05:30 Uhr  //  KW 17  //  Montag, 23. April 2018  //  1 Kollegen online

"Neunkirchen. Wo sonst?" ist ein Wirtschaftsportal, das seit April 2018 Angebote aus der Stadt Neunkirchen online verfügbar macht. (Quelle: neunkirchen.wo-sonst.at)

Die Neugestaltung des Hauptplatzes, ein auf die Stadt Tulln auch flächenmäßig zugeschnittenes Einkaufszentrum in der Innenstadt, die Belebung mit gut beschilderten Gehwegen und eine neu gestaltete Website haben Tulln und die Unternehmerkooperation "Tullner Naschmarkt" zu dem gemacht, was es heute ist: eine im wahrsten Sinne des Wortes florierende Stadt. ©Tullner Naschmarkt

In Bruck an der Leitha wurde ausgehend von einer privaten Initiative, aber mit wesentlicher Unterstützung der Gemeinde, auf der Online-Plattform "Die Auslage" digitale Schaufenster kreiert. (Quelle: die-auslage.at/bruck)

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NÖ Regional News

"Omnichannel" als Rezept gegen Leerstand

Um in Digitalisierungszeiten zu punkten gilt für Gemeinde und Unternehmen Gleiches: die reale Welt mit der digitalen Welt verbinden, ein Konzept haben und emotionalisieren. Digital alleine ist kein Allheilmittel.

Mut, die Chancen der Digitalisierung mit neuen Konzepten anzunehmen, machte die NÖ.Regional.GmbH Niederösterreichs Gemeinden und Wirtschaftstreibenden Ende März mit dem Vernetzungstreffen "Digitale Einkaufstadt – Wie viel Digitalisierung braucht das Zentrum?" am 23. März 2018 in Tulln. Kooperationspartner war die Raumordnungsabteilung des Landes NÖ, unterstützt wurde sie von der Sparte Handel der WKNÖ.

Digitalisierung verlangt neue (Gemeinde)Konzepte

Gemeinden nehmen den Digitalisierungstrend zwar wahr, fühlen sich aber nicht zwingend dafür zuständig, diesem Trend aktiv zu begegnen. Auch mit den Unternehmen in dieser Angelegenheit an einem Strang zu ziehen, ist nicht immer "aufg’legt". Gefragt sind neue Konzepte. Auf den Punkt gebracht lauten diese: suche dir ein Alleinstellungsmerkmal, mache dieses zu deinem Markenzeichen, finde deine Geschichte und erzähle sie und sprich gezielt Besucherinnen und Besucher an. Gepaart mit einem professionellen Internetauftritt, der die Zielgruppe - auch diese sollte eine Gemeinde für sich definieren - anspricht und so Lust auf’s Verweilen und Einkaufen macht.

Blühende Gartenstadt - Tulln als eines von vielen Beispielen in Niederösterreich

So geschehen beispielsweise in der Stadt Tulln, die sich als Gartenstadt positioniert und ihre kommunalen Aktivitäten danach ausrichtet. In der Stadt Tulln prägt die konsequente Ausrichtung auf die Merkmale Garten-Kunst -Donau die kommunale Angebotsentwicklung und das Marketing nach innen und außen. Abgezielt wird auf die Bevölkerung in Tulln sowie im regionalen Einzugsgebiet und auf Ausflugsgäste. Ein Aufenthalt in Tulln soll zum Erlebnis werden und ein Wohlgefühl hinterlassen, das zur Wiederkehr einlädt.

Die Umgestaltung des Hauptplatzes in ein nahezu verkehrsfreies "Wohnzimmer", ein in das Ortsbild unauffällig eingefügtes, attraktives Einkaufszentrum mitten in der Innenstadt samt großzügiger Tiefgarage, die üppige Grüngestaltung der Straßenzüge und Plätze, klare Orientierungssysteme und eine serviceorientierte, vernetzte neue Website waren die erfolgreichen Antworten der Stadtgemeinde Tulln im Wettbewerb um die Einkaufsgunst der Kunden.

Gemeinden können und sollen Hauptrolle spielen

Die rund 100 digital-affinen Gemeindevertreterinnen und -vertreter, Wirtschaftsvereine und speziell deren digital interessierte Mitgliedsbetriebe, staunten am 23. März nicht schlecht über den einen oder anderen Tipp und Hinweis in Sachen Digitalisierung. Auch wenn manches nicht neu war. Die Quintessenz aber lautet: Real gepaart mit digital, Omnichannel, ohne Konzept und Profil geht gar nichts. Und: authentisch sein, d.h. persönliche Geschichten und Anekdoten erzählen, die den einzigarten Charakter der Gemeinde sichtbar machen.

Gemeinden können eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Digitalisierung haben: den Unternehmen ein entsprechendes Umfeld schaffen und Online-Plattformen bieten, bei denen sie andocken können.

