20:12 Uhr  //  KW 47  //  Montag, 20. November 2017  //  57 Kollegen online

Ausgegliederte Einheiten außer jene, die mit dem ESVG 2010 hinzugezählt werden müssen, sind in diesem Personalstand nicht erfasst. ©Das Personal des Bundes 2017

Der Anteil der öffentlich Bediensteten liegt unter dem OECD-Schnitt. ©Das Personal des Bundes 2017

Die nordischen Staaten haben die größten Verwaltungsapparate. ©Das Personal des Bundes 2017

In welchen Bereichen arbeiten die meisten Bundesbediensteten? ©Das Personal des Bundes 2017

Die Gehaltsschere ist im öffentlichen Dienst am geringsten. ©Das Personal des Bundes 2017

Der Altersdurchschnitt ist mit 47 Jahren in den meisten Bereichen relativ hoch. Das wird in zehn bis 20 Jahren zu einer Pensionierungswelle führen. ©Das Personal des Bundes 2017

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Statistik

Gemeinden mit der schlanksten Verwaltung

Der Personalbericht über den öffentlichen Dienst zeigt, dass Österreichs Verwaltung unter OECD-Schnitt liegt. Der hohe Altersdurchschnitt wird in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle nach sich ziehen. Dafür ist der Bundesdienst bei der Frauenbeteiligung vorbildlich.

Einmal im Jahr nimmt sich der Öffentliche Dienst mit dem Bericht "Das Personal des Bundes" auf 128 Seiten selbst unter die Lupe. Immer noch haben die Gemeinden mit 74.085 Bediensteten den geringsten Personalstand. Der Bund verfügt mit 132.741 Beschäftigten über die zweitgrößte Verwaltung, während die Länder mit 142.347 die meisten Mitarbeiter/innen beschäftigen.

Österreich unter OECD-Schnitt

Während die obere Berechnung sehr eng auf die Gebietskörperschaften ohne ausgegliederte Einheiten und mit der Berechnung auf Vollbeschäftigtenäquivalente (VBÄ) beschränkt ist, werden für internationale Vergleiche die Berechnungen nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) 2010 herangezogen, in das die ausgegliederten Einheiten wie ÖBB oder ORF auf Bundesebene einberechnet werden. Das heißt, dass hier auch jene Institutionen, die in irgendeiner Form - wenn auch geringem - staatlichen Einfluss stehen und gleichzeitig in ihrer Leistungserstellung und Preissetzung nicht marktbestimmend sind sowie ihre Kosten zu weniger als 50 Prozent aus eigenen Umsätzen decken können, hinzugezählt werden. Außerdem werden für den internationalen Vergleich Personen statt VBÄ und Erwerbstätige statt Erwerbsfähige herangezogen. Das vergrößert die Anzahl der öffentlich Beschäftigten fast aufs Doppelte.

Der internationale Vergleich zeigt daher deutlich, dass Österreich immer noch eine relativ schlanke Verwaltung hat. Der Anteil öffentlich Bediensteter lag 2015 in Österreich bei 16 Prozent, im OECD-Schnitt bei 18,1 Prozent. Die anteilmäßig größte Verwaltung haben die nordischen Staaten mit 25 bis 30 Prozent. Deutschland wiederum hat mit 10,6 Prozent eine deutlich schlankere Verwaltungsstruktur.

Hohes Durchschnittsalter

Für alle weitere Vergleiche gilt, dass diese nur für die Bundesebene angestellt wurden. Mit über 47 Jahren haben die allgemeine Verwaltung und die Lehrer das höchste Durchschnittsalter. Am "jüngsten" ist der Exekutivdienst mit durchschnittlich 42,9 und das Militär mit 43,3 Jahren. Richter und Staatsanwälte liegen mit 46,1 Jahren im Mittelfeld. Aufgrund der Aufnahmestopps und der Altersstruktur ist daher in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren mit überdurchschnittlich vielen Pensionierungen zu rechnen.

Gehaltsschere im öffentlichen Dienst am geringsten

Das Median-Bruttojahreseinkommen eines öffentlich Bediensteten liegt mit 46.589 Euro im Jahr 2015 nur unwesentlich höher als jenes von Angestellten in der Privatwirtschaft (46.402 Euro). Arbeiterinnen und Arbeiter verdienen mit durchschnittlich 31.915 Euro am wenigsten. Während im Bund Frauen und Männer zumindest halbwegs gleich bezahlt werden (Frauen: 44.043 Euro, Männer 48.940 Euro), ist der Unterschied in der Privatwirtschaft überaus deutlich: Unter den Angestellten verdienen Frauen durchschnittlich 36.378 Euro und Männer 54.643 Euro, unter den Arbeitern verdienen Frauen durchschnittlich 23.778 Euro und Männer 33.843 Euro.

