13:28 Uhr  //  KW 09  //  Dienstag, 25. Februar 2020  //  747 Kollegen online

(hinten l.) kija Salzburg-Leiterin Andrea Holz-Dahrenstaedt, Patin Eva-Maria Möseneder, Soziallandesrat Heinrich Schellhorn, (vorne l.) Manuela Geimer, Projektleiterin "Open Heart" und eine der ersten Gastfamilien Sophie und Michael ©kija Salzburg

Fast ein Fünftel der Flüchtlinge bekommt in Salzburg ein privates Quartier. Die meisten werden in privaten Unterkünften in Salzburg untergebracht. Quelle: Land Salzburg, Grafik: APA

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Salzburg

Gastfamilienprojekt für unbegleitete Minderjährige

Minderjährige, die ohne ihre Familie nach Österreich geflüchtet sind, können in Salzburg ab sofort auch von Gastfamilien aufgenommen werden. Die SOS-Kinderdörfer übernehmen Abwicklung und Betreuung. Mittlerweile werden rund ein Fünftel der Flüchtlinge in Salzburger Privatquartieren untergebracht.

"Salzburg nimmt im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf", betont die für Asyl zuständige Salzburger Landesrätin Martina Berthold. 550 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) waren es am 28. März 2016. Bei Unterbringung und Betreuung geht das Land einen neuen Weg.

Gastfamilien als neue Unterbringungsform

Bisher wurden die Jugendlichen in kleineren Quartieren untergebracht. In St. Gilgen, wo erst kürzlich ein Quartier eröffnet wurde, erhalten die 30 Jugendlichen im Rahmen des Projekts des Vereins "Rettet das Kind" intensive Bildungsangebote. Die persönliche Betreuung in der Familie konnten diese Quartiere trotz aller Bemühungen aber nicht ersetzen. Aus diesem Grund wurden die Unterbringungsmöglichkeiten seit 1. März auf Gastfamilien erweitert.

"Diese Erweiterung hat sich aus dem Projekt der Patinnen und Paten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge entwickelt", erklärt Berthold gegenüber Kommunalnet. Bei dem Projekt namens "Open Heart" der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg fanden Freiwillige zusammen, die offen auf andere zugehen und ein Händchen für Kinder haben, um den Jugendlichen den Start in ihr neues Leben zu erleichtern. Um den Beziehungsaufbau so einfach wie möglich zu gestalten, erhalten die Paten eine sechs Abende dauernde Ausbildung zu den Themen Asylrecht, Traumabewältigung, Interkulturalität etc.. Ähnliche Projekte gibt es laut den Landratsbüros in allen Bundesländern bis auf das Burgenland und Kärnten.

"Daraus ergab sich sowohl der Bedarf als auch die Bereitschaft der ausgebildeten Patinnen und Paten, Jugendliche langfristig bei sich aufzunehmen. Uns war wichtig, dass dieses Projekt rechtlich und qualitativ auf stabilen Beinen steht. Daher fand ein längerer Planungsprozess inklusive einer Ausschreibung statt", erklärt der für Soziales zuständige Landesrat Heinrich Schellhorn. Den Auftrag erhielt SOS Kinderdorf, das ab sofort die Ausbildung und die Begleitung der Gastfamilien übernimmt. Bereits fünf Gastfamilien haben diese Aufgabe übernommen.

Jeder kann Gastfamilie sein

Grundsätzlich steht dieses Modell jeder Salzburgerin und jedem Salzburger offen. Aufnehmen können Familien unbegleitete Flüchtlinge, die älter als zwölf Jahre sind. Die Eignung wird von der Kinder- und Jugendhilfe des Landes individuell geprüft. Dabei gilt es, zu klären, ob die räumlichen, finanziellen sowie familiären Voraussetzungen erfüllt werden. Die Familie erhält eine spezielle Ausbildung bei SOS Kinderdorf. Die Gastfamilien werden durch das SOS Kinderdorf bei Alltagsfragen wie beispielsweise Hausbesuchen, Gesprächsterminen etc. professionell begleitet und betreut. Auch die Vermittlung und Vorauswahl von unbegleiteten Minderjährigen läuft über das SOS Kinderdorf. Die Gastfamilien erhalten einen Beitrag in der Höhe von 689 Euro im Monat. Das Projekt wird vom Land Salzburg mit 14.235 Euro jährlich pro Familie finanziert. Interessierte können sich auf der Homepage der Kinder- und Jugendhilfe sowie auf der Homepage der SOS-Kinderdörfer informieren.

Mit dieser neuen Möglichkeit wird zum Teil auch einem Trend Genüge getan, denn immer mehr Flüchtlinge werden im Land Salzburg und dabei vor allem in der Stadt Salzburg privat - oft sogar in Wohngemeinschaften mit den Salzburgerinnen und Salzburgern - aufgenommen. Ende März 2016 wurden insgesamt 920 von insgesamt 4.920 derzeit im Land Salzburg aufgenommenen Asylwerbenden privat untergebracht. Noch im Jänner 2016 waren es 744 Flüchtlinge, die von den Salzburgerinnen und Salzburgern privat aufgenommen wurden.

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