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Glykoside: Giftig und wohlschmeckend

Der Geschmack von Marzipan, die Schärfe eines Rettichs und die Giftigkeit der Zierpflanze Fingerhut haben eins gemeinsam. Alle diese Eigenschaften werden durch Glykoside verursacht. Pflanzen nutzen die Glykoside gegen Fressfeinde. Aber was sind denn Glykoside?

Heute also ein kleiner Grundkurs Biochemie; aber keine Sorge. Wir bleiben in allgemeinverständlichen Bereichen und vermeiden so gut es geht kryptische Fachidiome. Im Wort Glykosid steckt jedenfalls das altgriechische Wort für süß -glykos. Der Zucker Glukose (bekannt aus der Zutatenliste von Lebensmitteln) und Glycerin, ein süß schmeckender Alkohol, haben ihre Namen ebenfalls hiervon. Was aber haben Glykoside mit Zucker zu tun?

Glykoside als Geschmacksträger

Wenn ein chemischer Stoff an einen Zucker gebunden ist, dann spricht man von Glykosiden. Und gar nicht so selten nutzt die Pflanze „Kampfstoffe“ gegen Fressfeinde. Und um sich nicht selbst zu vergiften nutzt sie den Trick, den Giftstoff an einen Zucker zu binden. Dieser Stoff, das Glykosid, ist zwar jetzt ungiftig, gleicht aber eher einem gespannten Bogen, der jederzeit einen Giftpfeil abfeuern kann. Wenn Sie Kren reiben dann spalten Sie Unmengen an Senföl-Glykosiden. Und diese Senföle reizen jetzt Ihre Augen und Ihre Atemwege. Eigentlich perfekt um Sie als Fressfeind des Krens vom Genuss dieser Pflanze abzuhalten; bei Kindern wirkt das meist noch. Schlecht aber für den Kren, wenn er eben genau deswegen gegessen wird. Bittermandelaroma in Marzipan ist ebenfalls eine Zucker-Blausäure-Verbindung, wunderbar duftend, die aber in höheren Dosen durchaus giftig wirken kann, denn Blausäure raubt Ihr Eisen aus dem Blut. Nicht gut.

Unlustiger wird es, wenn Glykoside schon in geringer Dosierung giftig wirken. Maiglöckchen mit Bärlauch verwechseln kann fatale Auswirkungen haben, denn Maiglöckchen enthalten verschiedene herzwirksame Glykoside. Wie auch der Fingerhut, Adonisröschen oder Oleander. Kinder sollten diese Pflanzen kennenlernen, aber besser nicht am Spielplatz oder im Kindergarten.

Glykoside im Pflanzenschutz

Pflanzen nutzen die Glykoside also gegen Fressfeinde, soweit klar. Sie haben sogar die Möglichkeit für sie selbst giftige Substanzen, durch Zuckerbindung unschädlich gemacht, gezielt vor Ort, an der Stelle des „Angriffs“ zu spalten. Dann wird beispielsweise Blausäure oder Senföl frei, das Bakterien, Pilzen, aber auch Raupen das Leben sehr schwer machen. Nur ausgewogen ernährte, gesunde und stressfreie Pflanzen können es sich leisten Glykoside und andere Abwehrstoffe in ausreichendem Maß zu bilden um sich zu schützen. Deshalb ist natürliche Düngung, gut belebter Boden und ausreichend Platz die beste Vorbeugung gegen Schädlinge und Krankheiten.

Bildunterschrift: Fingerhut enthält mehrere herzwirksame Glykoside und ist dadurch stark giftig.

Mehr Information bei “Natur im Garten” Grünraumservice unter der Telefonnummer 02742-74333 oder per email unter gartentelefon(at)naturimgarten.at

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