20:11 Uhr  //  KW 47  //  Montag, 20. November 2017  //  57 Kollegen online

Vorarlberg setzt auf erneuerbare Energien. Um sich aber auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten zu können, fordern Gemeinden in einer Petition die dafür notwendige Finanzierungsgrundlage. ©MK/Fotolia.com

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Petition

Gemeinden für schnellere Energiewende

Elf Gemeindevertetungen fordern in einer Petition rund um erneuerbare Energien zusätzliche Entwicklungsschritte von der Landesregierung Vorarlberg. Ziel ist, die Energieautonomie bis 2050 zu erreichen.

Die Landesregierung Vorarlberg hat bereits 2009 die Energieautonomie 2050 beschlossen und versucht Vorsorgemaßnahmen für den Klimawandel zu setzen. In jährlichen Aktionsplänen wird zudem die 2015 gegründete Klimawandel-Anpassungsstrategie konkretisiert. Dennoch fehlt die notwendige Finanzierungsgrundlage, um den regionalen Energiebedarf bis 2050 vollständig mit erneuerbarer Energie abzudecken. Deshalb haben sich elf Gemeinden zu einer Petition, die die Finanzierung nun vorantreiben soll, zusammengeschlossen.

"Wir müssen Maßnahmen setzen, um das Ziel zu erreichen", so Bürgermeister Gerhard Steurer der teilnehmenden Vorarlberger Gemeinde Bezau. Bizau, Göfis, Dünserberg, Hittisau, Höchst, Krumbach, Mäder, Mellau, Nenzing und Schoppernau wirken ebenso bereits bei der Petition mit.

Bereits vorgesehene Vorsorgemaßnahmen

Die Energieautonomie 2050 ist ein von der Landesregierung Vorarlberg beauftragter Prozess zur Entwicklung und Gestaltung einer zukunftsfähigen Energieversorgung. In Vorarlberg ist durch die stetige Klimaerwärmung bereits jetzt ein Trend zu mehr Starkregen und Hitzetagen zu beobachten. Um dadurch hervorgerufene Schäden und Kosten möglichst gering zu halten, versucht die Landesregierung deshalb auf Vorsorgemaßnahmen zu setzen und Gemeinden über die Auswirkungen des Klimawandels zu informieren. "Man kann den Klimawandel bejammern, aber er findet statt. Das heißt, man muss etwas tun", so der Vorarlberger Landesrat für Land- und Forstwirtschaft Erich Schwärzler gegenüber der APA. 

Forderung der Finanzierungsgrundlagen

Um aber eine Energieautonomie bis 2050 erreichen zu können, fordern Gemeinden mittels der Petition jetzt eine eigenständige Finanzierungsstrategie, da die bestehenden öffentlichen Fördersysteme nicht ausreichen. Die Ziele der Petition sind:

  • Die Schaffung von neuen Förderprogrammen und die Dynamisierung der bereits bestehenden 
  • Die Sicherung beziehungsweise Steigerung der Motivation und Innovation in der Bevölkerung, bei Betrieben und in der Verwaltung zur Umsetzung von Projekten
  • Budgetneutrale Investitionen und Betriebsführung für den öffentlichen Verkehr

Einstweilen wird dennoch versucht sich mit ersten Schritten auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten. Mit der Umsetzung von "101 enkeltauglichen Maßnahmen" werden konkrete Ziele anvisiert. Jene, die bis 2020 zu erreichen sind, lauten beispielsweise:

  • Die Zunahme des Gesamtbestandes an Wärmepumpen um 50 Prozent
  • Eine anhaltende Sanierungsrate für Gebäude von drei Prozent und die Reduzierung des Energieverbrauchs für Raumwärme im Durchschnitt um 20 Prozent
  • Ein Anteil von fünf Prozent Elektroantrieb
  • Eine jährliche Effizienzsteigerung in der produzierenden Wirtschaft von einem Prozent

Klimawandel-Anpassungsstrategie

Mithilfe einer Klimawandel-Anpassungsstrategie sollen außerdem weitere Vorkehrungen getroffen werden. "Gerade jene Regionen, die schon bisher besonders engagiert waren, sind heute gefordert, diesen Weg konsequent fortzusetzen und weiter voran zu gehen. Wir werden unsere Bemühungen nochmals intensivieren", sagt Johannes Rauch, Vorarlberger Landesrat für Umwelt- und Klimaschutz, gegenüber der APA.

