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In der Einführung in die Expertentalk-Reihe geht es darum, was der Radverkehr der Gemeinde bringt. ©Gemeindebund

Bei einem Expertentalk sprach Michael Meschik vom Institut für Verkehrswesen der BOKU Wien über die vielen Vorteile des Radverkehrs. ©VSS Straße und Verkehr

Fahrräder nehmen wesentlich weniger Platz ein als Autos oder öffentliche Verkehrsmittel und sind daher aus rein praktischen Gründen im Ortskern von Vorteil. ©Stadt Münster: Pressereferat

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Expertentalk: Was bringt Radverkehr?

Die Grundlagen des Radverkehrs in homöopathischen Dosen bringt Ihnen Michael Meschik vom Institut für Verkehrswesen der BOKU-Wien näher. Die Einführung in das Thema dreht sich um die Frage: Was bringt der Radverkehr?

Mit Hinblick auf aktuelle Klimaschutz-Maßnahmen und Reduktionsziele ist häufig von der Förderung des Radverkehrs die Rede. In vielen Städten und Gemeinden setzt man vermehrt auf eine fahrradfreundliche Infrastruktur. Welche Vorteile der Radverkehr für Gemeinden konkret hat, erklärte Michael Meschik vom Institut für Verkehrswesen der BOKU Wien in einem Expertentalk.

Wozu brauchen wir eigentlich noch mehr ausgebaute Radwege, wenn es schon so viele gibt?

Grundsätzlich zum Thema Radverkehr: Österreich ist kein Vorzeigeland, was den Radverkehr betrifft. Soweit ich mich erinnern kann, werden hier etwa acht Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Wenn Sie in andere Länder schauen - Holland ist ein sehr bekanntes Beispiel, oder Kopenhagen in Dänemark -, dort werden teilweise bis zu 40 Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Dort ist auch der Gesundheitssektor sehr zufrieden mit der Bevölkerung, weil sich die Leute wesentlich mehr bewegen als in Österreich. Das heißt, wir haben jede Menge Anlass, den Radverkehr einmal grundsätzlich zu fördern.

Außerdem, wenn es jetzt um Verkehrsprobleme in den Gemeinden geht, hat der Radverkehr ein hohes Potenzial, Verkehrsprobleme in den Gemeinden lösen zu helfen. Und vor allem braucht der Radverkehr - wie Sie in nebenstehender Abbildung sehen - sehr wenig Platz, um Personen zu befördern. Etwa ein Zehntel des Platzes, den der Autoverkehr braucht, und auch beim Parken brauchen Fahrräder deutlich weniger Platz als abgestellte Autos.

Radverkehrsinfrastruktur ist relativ günstig herzustellen, sie kostet nur einen Bruchteil. Das heißt, wir müssen weniger Geld investieren, um die Menschen zu bewegen. Und wir haben auch, ganz klar, weniger negative Umweltauswirkungen, wenn wir auf das Fahrrad setzen.

Gesundheitsaspekte habe ich schon kurz angesprochen: Wir bewegen uns zu wenig. Pauschaliert gesagt heißt das, wir sollten uns deutlich mehr bewegen. Schließlich sieht man, dass Gemeinden, die den Radverkehr intensiv fördern, auch relativ gute Strukturen haben. Was verstehe ich unter "gut"? Das sind Strukturen, die lebenswert sind, wo die ganzen Angebote, die wir als Menschen so haben möchten - Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, kulturelle Angebote, etc. - auf relativ engem Raum zusammen gestellt sind und wo man mit relativ kurzen Wegen alles erreichen kann, was man so braucht.

Wie soll eine Gemeinde das Thema Radverkehr angehen? Was empfehlen Sie Gemeinden?

Die Gemeinden sollten sich vielleicht Ziele setzen, was sie erreichen wollen. Sie sollten sich Programme erarbeiten, Verkehrskonzepte, und was sie in welchem Zeithorizont umsetzen wollen. Ich gebe Ihnen auch einen Hinweis auf ein Video (Link nebenstehend), in dem Gil Penalosa die Forderung aufstellt, die Verkehrsinfrastruktur so zu gestalten, dass sich Menschen von acht bis 80 Jahren problemlos darin zurechtfinden und selbstständig mobil sein können. Auch das ist ein Hinweis, um einfach eine Vorstellung zu bekommen, wie man das Zentrum einer Gemeinde so gestalten kann, damit dort lebenswerte Verkehrsverhältnisse vorliegen. Im Zentrum braucht es eher keine Parkplätze, sondern Flächen, wo Menschen sich aufhalten, wo sie miteinander kommunizieren, essen oder einkaufen können. 

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