Digitale Stadtkonzepte entwickeln – Omnichannel als probates Mittel

Ausgehend von den Ergebnissen des EY Retailbarometers 2018 betonte Martin Unger, einer der Contrast EY-Partner, dass der stationäre Handel an Fläche verlieren, mehr noch, der Rückgang sich schnell verstärken wird. "Wir sind hier erst am Beginn", sagte Unger. Mobilität, Bildung, Entertainment und noch vieles mehr müsse man in ein digitales Gemeinde- bzw. Stadtkonzept einbinden. Was für jedes Unternehmen und den Handel gelte, nämlich ein klares Profil samt Konzept zu haben, gelte auch für die Gemeinden. Ebenso die Empfehlung, dieses mit Hilfe der Digitalisierung umzusetzen.

Doch etwas überraschend lautet der Tipp des Profis: Online alleine ist kein Allheilmittel und der Weisheit letzter Schluss. Die Verschneidung aller möglichen Vertriebskanäle und Kundenkontaktpunkte für ein optimales Kundenerlebnis um den bestmöglichen (Unternehmens)Erfolg zu erzielen ist optimal. In der Fachsprache nennt man das Omnichannel-Lösung. Das gilt natürlich auch für Gemeinden.

Ein gelungenes Manöver ist eine abgewendete Katastrophe

Martin Hubers Statement als Architekt lautet eindrucksvoll: nur "ein gelungenes Manöver ist eine abgewendete Katastrophe". Er untermauerte sein Statement mit zwei Szenarien, die Gemeinden und Städte anwenden können, um auf den Digitalisierungszug aufzuspringen: sie macht Digitalisierung, indem reale und digitale Kompetenz miteinander verquickt werden, was er anhand von Lustenau, dem Online City-Portal von Wuppertal oder 360-Grad-NÖ demonstrierte oder sie setzen auf Hilfe zur Selbsthilfe. So könnten beispielsweise Gebäude Geschichten erzählen – Stichwort Feuermauer – man könne Fassaden inszenieren oder das Innerste nach außen kehren, wie das ein Optiker aus St. Pölten machte. Auf der Straße war zu sehen, was im Geschäft drinnen passierte. Auch Huber ist davon überzeugt, dass die Verbindung von realer mit digitaler Kompetenz unerlässlich ist.

Eine Geschichte erzählen – warum nicht auch als Gemeinde?

Bernd Pfeiffer, einer der drei Gründer von Lime Soda ist davon überzeugt, dass man auch mit relativ einfachen Mitteln gegen Giganten wie Amazon, Google und Facebook bestehen kann. "Erzählen Sie Ihre Geschichte", sagt er. "Emotionalisieren Sie". Wichtig dabei ist, authentisch zu sein. Dialekt bewusst einzusetzen und auch Regionalität können da schon einmal als „Stilmittel“ eingesetzt werde, um die gewünschte Zielgruppe zu erreichen – sofern man sich zuvor Gedanken gemacht hat, wer diese Personen sind oder sein sollen.

Egal, ob man als Unternehmen oder Gemeinde digitale oder analoge Kanäle nutzt - am besten beide - in beiden Fällen muss viel Zeit investiert und sorgfältig gearbeitet werden.

Gemeinden als Digitalisierungspioniere – Bruck an der Leitha und Neunkirchen zeigen’s vor

Bruck an der Leitha oder Neunkirchen sind nur zwei Beispiele niederösterreichischer Kommunen, die beim Digitalisierungszug als Lokomotive agieren. In Bruck an der Leitha wurde ausgehend von einer privaten Initiative, aber mit wesentlicher Unterstützung der Gemeinde, auf der Online-Plattform "Die Auslage" digitale Schaufenster kreiert, die sowohl Produkte als auch Dienstleistungen der Stadtgemeinde digital sicht- und verfügbar machen. Roman Neubauers (Shopity GmbH) Empfehlung für Kommunen lautet: fix ausreichend personelle und zeitliche Ressourcen für Kundenkommunikation vorsehen und etablieren. Betreiber einer derartigen Plattform solle das Stadtmarketing sein.

Ähnlich sieht das Christoph Paugger von WoMac, der mit Unterstützung der Stadtgemeinde Neunkirchen die "Wo-sonst"-Neunkirchen-Online-Plattform ins Leben gerufen und umgesetzt hat. "Neunkirchen. Wo sonst?" ist ein Wirtschaftsportal, das seit April 2018 Angebote aus der Stadt Neunkirchen online verfügbar macht. Neben Betriebspräsentationen können Sie auch in Angeboten von Betrieben stöbern und Ware online bestellen - abgeholt wird vor Ort.

Paugger sieht bei den Gemeinden einen wichtigen Part bei der Digitalisierung. Er ortet das Problem zwar auch bei den Unternehmen, denen oftmals die Affinität zum Digitalen fehle, ohne Unterstützung der Gemeinde bei der Umsetzung einer Online-Wirtschaftsplattform gehe es aber nicht– und sei es nur, dass die Gemeinde das Thema Digitalisierung mitträgt.

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