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Peter Nindl ist dienstältester Bürgermeister Österreichs mit 38 Amtsjahren. (Bild: ZVG)

Ein Jahr nach seiner Angelobung im Jahr 1980: Nindl bei einem seiner Hobbies dem Radfahren. ©Archiv Neukirchen

Die Angelobung des Neukirchner Gemeinderats im Jahr 1984. ©Sigi Probst

Nindl mit Landeshauptmann Wilfried Haslauer sen. 1984 beim Gemeindebesuch. ©Pressebuero Salzburg

Die dienstälteste Bürgermeisterin kommt aus Petzenkirchen und heißt Lisbeth Kern. (Tabelle: Gemeindebund)

Georg Bantel ist 37 Jahre Bürgermeister der Vorarlberger Gemeinde Möggers. Er leitet ein europaweit exportierendes Unternehmen und war bei seiner Wahl jüngster Bürgermeister Österreichs. (Bild: ZVG)

Eines der umstrittensten Projekte seiner Ära hat sich heute in Wohlgefallen aufgelöst. Auf den Ende der 80er Jahre gekauften Gründen wurde Anfang 2017 eine Wohnhausanlage eröffnet. (Bild: ZVG)

Johann Giefing aus dem niederösterreichischen Schwarzenbach ist seit 33 Jahren Chef seiner Gemeinde. Mit der Gemeinde ist er aber schon viel länger beruflich verbunden. (Bild: ZVG)

Beeindruckend: Bei seinem ersten Wahlantritt steigerte er das Ergebnis für seine Partei um fast fünf Prozent. Seither hat er bei jeder Wahl immer mehr dazu gewonnen. (Quelle: Gemeinde Schwarzenbach)

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Österreichs längstdienende Bürgermeister

Peter Nindl schaut zwar nicht so aus, aber er ist der dienstälteste Bürgermeister in Österreich. Seit 38 Jahren steht er an der Spitze seiner Gemeinde Neukirchen am Großvenediger.

Sie waren alle die jüngsten Bürgermeister als sie ins Amt gekommen sind. Sie hatten nicht vor, so lange im Amt zu bleiben und haben so manche politische Hetze überstanden. Was sie auszeichnet? Eine besondere Liebe zu Menschen und zu ihrer Gemeinde.

Die Rede ist von Österreichs dienstältesten Bürgermeistern. Peter Nindl aus Neukirchen am Großvenediger (SBG) blickt aktuell auf die längste Karriere zurück: Er ist seit 38 Jahren Bürgermeister. Ein Jahr weniger hat Georg Bantel aus Möggers in Vorarlberg mit 37 Jahren hinter sich. Platz drei belegt Johann Giefing aus dem niederösterreichischen Schwarzenbach mit 33 Jahren im Amt. Drei Kurzporträts über sehr beeindruckende Persönlichkeiten.

Peter Nindl: "Nicht nur reden, sondern umsetzen"

Es war das Jahr 1979 als Peter Nindl mit 29 Jahren aus den Gemeinderatswahlen als jüngster Bürgermeister im ganzen Bundesland Salzburg hervorging. "Völlig überraschend", kommentiert er die Frage, wie es damals war, als er zum Bürgermeister gewählt wurde. Zuvor war er nicht einmal in der Gemeindevertretung. Während der Wahlvorbereitungen kristallisierte er sich im Juni 1979 als der beste Kandidat für die ÖVP heraus. Bei den Wahlen im Oktober erhielt seine Partei acht Stimmen, ebenso acht die SPÖ und die Unabhängige Heimatliste eine. Am Ende wurde Nindl überraschend Ortschef.

