03:18 Uhr  //  KW 50  //  Freitag, 15. Dezember 2017  //  2 Kollegen online

Horitschon ist eine 1.890-Einwohner-Marktgemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Mittelburgenland. (Bild: ZVG)

Mit der Angliederung des Ortes Unterpetersdorf an Horitschon wurde die einstige Mautstelle 1553 aufgelassen. (Bild: ZVG)

Mildes Klima, windgeschützte Standorte und ein langer, warmer Herbst bescheren der altösterreichischen Blaufränkisch-Rebe optimale Wachstumsbedingungen in Horitschon. (Bild: ZVG)

Im 16. und 17. Jahrhundert besaßen die "Horitschoner" Weingärten in den Orten Neckenmarkt, Raiding, Unterpetersdorf und Deutschkreutz, da es in Horitschon selbst keine gab. (Bild: ZVG)

Der stetige Aufschwung des Weinbaus in der Gemeinde ist vor allem der Rebsorte Blaufränkisch geschuldet. (Bild: ZVG)

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Horitschon: Woher kommt der Ortsname?

Beim Hören des Ortsnamens Horitschon, geht wohl jedem Weinliebhaber ein Licht auf. Ob Blaufränkisch, Zweigelt, Cabernet Sauvignon oder Merlot, die "Weinbaugemeinde" bietet etliche edle Tropfen. Doch war das schon immer so?

Mildes Klima, windgeschützte Standorte und ein langer, warmer Herbst bescheren der altösterreichischen Blaufränkisch-Rebe optimale Wachstumsbedingungen. Genau das ist in der Marktgemeinde Horitschon im Mittelburgenland der Fall. Als Herzstück des Blaufränkischlandes bietet der Ort mit seiner Vinothek eine Wohlfühloase für Rotweinliebhaber.

Im Zuge dessen, könnte man nun meinen, dass seit der Entstehung Horitschons, das heute als "Weinbaugemeinde" bezeichnet wird, der Weingarten wohl ein ständiger Begleiter des Orts war. Die glorreiche Geschichte des edlen Tropfens und seines intensiven Geschmacks nahm aber in der 1.890-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Operpullendorf so früh noch lange nicht seinen Lauf.

Altslawische Wurzeln der Gemeinde

Die erste schriftliche Erwähnung der Marktgemeinde erfolgte unter der Bezeichnung "Hurusun" im Jahr 1186. Der heutige Ortsname "Horitschon" hat nach der Ableitung des Sprachwissenschaftlers Eberhard Kranzmayers und des Philologen Karl Bürgers slawische Wurzeln. Sie führen die Bezeichnung nämlich auf das altslawische Wort "Chrašćan", das "der bei den Eichen" bedeutet, zurück. Dieses wurde als "Haracsan" um das Jahr 1150 in die ungarische und folgend in die deutsche Sprache übernommen.

Außerdem verwendeten die Kroaten den Ausdruck "Harachun", der noch heute bei den kroatischen Einwohnern in den Nachbargemeinden in deren Mundart Verwendung findet. Bis ins 19. Jahrhundert schien Horitschon in weiteren verschiedenen Namensformen auf. Einige davon sind zum Beispiel Harrachan, Arachon, Harythson, Hariczan und Harischon.

Von der altslawischen Siedlung zum deutschen Kolonistendorf

Die sprachwissenschaftliche Ableitung weist darauf hin, dass im heutigen Horitschon vereinzelt Slawen lebten und das Gebiet durch einen reichen Eichenwaldbestand gekennzeichnet war. Vermutungen zufolge, sind die Angehörigen der altungarischen Sippe "Aba" die Gründer des Ortes. Im 13. Jahrhundert wurde dann das deutsche Kolonistendorf Horitschon angelegt. Eine Verbindung zwischen der altslawischen Siedlung und dem bayrisch-deutschen Kolonistendorf gibt es aber nicht. Die Übernahme des Siedlungsnamens erfolgte nämlich über den Adel. 

König Béla III. von Ungarn, aus dem Geschlecht der Arpaden, bestätigte im Jahr 1186 seinen Hofleuten in "Hurusun" ihre Freiheit. Der slawische Siedlungsname wurde fortan von ihnen übernommen und über Generationen später an die bayrisch-deutschen Bauernkolonisten weitergeben. 