Auch Rainer Siegele, Bürgermeister der Gemeinde Mäder und Umweltverbandsobmann, wünscht sich Fortschritte. "Ich hoffe, dass die Sensibilität für den Klimaschutz und die Klimaanpassung durch die Klimawandel-Anpassungsstrategie noch zusätzlich gestärkt werden", so der Ortschef gegenüber der APA. Erste Anpassungsmaßnahmen sind beispielsweise die Risikominimierung durch Hochwasserschutz im Tal und die Schutzwaldpflege in den Berggebieten.  

"Wenn man sieht, wie große Politiker, beispielsweise in Amerika, mit Klimaschutz umgehen, dann ist das erschreckend. Dann haben wir und unsere Enkel wirklich bald ein Problem", so Steurer gegenüber dem ORF Vorarlberg. Die Gemeinde Bezau hat sich dem Klimawandel bereits mit ersten Projekten gestellt. Hier wird mit Photovoltaikanlagen und einer Elektrotankstelle gearbeitet. Auch die gesamte Straßenbeleuchtung wurde auf LED umgestellt. "Die LED Straßenbeleuchtung kostet jetzt im Vergleich nur mehr ein Viertel des vorhergehenden Preises", erzählt Steurer.

Kosten von vier Milliarden Euro

Beim Umstieg auf eine nicht-fossile Energieversorgung, geht Hans Punzenberger von der Arbeitsgemeinschaft für Erneuerbare Energie, von Kosten in der Höhe von vier Milliarden Euro für die kommenden 15 Jahre in Vorarlberg aus. Die Arbeitsgemeinschaft für Erneuerbare Energie ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein und setzt sich für die Förderung des sinnvollen Einsatzes von Energie ein. 

Laut Punzenberger könnte der Staat jedoch sparen, da die öffentliche Hand jährlich Millionen an Förderungen für fossile Energie und Atomenergie zur Verfügung stellt. "Obwohl eine größere Energieeffizienz hohe finanzielle Investitionen mit sich bringt, sind diese aber mit dem Blick auf die Energieautonomie positiv zu bewerten", sagt Herbert Sparr, Bürgermeister der Gemeinde Höchst, gegenüber dem ORF Vorarlberg. 

Impulsveranstaltungen "Bereit für das Klima von morgen?"

Insgesamt nehmen bereits 46 Vorarlberger Gemeinden am e5-Programm, das Gemeinden stufenweise an Energie- und Klimaschutzmaßnahmen heranführt, teil. Die Modellregion Vorwald-Egg wird als österreichweit einzige Region mit dem Schwerpunkt "zukunftsfähige Waldwirtschaft" vom Klimafonds der Bundesregierung unterstützt. 

Im Rahmen der zwei Impulsveranstaltungen "Bereit für das Klima von morgen?" erfahren Gemeinden, durch welche Handlungsmaßnahmen sie sich am besten an den Klimawandel anpassen können. So sollen alle 96 Gemeinden Vorarlbergs informiert und auf mögliche Förderungen von Schutzmaßnahmen aufmerksam gemacht werden. Anlässlich der Vorarlberger Umweltwoche wird die Petition der Gemeindevertretungen dem Land im Juli 2018 vorgelegt. Geht es nach der Arbeitsgemeinschaft, sollen sich bis dahin noch weitere Gemeinden der Forderung anschließen. In der nebenstehenden Link-Box finden Sie weitere Informationen zu den Impulsveranstaltungen. 

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