"Ich war ein Newcomer, wie man heute so schön sagt, und hatte vorher mit der Gemeindepolitik nichts am Hut. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen und musste schwimmen lernen. Leicht war die Zeit nicht, denn damals war ich noch Bankangestellter und musste parallel die letzten Kurse auf der Raiffeisenakademie absolvieren", erinnert sich der heute 67-Jährige. Er lernte schwimmen. Bei den darauffolgenden Gemeinderatswahlen honorierten die Bürger seine Arbeit mit einem Stimmenplus, wodurch die ÖVP sogar den Vizebürgermeister stellen konnte. Als er 1990 Direktor und geschäftsführender Vorstand der Oberpinzgauer Fremdenverkehrsförderungs- und Bergbahnen AG wurde, ließ sich sein Beruf leichter mit dem politischen Amt verbinden, da der Fremdenverkehr eine der wesentlichen wirtschaftlichen Säulen der Gemeinde ist.

Zahlreiche wichtige Projekte setzte er in all den Jahren um. Eines der größten, das ihn gleich zu Beginn seiner Karriere beschäftigte, war der Nationalpark Hohe Tauern. "Wir hatten eine Schlüsselposition als Modellgemeinde. Das waren Entscheidungen, die wir für die kommenden Generationen treffen mussten. Wir wollten den ganzen Bereich um den Großvenediger, den höchsten Berg Salzburgs, vor großtechnischen Erschließungen schützen." Weitere wegweisende Schritte waren die vielen Maßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung - auch hier war Neukirchen Modellgemeinde - und der Ausbau der Wildkogelarena zum zentralen touristischen Standbein der 2.500-Einwohner-Gemeinde. 

Was war in all den Jahren sein Antrieb? "Ich wollte für die Bevölkerung da sein und das Beste für meine Gemeinde erreichen. Warum es so viele Jahre geworden sind, hat einen ganz einfachen Grund: Es war immer eine Herausforderung, neue Projekte umzusetzen. Ich wollte nicht nur drüber reden, sondern auch etwas realisieren", so Nindl, der Musik als seine Leidenschaft bezeichnet und viele Jahre in der Musikkapelle tätig war. Höhere politische Ämter waren für ihn nie ein Thema: "Die wurden mir zwar vorgeschlagen, aber ich war immer gerne in Neukirchen." Fest steht für ihn, dass dies nun seine letzte Amtszeit sein soll. Damit bleibt der Rekord des inzwischen verstorbenen Bürgermeisters von Grafenstein in Kärnten, Valentin Deutschmann, weiterhin aufrecht: Deutschmann war unglaubliche 50 Jahre im Amt, ehe er seine Funktion 2008 zurücklegte.

Seinem Nachfolger bzw. seiner Nachfolgerin gibt er den Tipp mit auf den Weg, bei den Menschen zu sein und ihnen gut zuzuhören. Obwohl er seit zwei Jahren als Direktor und Vorstand der Bergbahnen pensioniert ist, hatte er deswegen nicht viel mehr Freizeit. Sorge, dass ihm nach dem Frühjahr 2019 langweilig werden könnte, hat er dennoch nicht, behauptet er schmunzelnd: "Ich werde nach wie vor gerne Skifahren gehen und mich im Sommer aufs Fahrrad schwingen oder eine Runde schwimmen gehen. Auch eine Woche am Meer wird eine schöne Sache." Und wenn ihn sein/e Nachfolger/in um Rat fragt? "Dann werde ich gerne Auskunft erteilen. Aber ich werde mich nicht ungefragt in interne Sachen einmischen."

Georg Bantel: In 37 Amtsjahren kein freies Wochenende

Nicht mehr kandidieren möchte auch Georg Bantel, der in seiner Gemeinde 37 Jahre lang Bürgermeister ist. 1980 wurde er mit 24 Jahren zum jüngsten Bürgermeister Österreichs. "Eine besondere Situation war das damals", erinnert sich Bantel. Mit 19 Jahren, als sein Vater starb, übernahm er als Geschäftsführer die Käserei. "Ich war sehr mit der Firma beschäftigt, als ich mit den meisten Stimmen aus der Mehrheitswahl hervorging." In Vorarlberg ist es in vielen Gemeinden die gute Tradition, dass eine Mehrheitswahl stattfindet. Dann darf jeder jeden wahlberechtigten Bürger nominieren, der aus seiner Sicht am besten als Bürgermeisterkandidat geeignet ist. "Mir wurde damals nahegelegt, dass ich das Amt auch annehmen sollte. Das war für mich schon eine komische Situation, denn ich war vorher nie in einer Gemeinderatssitzung." Die Bürger vertrauten trotz seiner Jugend seinen unternehmerischen Fähigkeiten und sie sollten nicht enttäuscht werden. Zu tun gab es genug, wie Bantel erzählt: "Wir hatten damals eine äußert schlecht ausgestattete Gemeinde. Es gab keine asphaltierten Straßen, keine Wasserversorgung, keinen Kanal, kein Gemeindehaus, kein Musikprobenheim, kein Feuerwehrauto - kurzum: Bis auf eine Volksschule war die gesamte Infrastruktur nicht vorhanden."

