09:29 Uhr  //  KW 50  //  Freitag, 15. Dezember 2017  //  2590 Kollegen online

Die FoodCoop-Mitglieder versammeln sich gemeinsam mit der lokalen Wirtschaft im Lager in der niederösterreichischen Gemeinde Neulengbach. (Bild: ZVG)

In der Abholstelle des Speiselokal-Webshops im niederösterreichischen Maria Anzbach treffen jeden Freitag frische Proukte von regionalen Landwirten ein. (Bild: ZVG)

Im Verein Bioparadeis in Wien finden regelmäßig Mitgliedertreffen statt. Dort werden gemeinsam Entscheidungen zu Sortiment, etc. getroffen. (BQ: www.foodcoops.at)

Das FoodCoop-Lager in der oberösterreichischen Gemeinde Sierning ähnelt - wie die meisten Lager - weniger einem Geschäft, sondern erinnern vielmehr an eine Mischung aus gemeinsamer Speisekammer und Wohnküche. © Barbara Ambrosz

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Umwelt

FoodCoops zur Förderung der regionalen Landwirtschaft

Der Grundgedanke von FoodCoops ist einfach: biologisch, regional, lokal, gesund und frisch sollen Lebensmittel sein. Die Vormachtstellung der Lebensmittelkonzerne und die damit einhergehenden sozialen Ungleichheiten sollen gebrochen werden.

"Viele Personen, die sich in FoodCoops engagieren, sind mit dem gängigen Angeboten im Supermarkt, etc. unzufrieden und wollen selbst über ihre Lebensmittelversorgung bestimmen", so Dominik Rax, der selbst seit acht Jahren FoodCoop-Mitglied in Oberösterreich ist. Der persönliche Bezug der Konsumenten zu den Produzenten geht im vorherrschenden Lebensmittelsystem verloren. Diesem Problem wirken FoodCoops entgegen. FoodCoops sind selbst organisierte Gemeinschaften, die ihre ökologisch erzeugten Produkte direkt von Landwirten in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld beziehen. So unterstützen sie Kleinbauern, deren Existenz oftmals am seidenen Faden hängt.

"Jede FoodCoop funktioniert ein bisschen anders, aber die Grundidee ist, dass private Haushalte ihre Einkäufe zusammenlegen und direkt bei den Bauerhöfen Sammelbestellungen machen", schildert Dominik. Solche Lebensmittelnetzwerke sind als Vereine oder als private Gruppen organisiert, wobei die Organisationsformen von kleinen Lager-FoodCoops über Online-FoodCoops bis hin zu großen Mitglieder-Läden mit Angestellten reichen. Ein Beispiel für eine Online-Anlaufstelle gibt es in der niederösterreichischen Gemeinde Maria Anzbach. "Wir sind ein gewerblich tätiger Verein mit fünf Mitgliedern, plus spontane Helferinnen", erzählt Juliana Lutz, eine der drei Initiatorinnen des Webshops. "Unser FoodCoop funktioniert anders als die meisten anderen. Man muss kein Mitglied sein, um mitzuwirken. Über unseren Webshop kann zwischen Freitag und Dienstag bestellt werden und freitags abgeholt werden", so Juliana gegenüber Kommunalnet.

Maria Anzbach: Global denken mit Speiselokal

Den Webshop speiselokal.org gründete Juliana Lutz gemeinsam mit Judith Schachinger und Sabine Rosenberger im Jahr 2011 in Maria Anzbach. Alle drei sind nach wie vor Mitglieder des Lebensmittelnetzwerks. "Das Angebot besteht aus saisonalen Produkten, die im Umkreis von 30 bis maximal 100 Kilometern von kleinbäuerlichen Betrieben beziehungsweise von anderen kleinen Betrieben erzeugt werden", schildert Juliana. Als Wiederverkäufer muss der Verein strenge Hygienevorschriften einhalten, dazu zählen Kennzeichung, Kühlung, Reinigung, Verpackung, etc. "In der Regel ist es aber nicht schwer, den Bestimmungen zu entsprechen", winkt die Initiatorin ab.

