03:27 Uhr  //  KW 50  //  Freitag, 15. Dezember 2017  //  3 Kollegen online

Die Tiroler Gemeinde Jungholz wurde erstmals am 24. Juni 1342 in einem Kaufvertrag genannt. ©Tiroler Werbung/Achim Meurer

Jungholz liegt als 290-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Reutte und berührt nur an einem einzigen Punkt das Land Tirol. ©Tiroler Werbung

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Panorama

Jungholz: Der Tiroler Zipfel im Allgäu

Die Gemeinde Jungholz bezeichnet der eine oder andere heute als "Tiroler Exklave". Dies deshalb, weil sie einen ganz besonderen Platz in der Landkarte einnimmt. Doch was verbindet Jungholz im deutschen Allgäu nun mit Österreich?

Der 24. Juni ist nicht nur der Geburtstag Johannes' des Täufers, sondern auch der 290-Einwohner-Gemeinde Jungholz in Tirol. "Junckholz", aus dem später das heutige "Jungholz" im Bezirk Reutte hervorging, wurde erstmals am 24. Juni 1342 in einem Kaufvertrag genannt. Auf den ersten Blick erscheint die Entstehungsgeschichte der Gemeinde nicht außergewöhnlich, doch schnell wird klar, bloß ihre einzigartige geografische Lage hebt sie von allen anderen Kommunen ab.

Brauch der Allgäuer

Hermann Häselin, ein Wertacher Bürger, verkaufte das "Guet gehaissen Junckholz" an den "Zuwanderer" Haynz Lochspüler aus dem Tiroler Tannheimer Tal. Das Gebiet von Jungholz umfasste zu dieser Zeit deutlich mehr Grund, als die Gemeinde heute mit einer Fläche von sieben Quadratkilometern vorweisen kann.

Schon im Jahr 1342 sollen hier bereits Menschen gelebt haben. Da einige Alpabschnitte gemeinschaftlich genutzt wurden, lässt sich schließen, dass man mit den Nachbargemeinden ein gutes Verhältnis pflegte und dass es schon damals eine funktionierende Alpwirtschaft gab.

Aufgrund des existierenden "Allgäuer Brauchs" war der bereits in Jungholz ansässige Käufer, Haynz Lochspüler, weiterhin der Marktgenossenschaft Tannheim zugehörig und steuerpflichtig. So musste der "Zuwanderer" seine Steuern und Abgaben nach wie vor an den Grundherren entrichten, dem er unterstand und somit auch die Bevölkerung Jungholz'.

Die "Tiroler Exklave"

An dieser Stelle ist es nun unerlässlich über die geografische Lage der Gemeinde aufzuklären. Jungholz, abgeleitet von jungem Gehölz, liegt am Nordrand der Allgäuer Alpen, eingebettet zwischen den Bergen "Sorgschrofen" (1638 Meter) und der "Reuterwanne" (1541 Meter). Die Gemeinde berührt ausschließlich an einem einzigen geometrischen Punkt, nämlich dem Sorgschrofen, das Land Tirol und somit Österreich. Ansonsten ist sie von bayerischem Territorium umgeben und nur über eine deutsche Straße erreichbar. Deshalb wird Jungholz auch als die "Tiroler Exklave" bezeichnet, da sie nicht von Österreich, sondern Deutschland eingegrenzt ist.

Zwist zwischen Bayern und Österreich

Kirchlich gehörte Jungholz seit seiner Besiedlung zur deutschen Pfarre Wertach im Allgäu und lag wie das umliegende Land, einschließlich des Tannheimer Tales, im Machtbereich des Fürstbischofs von Augsburg. Die Verwaltung des Gebietes führte der Graf des Adelsgeschlechts Montfort gemeinsam mit den Herren der bayerischen Gemeinde Rettenberg.

Im 15. Jahrhundert erwarben die Tiroler Landesfürsten die Besitzungen im Tannheimer Tal. Jungholz lag aber nach wie vor im Machtbereich der Augsburger Fürstbischöfe und wurde von diesen erst nach etlichen Verhandlungen als Gemeinde Tirols anerkannt. So begann der Zwist um Jungholz zwischen dem Fürstbistum Augsburg und dem Land Tirol. Die Frage war, "wem die armen Leute in dem Junckholz nun zugehören sollen".

Versorgungsnotstand in der Gemeinde

Durch die Machtpolitik Napoleons wurde das Fürstbistum Augsburg verstaatlicht und ein Bestandteil Bayerns. So kam Tirol 1805 zwar unter bayerische Verwaltung, kehrte aber mitsamt Jungholz im Jahr 1814 wieder zu Österreich zurück. Aus Ärger sperrte Bayern darauf die Getreideausfuhr nach Tirol und es kam zu großen Versorgungsschwierigkeiten in Jungholz. Zudem wurde die Ein- und Ausfuhr von Vieh und Verbrauchsgütern stark erschwert.

So schloss man am 3. Mai 1868 den "Zollschlussvertrag" zwischen Österreich und Bayern. Dieser trug zu einer wesentlichen Erleichterung bei der Versorgung der Bevölkerung bei und stellte die Gemeinde Jungholz mit den umliegenden bayerischen Gemeinden gleich.

Telefonleitung über den Berggipfel

Aber nicht nur die Besitzzugehörigkeit bringt Besonderheiten mit sich, sondern auch die Telefonverbindung Jungholz'. 1885 wurde die Gemeinde an das Telegraphennetz angeschlossen. Die Verbindung war jedoch sehr störanfällig und bestand nur während der Amtsstunden. Nach dem Ersten Weltkrieg verfügte Jungholz dann über gar keine Telefonverbindung mehr. Im Auftrag der französischen Besatzungsmacht wurde deshalb eine acht Kilometer lange Telefonleitung von Jungholz nach Schattwald errichtet. Diese führte direkt über den Gipfel des Sorgschrofens, um auf österreichischem Gebiet zu bleiben.

Da bereits in den 1920er Jahren erste Schifahrer und "Sommerfrischler" nach Jungholz kamen, entstanden Privatunterkünfte und Hotels. Die Gemeinde Jungholz wandelte sich so immer mehr vom Bauerndorf zum Tourismusort. Der Sorgschrofen ist somit nicht nur der besondere Verbindungspunkt zu Österreich, sondern bietet mit seinen buckelfreien Pisten allerhand Vergnügen für Wintersportler und macht Jungholz bis heute zu einer attraktiven Schiregion für Familien. 

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