Heute - 37 Jahre später - gibt es in der Gemeinde eine tolle Infrastruktur. "Wir haben sogar Glasfaserinternet bis zum Gemeindeamt, einen Sportplatz, die Feuerwehr hat drei Autos, und einen Skilift auf deutscher Seite, für dessen Erhalt ich mich sehr eingesetzt habe." Trotz all der Investitionen ist es ihm wichtig, mit den vorhandenen Mitteln sparsam umzugehen: "Das bin ich als Unternehmer so gewohnt." Dass sich auch die kleinen Gemeinden gut entwickeln ist für den heute 61-Jährigen wichtig: "Die Städte und Ballungszentren sind voll. Daher ist es wichtig, dass auch die ländlichen Regionen voran kommen." Um all seine Projekte in der 500-Einwohner-Gemeinde umzusetzen hat auch der gute Kontakt zum Land geholfen. "Den habe ich immer gepflegt. Aber es ist auch wichtig, dass sich das Land mit einem Bekenntnis zu den Kleingemeinden entwickelt hat."

Bei Frage nach einem Highlight in all den Jahren muss Bantel lange überlegen, bis er etwas sagt. "Ja wissen Sie, es gibt viele große Dinge, über die ich sehr erfreut bin. Eigentlich jedes Mal, wenn man der Bevölkerung Einrichtungen zur Verfügung stellen kann, die vorher nicht vorhanden waren. Aber es gibt auch viele kleine Dinge, wie wenn ich jemandem dabei helfen kann, einen Kuraufenthalt zu bekommen, weil er durch die Behandlungen mobiler werden kann." Nur einmal stand Bantel an einem Punkt, an dem er übers Aufhören nachdachte: "Ende der 80er wollte ich für die Gemeinde Gründe als Baulandreserve kaufen. Aber die halbe Welt war gegen mich. Das ging so weit, dass sogar die Zeitungen in Wien oder der ORF negativ berichteten. Da fragt man sich schon, wofür man das eigentlich macht. Aber in dem Alter hält man so etwas einfach aus." Heute stellt sich der Ankauf der Gründe als zukunftsweisende Entscheidung heraus, denn auf den Gründen wurde erst Anfang 2017 eine Wohnhausanlage fertig gestellt.

Was hat den Vater von vier Kindern immer wieder motiviert zu kandidieren? "Die Arbeit ist nicht ausgegangen und ich hätte auch sofort aufgehört, wenn ich den Rückhalt in der Bevölkerung nicht mehr gehabt hätte. Ich war bei jeder Gemeinderatswahl auf dem ersten Platz und bei der letzten Wahl wurde ich mit Vorzugsstimmen überhäuft. Außerdem hatte ich immer noch Ziele." Dass er so viel für die Gemeinde erreichen konnte, kommt nicht von ungefähr. "Ich starte um vier Uhr morgens und habe noch keinen freien  Sonn- oder Feiertag gehabt. So bringt man die Firma und das Amt unter einen Hut. Außerdem ist das auch nur zu schaffen, wenn man eine Familie hat, die volles Verständnis aufbringt und voll hinter mir steht. Auch wenn ich mit meinen Kindern vier Tage Urlaub gemacht habe, habe ich spätestens am Sonntag wieder alles nachgearbeitet." Der einzig längere Urlaub, verrät er, waren die sieben Tage Hochzeitsreise nach Griechenland im Jahr 1988. "Fragen Sie mich nicht, wie hoch die Telefongebühren waren", erzählt er lachend.

