08:42 Uhr  //  KW 50  //  Montag, 10. Dezember 2018  //  2937 Kollegen online

Hollenstein liegt im südwestlichen Niederösterreich, eingebettet zwischen den Hausbergen Gamsstein, Voralpe und dem Königsberg. (Bild: ZVG)

Die zweiarmige Mündung des Hammerbaches, ein linker Nebenfluss der Ybbs, nahm auf die Gestalt Hollensteins erheblichen Einfluss. Im Zuge der Bachregulierung wurde der westliche Arm aber zugeschüttet. (Bild: ZVG)

Richard Steinhofer, ein Hollensteiner Künstler, schuf nach der Sagengestalt des Spitzhiatls eine Steinplastik, deren grafische Wiedergabe heute viele Tafeln, wie auch jene bei den Ortseinfahrten, ziert. (Bild: ZVG)

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Panorama

Hollenstein: Wo einst Frau Holle lebte?

Hört man den Ortsnamen Hollenstein, kommt es zu Assoziationen wie dem Märchen "Frau Holle" im Kopf. Erstaunlich ist, dass selbst die Gemeinde zweifelt, ob diese auch hier ihr Bett aufschüttelte und für Schneeflocken sorgte.

"Du musst nur Acht geben, dass du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, sodass die Federn fliegen. Dann schneit es in der Welt", so Frau Holle zur Goldmarie im Märchen der Gebrüder Grimm. Ob sich das Haus der alten Dame wohl tatsächlich in der niederösterreichischen 1.710-Einwohner-Gemeinde Hollenstein im Bezirk Amstetten befand und Frau Holle Einfluss auf den Ortsnamen hatte?

Vier Herleitungen für Hollenstein

Hollenstein wurde im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Die Herleitung des Gemeindenamens lässt gleich vier Optionen offen. Für deren Erklärung muss aber zuvor ein Naturdenkmal, nämlich die Schaumauer von Hollenstein, genannt werden. Sie ist ein Überrest aus der Eiszeit und durch starke Windeinwirkung entstanden hier Höhlen. Erstaunlicherweise besagt eine Überlieferung, dass sich der Ortsname vom Wohnsitz der Frau Holle, einer Schaumauerhöhle, ableitet. Einer Sage zufolge schließt sich die Bezeichnung aber aus einer alten Opferstätte mit einem ausgehöhlten Opferstein, dem Hohlenstein, am Kalvarienberg der Gemeinde.

Laut der dritten Auslegung kommt der Name Hollenstein jedoch lediglich von der großen Auslegung der Schaumauer. Auch Alois Polland, von 1876 bis 1895 Oberlehrer im Ort, versuchte die Namensherkunft zu erklären. Nach altem Glauben soll Holla, die Gemahlin des germanischen Göttervaters Wotan, ihren Sitz auf der nahe gelegenen Voralpe gehabt haben. Die Bezeichnung Hüttfeld für den Richtung Hollenstein geneigten Gipfelhang weist demnach auf Holla hin. Hütt ist nämlich ein anderer Name für Holla, während Stein wiederum als häufige Bezeichnung für den Wohnsitz der Götter gilt.

Entdeckung der Holzindustrie

Wer für die Form des Dorfes bestimmend war, ist hingegen gewiss. Die zweiarmige Mündung des Hammerbaches, ein linker Nebenfluss der Ybbs, nahm auf die Gestalt Hollensteins erheblichen Einfluss. Im Zuge der Bachregulierung wurde der westliche Arm aber zugeschüttet. Zur endgültigen Entstehung der Gemeinde kam es im 15. Jahrhundert. Vor allem die vorhandene Eisenindustrie vergrößerte sich und führte zu einer Siedlung mit ungefähr 20 Häusern in Hollenstein.

Die Ortsbewohner lebten ursprünglich stark von ihren Einkünften aus der Landwirtschaft. Einige Jahrhunderte lang gewann die Kleinindustrie an Bedeutung. Mit ihrem Niedergang kamen für die allgemeine wirtschaftliche Lage jedoch schwere Zeiten. Erst durch die Entdeckung und Nutzung der Holzindustrie fand die Gemeinde wieder Anschluss an die allgemeine Entwicklung. Heute ist die Wirtschaft der Gemeinde hauptsächlich durch kleinere und mittlere Handels- und Gewerbebetriebe sowie von einer Vielzahl an Landwirtschaften und Tourismusbetrieben geprägt.

Vom Spitzhiatl und Grünhiatl

In Hollenstein existieren aber nicht nur Sagen über die Herkunft des Ortsnamens, sondern auch jene von den beiden Bergmännlein "Spitzhütl und Grünhütl" (Spitzhiatl und Grünhiatl). Diese besagt, dass ein Fuhrmann vom steirischen Lassing über Hollenstein ins oberösterreichische Weyer fuhr, um Roheisen zu kaufen. Auf seinem Weg begegnete ihm ein kleines Mädchen, das grüne Stutzen und einen grünen Rock trug sowie einen grünen Hut auf dem Kopf hatte. "Das Männlein" hieß Grünhiatl und sagte zum Fuhrmann: "Grünhiatl lässts' Spitzhiatl schön grüßen und lässt ihm sagen, es soll nächsten Samstag zu einer Leich (Begräbnis) kommen. Das sollst du unter die Zwieselbrücke hineinrufen. Deinen Lohn wirst du dort bekommen."

Der Fuhrmann tat darauf, was ihm Grünhütl aufgetragen hatte und fand eine Kiste alter Hufnägel. Er nahm sich einige davon, bedankte sich und fuhr weiter. Nach einer Zeit hatte er in seiner Tasche aber keine Hufnägel mehr, sondern reine Goldstücke. Das Spitzhiatl hat bis in die Gegenwart eine besondere Bedeutung für den Ort. Richard Steinhofer, ein Hollensteiner Künstler, schuf nach der Sagengestalt eine Steinplastik, deren grafische Wiedergabe heute viele Tafeln, wie auch jene bei den Ortseinfahrten, ziert. Zudem ist das Spitzhiatl Pate zahlreicher Veranstaltungen in der Gemeinde. Diese lauten beispielsweise "Äktschn rund ums Spitzhiatl".

Großes Freizeitangebot

Hollenstein ist besonders für sein umfangreiches Freizeitangebot bekannt. Während im Sommer das Strandbad mit einer einmaligen Naturkulisse Erholung bietet, ist das Skigebiet Königsberg im Winter ideal für Familien. Ob sich der Ortsname nun tatsächlich von Frau Holle und ihren Schneeflocken oder von einer der drei anderen Herkunftsoptionen ableitet, bleibt der Fantasie jedes Einzelnen überlassen.

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