Den Speiselokal-Mitgliedern ist es besonders wichtig, Vertrauen zu den Konsumenten herzustellen. "Vertrauen ist wichtig. Bei uns gibt es keine Zielgruppen, sondern wir möchten Menschen dazu animieren, sich bewusst zu ernähren und geben jenen Auskunft, die wissen möchten, woher ihr Essen stammt", erklärt Juliana Lutz.Wenn es organisatorisch machbar ist, beteiligen sich die lokalen Bauern am Lebensmittelnetzwerk. Zudem gibt es lose Kooperationen mit den Gemeinden. "Wenn es sich gerade ergibt, werden wir eingeladen, bei Veranstaltungen die Zutaten fürs Buffet zu liefern oder an Diskussionsveranstaltungen teilzunehmen", so die Webshop-Mitbegründerin.

The Fife Diet als Inspiration

Der Webshop speiselokal.org agiert wie ein herkömmlicher Wiederverkäufer. Produkte werden von Landwirten bezogen und mit einem Preisaufschlag von etwa 20 Prozent weiterverkauft. "Dadurch werden Kleinbauern gefördert und kleinräumige Strukturen gepflegt. Wir betreiben keine Preisverhandlungen mit Bauern, sondern verkaufen auch gerne krumme Gurken", äußert sich Juliana. Die Speiselokal-Initiatorin fährt fort: "Wir fördern Vielfalt - bei uns müssen Produkte nicht standardisiert sein. Bauern brauchen auch keine regelmäßigen Mindestliefermengen in gleicher Qualität liefern. Es geht darum, Handlungsspielräume zu schaffen."

Grundnahrungsmittel wie Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte sind im Vergleich zu Waren aus den Supermärkten günstiger erhältlich. "Teurer sind allerdings Käse und Fleisch, teilweise auch Milchprodukte", so Juliana gegenüber Kommunalnet. Den entscheidenden Anstoß für die FoodCoops-Gründung im Jahr 2011 gab die schottische Initiative "The Fife Diet". Deren Mitglieder erledigen ihre Lebensmitteleinkäufe weitgehend abseits der Supermärkte und bieten zahlreiche lokale und saisonale Rezepte und Kochideen.

Projekt in Oberösterreich: "Appetit auf Zukunft"

Nun begeben wir uns wieder nach Oberösterreich, wo es ebenfalls viele verschiedene Formen von FoodCoops gibt. "Gerade in ländlichen Gebieten in Oberösterreich sind in den letzten Jahren FoodCoops entstanden, die von den Gemeinden unterstützt werden. Beispiele dafür sind Neunkirchen oder Scharnstein", erzählt Dominik Rax. Er ist nicht nur FoodCoop-Mitglied, sondern arbeitet weiterhin an dem oberösterreichischen Projekt "Appetit auf Zukunft", dessen Vereinssitz sich in der Landeshauptstadt Linz befindet. Das Ziel der Initiative ist es, gemeinsam mit Gemeindegruppen aus Oberösterreich, aber auch aus anderen Bundesländern FoodCoops zu gründen, diese bei Gründungen zu unterstützen und zu beraten. "Mitmachen können alle, die sich für faire und ökologisch produzierte Lebensmittel interessieren", erzählt Dominik. Er fügt hinzu: "Die anfallenden Aufgaben werden gleichermaßen unter den Mitgliedern aufgeteilt. So muss niemand die Hauptlast tragen."

Sowohl Dominik, als auch Juliana bestätigen, dass es bei FoodCoop um mehr geht, als biologisch erzeugte und regionale Produkte zu verkaufen. "Es geht nicht ums Kaufen alleine, sondern jedes Mitglied ist selbst Teil des Verteilungssystems, kann mitbestimmen und mitgestalten und lernt durch den persönlichen Kontakt mit den Produzenten viel über Lebensmittel und Landwirtschaft", so Dominik. FoodCoops setzen sich also kritisch mit Ernährungspolitik sowie Ernährungssicherheit auseinander und motivieren Konsumenten dazu, ein kritisches Bewusstsein beim Kauf von Lebensmittel zu entwickeln und dieses auch einzusetzen. " Die Produkte sind für alle Menschen gedacht, besonders für jene, die sich im Sinne von Ernährungssouveränität ernähren und die regionale Landwirtschaft unterstützen wollen", schildert Dominik Rax. Er ergänzt: "Zielgruppe sind private Personen, die hinter die Kulissen unseres Lebensmittelsystems blicken und ihre Lebensmittelversorgung selbst in die Hand nehmen möchten. Jede FoodCoop bestimmt ihr Sortiment selbst. In Wien gibt es beispielsweise eine vegane FoodCoop."

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