Dennoch würde er heute wieder diesen Weg einschlagen: "Es ist einfach schön, wenn man etwas tun kann."

Johann Giefing: "Gemeinde ist mein Leben"

Einen schwierigen Start hatte der Dritte in der Runde, denn Johann Giefing musste im niederösterreichischen Schwarzenbach für seinen plötzlich verstorbenen Vorgänger einspringen: "Das war damals katastrophal. Mein Vorgänger war erst ungefähr zwei Jahre im Amt und starb innerhalb von 15 Tagen im Alter von 44 Jahren. Die, die das übernehmen sollten, wollten das aber aus beruflichen Gründen nicht. Daher hat man einen Pensionisten, Lehrer oder Gemeindebediensteten gesucht. Und Gemeindebediensteter war ich." Giefings steile politische Karriere zeichnete sich aber nicht nur aus diesem Grund ab. Zwei Jahre davor wurde er schon bei seinem ersten Wahlantritt Vizebürgermeister. Seine kommunale Karriere begann er aber nicht bei der Gemeinderatswahl, sondern schon im Jahr 1974 als er Gemeindesekretär im niederösterreichischen 960-Einwohner-Ort wurde. "Meine Frau sagt immer: Du bist verheiratet mit der Gemeinde. Das stimmt wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad auch. Schwarzenbach ist mein Leben", erzählt er schmunzelnd.

Ähnlich wie Bantel waren seine Vorhaben, als er mit 31 Jahren zum Ortschef gewählt wurde, eher grundlegend: "Ich wollte eine erstmalige Kanalisation installieren, die Wasserleitung erneuern und sämtliche Infrastruktur wie einen Bauhof oder einen Turnsaal für die Volksschule aufbauen." Seine Beschlüsse im Gemeinderat sind seit 13 Jahren einstimmig. Im Gemeinderat sind derzeit 14 Mandate durch die SPÖ und fünf durch die ÖVP besetzt. "Bei uns setzen sich alle Parteien für die Gemeinde ein. Da gibt es keine Kinkerlitzchen."

Auf die Kleinstrukturiertheit seiner Gemeinde ist Giefing, der von 2003 bis 2008 Mitglied des Bundesrats war, stolz: "Wir haben vier Wirte. 1987 wurde bei uns in der Gemeinde die größte keltische Wallanlage entdeckt. Für die Organisation des Keltenfests fanden sich auf Anhieb 250 freiwillige Helfer. Das gäbe es in der Stadt nicht." Besonders stolz ist er auch darauf, dass in seiner Zeit der Tourismus zu einem Wirtschaftsfaktor wurde. "Die Besuchszahlen haben sich von null auf 20.000 gesteigert", so der 64-Jährige.

Was hat ihn immer wieder motiviert, sich der Wahl zu stellen? "Ich gehöre einer Generation an, in der hat man solche Funktionen aus Idealismus und Überzeugung und nicht wegen des Bezugs gemacht. Wer aus finanziellen Gründen Bürgermeister wird, soll lieber schon gestern aufgehört haben und nicht auf morgen warten." Mittlerweile wurde er acht Mal in ununterbrochener Reihenfolge zum Bürgermeister gewählt und konnte seine Wahlergebnisse von Mal zu Mal steigern. Zuletzt erhielt die SPÖ in Schwarzenbach 73,54 Prozent. Ob er bei der nächsten Gemeinderatswahl nochmal kandidieren wird, lässt er sich offen: "Ich habe es nicht vor, aber das hatte ich bei der letzten Wahl auch nicht. Ich will mich aber auch nicht mit der Bahre aus dem Amt hinaustragen lassen", ergänzt er mit Augenzwinkern.

Die dienstälteste Bürgermeisterin kommt auch aus Niederösterreich. Lisbeth Kern aus Petzenkirchen ist seit 1996 im Amt und damit schon 21 Jahre Ortschefin der 1.300 Einwohner.

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