05:08 Uhr  //  KW 32  //  Dienstag, 04. August 2020  //  0 Kollegen online

Die Haltestelle der Salzkammergut-Lokalbahn manifestierte den Ortsnamen Schwarzindien. (Bild: ZVG)

Die Sommerfrische in Schwarzindien am Mondsee lockte schon 1974 viele Badegäste an. (Bild: ZVG)

Am Seeufer zwischen St. Lorenz und Mondsee schlug die Dorfjugend, die aufgrund ihrer Sommerbräune schwarze Indianer gerufen wurden, 1879 ihr Lager auf. (Bild: ZVG)

Der Blick von Schwarzindien auf den Mondsee verrät, dass wir uns keineswegs in Südostasien befinden. © August Schwertl

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Panorama

Schwarzindien: Exotik im Salzkammergut

Große Augen und kollektives Schmunzeln ist von den Urlaubsgästen der Gemeinde St. Lorenz zu vernehmen, wenn sie vom Ortsteil Schwarzindien hören. Unsere Redaktion ist dem Ursprung des sonderbaren Namens auf den Grund gegangen.

Eine kleine Uferpartie zwischen St. Lorenz und Mondsee bringt ein Stück Asien in unser schönes Österreich: Schwarzindien nennt sich ein kleiner Ortsteil in St. Lorenz am Mondsee im Salzkammergut. Aufgrund der exotischen Düfte aus den Küchen seiner Einwohner, könnten einige munkeln. Ein Geschichtsbanause könnte gar einen imperialistischen Zusammenhang vermuten.

Kurgäste als Namensgeber

In Wahrheit lässt sich der Name aber aus anderen historischen Zusammenhängen erschließen. Zurückzuführen ist diese groteske Namensgebung nämlich auf Gegebenheiten aus dem Jahr 1879. Die Dorfjugend war damals in den Sommermonaten wegen der Kurgäste in Mondsee zur Ruhe ermahnt worden. Deshalb wanderten die Ruhelosen in den heißen Wochen in die Auwälder hinaus. Auf einem Hügel am See schlugen sie ihr Lager auf, schwammen im kühlen Nass des Mondsees und sonnten sich im Gras. Die Kurgäste mussten bei der Wiederkehr der jungen Leute zwei Mal hinschauen, so braun gebrannt waren die Gesichter von der Sonne. "Da kommen sie, die schwarzen Indianer", riefen die Gäste den Einheimischen zu. Ob entsetzt oder lachend - darüber herrscht in den Überlieferungen Uneinigkeit. Bei einer feierlichen Zeremonie hissten die Jugendlichen noch im selben Sommer eine Flagge, die den Namen ihrer Sommerresidenz trug: "Schwarzindien".

Die Suche nach einem Schwarzindien in Asien ist zwecklos

Als 14 Jahre später die Salzkammergut-Lokalbahn eröffnet wurde, schmückte die Haltestelle auf Uferhöhe eben dieser Namen. Bis zur Schließung der Strecke im Jahr 1957 war der Name Schwarzindien in den Köpfen der Menschen bereits manifestiert. Bis heute schmückt er die Landkarten vom Salzkammergut. Dass auf der Weltkarte in Südostasien dagegen kein Schwarzindien zu finden ist, belegt ein Missverständnis, das sich nach der Jahrhundertwende ereignete. Eine in Schwarzindien ansässige Baronin erhielt einen Brief, auf dem ungeschickterweise der Vermerk des Landes oder eines größeren Ortes fehlte. Der Postbeamte war ratlos und schickte den Brief kurzerhand nach Indien, das damals britische Kolonie war. Die dortige Poststelle klärte ihn in einem Schreiben auf, dass es in ganz Indien keinen Ort gäbe, der diesen Namen trage. Der unwissende, österreichische Postbeamten war doppelt verspottet, als der britische Beamte ihn auf die Bahnstation im Kurort am Mondsee aufmerksam machte.

Von Wien nach Schwarzindien in nur vier Stunden

Die Haltestelle ist zwar inzwischen wieder Geschichte, der Name der Örtlichkeit ist jedoch fixiert. Dass Schwarzindien heute für abenteuerlustige Reisende aus Wien in wenigen Stunden erreichbar ist, bietet bei der Heimkehr unter Auslassung einiger Fakten viel Möglichkeit zur Prahlerei. Zur richtigen Jahreszeit ist die Gegend um Schwarzindien nämlich ein sonniges Urlaubsziel und braun wird man dort auch heute noch.

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