Unterschiede in Qualifikation und Alter wurden bei diesem Vergleich nicht bereinigt. Im Bundesdienst ist das Durchschnittsalter um sieben Jahre höher und der Anteil der besser ausgebildeten Mitarbeiter deutlich höher. Liegt der Anteil der Akademiker und Maturanten im Bundesdienst bei 50 Prozent, beträgt dieser in der Privatwirtschaft nur 35,3 Prozent.

Im Vergleich der einzelnen Sparten zeigt sich, dass Richter und Staatsanwälte mit einem Median-Jahreseinkommen von 83.397 Euro am besten verdienen, gefolgt von Lehrern mit 51.567 Euro. Am "schlechtesten" verdient man in der allgemeinen Verwaltung mit einem Median-Einkommen von 37.873 Euro.

Die meisten Bundesbediensteten arbeiten nicht in Wien

Anders als in der Diskussion um die Bundesdienststellen, die sich tatsächlich mehrheitlich in Wien befinden, sind die Bundesbediensteten mehrheitlich in den Bundesländern tätig. Zwei Drittel der Bundesbediensteten arbeiten in den Bundesländern, ein Drittel in Wien. Das ist auch logisch, denn den größten Anteil der Bundesbediensteten machen die Lehrer in den mittleren und höheren Schulen (34%), der Exekutivdienst (Polizisten, Justiz; 25%) und die Landesverteidigung (16%) aus. Die Berufsgruppe "Verwaltungsdienst" umfasst ebenfalls einen großen Anteil, denn unter diesem Oberbegriff sind die Mitarbeiter der Finanzämter, Schulen, Gerichte und der militärischen Infrastruktur zusammengefasst. Das impliziert auch, dass die meisten "Beamten" keine Schreibtischtäter sind, sondern direkt mit den Menschen arbeiten. Nur 8,3 Prozent der Bundesbediensteten arbeiten in den Ministerien.

Frauenanteil hat sich deutlich erhöht

Frauen sind anders als auf politischer Ebene im Bundesdienst mit 41,9 Prozent sehr gut vertreten. Im Krankenpflegedienst und unter den Lehrern ist der Anteil der Frauen mit 64,8 bzw. 59,7 Prozent besonders hoch. Während sich der Anteil der Frauen bei den Lehrern seit 1995 um fast zehn Prozent steigerte, sank er im Gesundheitsbereich um 22,3 Prozent. Die 50-Prozent-Hürde schaffen Frauen auch im allgemeinen Verwaltungsdienst (52,7%, +5%) und bei den Richtern und Staatsanwälten (53,1%, +23,6%). Deutlich gesteigert hat sich auch der Anteil der Frauen im Exekutivdienst: Lag dieser 1995 noch bei 3,9 Prozent, gibt es nun schon 15,6 Prozent Frauen. Dass es 1995 beim Militär 0,0 Prozent Frauen gab, ist wenig verwunderlich. Bis 2016 steigerte sich hier der Anteil auf 2,2 Prozent.

Frauen in Führungspositionen deutlich seltener

Der Blick auf die Führungsebene zeigt jedoch deutlich, dass in der Führungsebene mit 35 Prozent deutlich weniger Frauen zu finden sind. Vergleicht man diesen Wert mit dem Frauenanteil in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen, so ist dieser im Bundesdienst wieder vergleichsweise hoch. Dort haben es nur 18 Prozent an die Spitze geschafft. Daher wurde 2017 auch eine 30-Prozent-Quote für Frauen in Aufsichtsräten beschlossen.

Staat und Wirtschaft bei Krankenständen gleich gezogen

Das Klischee, dass Bedienstete im Öffentlichen Dienst öfter im Krankenstand sind, lässt mit Blick auf die tatsächlichen Zahlen der letzten Jahre nicht bestätigen. Im Bundesdienst waren die Beschäftigten 2016 rund 12,3 Tage und im ASVG-Bereich rund 12,5 Tage im Krankenstand.

Pensionsalter steigt

Das Pensionsantrittsalter ist im Bundesdienst seit 2006 in allen Bereichen angestiegen und liegt bei 61,7 Jahren. Das höchste Antrittsalter haben die Richter und Staatsanwälte mit 62,9 Jahren, gefolgt von den Lehrern mit 62,7 Jahren. Am frühesten in Pension gehen die Polizisten mit 59,3 Jahren. Im Exekutivdienst werden höhere Anforderungen an die Arbeitsfähigkeit gestellt, daher ist das Pensionsantrittsalter in diesem Bereich niedriger.

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