vorhergehenden Teilen haben wir bereits über Geld gesprochen -, Geld ist ja immer knapp. Und es ist eine sehr rasch umsetzbare, wirkungsvolle Maßnahme. Die Bedenken, dass man, wenn man mit Tempo 30 unterwegs ist, viel länger für seine Wege braucht als mit Tempo 50, kann man eigentlich auch entkräften, denn gerade zu den Hauptverkehrszeiten, wenn nichts weitergeht, wenn es sich staut, ist man sowieso noch deutlich langsamer unterwegs. 

Das heißt, die Sicherheitsaspekte der Rad Fahrenden sind eine ganz wichtige Sache, die man immer im Hinterkopf haben sollte. Im Englischen gibt es zwei Begriffe für Sicherheit, "safety", für die Verkehrssicherheit, und "security", für das, was wir im Deutschen sehr schlecht mit "sozialer Sicherheit" umschreiben. Damit ist gemeint, dass man sich nicht wohl fühlt im Verkehrssystem, Angst vor  Übergriffen hat, etc. Das heißt, die Radfahranlagen sollten auch, zum Beispiel bei Nacht, genau untersucht werden, ob es da entsprechende Sicherheitsdefizite gibt, wie etwa schlecht ausgeleuchtete Strecken, oder sonstige Dinge.

Was sollte man noch vermeiden? Hindernisse auf Radfahranlagen sind ein weiterer wichtiger Punkt. Poller, zum Beispiel, sind sehr gefährlich für Radfahrer, vor allem für Gruppen, weil die zweiten oder dritten in der Gruppe die Poller nicht sehen, und dann hineinfahren. Jetzt gibt es wieder eine Diskussion über Rechtsabbiege-Unfälle. Das ist auch ein sehr wichtiger Punkt. Ein Tipp, wie man so etwas verhindern kann, ist, dass man im Annäherungsbereich an die Kreuzung die Radfahrer direkt parallel zu den Fahrstreifen der anderen Fahrzeuge führt, damit sie einander gut sehen können und entsprechend darauf reagieren können. Wir werden etwas später noch genauer darauf eingehen (siehe Teil 3).

Noch eine wichtige Sache zum Tempo 30, die ich fast vergessen hätte: Es gibt einige Untersuchungen, die feststellen, dass die Unfallschwere je fünf km/h Geschwindigkeitserhöhung um sechs bis 20 Prozent steigt. Das heißt, wenn Sie die Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h verringern, dann haben wir enorme Reduktionen bei der Unfallschwere und Unfallhäufigkeit. Tempo 30 hat also eine sehr positive Auswirkung.

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