In Besitz der Familie Esterházy

Ab dem 13. Jahrhundert gehörte das bayrisch-deutsche Bauerndorf Horitschon zum Herrschaftsbereich des jeweiligen Burginhabers der heutigen Marktgemeinde Neckenmarkt im Burgenland. Da im Zuge der "Güssinger Fehde" im Feldzug Albrechts I. von Österreich die Burg zerstört wurde, vereinigte man den Herrschaftsbereich mit dem Ort Landsee.

Nach dem Bau eines Wasserschlosses im burgenländischen Lackenbach in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Verwaltungsmittelpunkt der Herrschaft dorthin verlegt. Mit 1825 wurde Horitschon dann aber schlussendlich der Grundherrschaft Deutschkreutz, die dem Besitz der Familie Esterházy gehörte, zugeteilt. Die Grundherren Horitschons aus der Familie Esterházy waren beispielsweise Nikolaus Esterházy, Graf Stephan Esterházy, Graf Ladislaus Esterházy und dessen Bruder Fürst Paul I. Esterházy. Die Inhaber der Burgen Neckenmarkt, Landsee-Lackenbach und Deutschkreutz übten als Grundherren großen Einfluss auf das Leben der ihnen untergebenen Bauern aus.

Angliederung Unterpetersdorf an Horitschon

Im Spätmittelalter erhob die Herrschaft Horitschons eine Straßenmaut. Daraus folgt, dass sich ein Warenverkehr abgespielt hat. Horitschon schaffte es aber nicht, wie andere Mautorte im Spätmittelalter beziehungsweise in der frühen Neuzeit, ein Marktort zu werden. Dies deshalb, weil es durch die Angliederung des Ortes Unterpetersdorf seine "Grenzposition" verlor und die Mautstelle 1553 aufgelassen wurde. Das rasche Aufblühen Neckenmarkts zu einem Weinbau- und Handwerkszentrum ließ dem kleineren Nachbarort Horitschon zudem keine Entwicklungschance.

Auch der Siedlungsstand der Gemeinde konnte sich bis ins 19. Jahrhundert an keinem Fortschritt erfreuen. 1842 wurde er aber durch die Errichtung kleiner Wohnhäuser fortgesetzt. Diese Siedlungserweiterung trägt den Namen "Neuhäusl" in Horitschon. Durch den Bau vieler weiterer Wohnhäuser, einer neuen Kirche, kommunaler, gemeinwirtschaftlicher und privater Wirtschaftsbauten aller Art erfolgte im 20. Jahrhundert dann eine gewaltige Siedlungsausweitung.

Rebstöcke mithilfe Kukuruz versteckt

Die Entwicklung des Weinbaus stand ebenso für einige Zeit lang still. Im 16. und 17. Jahrhundert besaßen die "Horitschoner" nämlich Weingärten in den Orten Neckenmarkt, Raiding, Unterpetersdorf und Deutschkreutz, da es in Horitschon selbst keine gab.

1841 wurde sogar ein Ansuchen der Gemeinde für die Auspflanzung von Reben abgelehnt. Trotz des Widerstandes begannen die Bewohner aber mit dem Setzen der Reben und deckten diese zu. Dazwischen pflanzten sie Kukuruz, um die Rebstöcke zu verstecken. Kurze Zeit später wurde der Horitschoner Weinbau dann offiziell aufgenommen und erlebte einen stetigen Aufschwung. Dieser ist vor allem der Rebsorte Blaufränkisch geschuldet.

Eine wichtige Voraussetzung für die bedeutende Ausweitung des Weinbaus war der Erwerb von 215 Joch, 122,5 Hektar, Wald von der Esterházyschen Güterdirektion im Jahr 1921. Dieser damalige Wald ist nun als Ried Gfanger bekannt. Heute gibt es in Horitschon um die 100 Weinbaubetriebe. Falls Sie nun auf den blaufränkischen Geschmack gekommen sind, bietet sich beim Rotwein-Opening, das jährlich in der Pfingstzeit in Horitschon stattfindet, wohl die beste Gelegenheit für einen Besuch.

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