19:55 Uhr  //  KW 21  //  Montag, 20. Mai 2019  //  144 Kollegen online

"Das Verkehrsmittel ist noch so modern wie damals. Es ist unterirdisch, ökologisch und leise", verspricht Bürgermeister Greiter. ©Seilbahn Komperdell GmbH

Je 50 bis 100 Meter wurden nach und nach für den Tunnelbau aufgegraben. ©Seilbahn Komperdell GmbH

Zwei Mitarbeiter zeichnen sich für den reibungslosen Fahrtablauf verantwortlich. Daran soll sich auch zukünftig nichts ändern. ©Seilbahn Komperdell GmbH

In die Jahre gekommene Stationen werden den gestiegenen Komfortabilitäts- und Qualitätsansprüchen angepasst. ©Seilbahn Komperdell GmbH

Die neuen Haltestellen werden zeitgemäß und qualitätsgerecht gestaltet. Die Station Kirche wird über drei Etagen verfügen. ©Seilbahn Komperdell GmbH

Trotz der vielfältigen technischen Neuerungen wird die U-Bahn weiterhin mit einem Tempo von elf Metern pro Sekunde unterwegs sein. ©Seilbahn Komperdell GmbH

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Panorama

Serfaus bekommt modernste U-Bahn Österreichs

Bereits vor rund dreißig Jahren hatten die Serfauser große Visionen: Eine unterirdisch verlaufende Luftkissenbahn sollte Entlastung für die einzige Straße des Skigebiets bringen. Nun bedarf es einiger Investitionen für die in die Jahre gekommene Bahn. Erneut gibt man sich visionär und steckt ein doppeltes Jahresbudget der Gemeinde in die Zukunft.

Von Beginn an war die 1.120 Einwohner starke Gemeinde Serfaus durch Zugehörigkeit zum bekannten Tiroler Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis enorm in den Tourismus eingebunden. Begeisterte Skifahrer, aber ebenso ambitionierte Wanderer im Sommer bewältigten den Weg zur Talstation der Seilbahn mit ihren Autos. Dies bedeutete vor allem während der Wintersaison ständige Staus auf der einzigen Straße des Dorfes - eine Sackgasse. Auch die Lebensqualität gleichsam für Bewohner und Touristen war beeinträchtigt. Aufgrund dessen veranlasste die Gemeinde 1971 die Schließung der Fahrbahn während der Wintersaison für den Individualverkehr. Gleichzeitig wurde ein großer Parkplatz am Beginn von Serfaus errichtet, von dem aus Busse die Tagesgäste zur Liftanlage brachten. Jene Busse konnten aber aufgrund der wachsenden Besucherzahlen keine dauerhafte Lösung des infrastrukturellen Problems bieten. Die Verantwortlichen (Gemeinde, Seilbahnbetreiber und Tourismusverband) suchten weiter nach einer Alternative.

Goldstück im Untergrund

Das Ergebnis nach langen Überlegungen war die Errichtung einer unterirdischen Verbindung; beginnend am Parkplatz, endend bei der Seilbahn. Eine Luftkissenbahn sollte es werden. Die Entscheidung speziell für diese neue Technologie fiel aufgrund der geringsten Lärmbelästigung für die Bewohner. Ob das System aber letztlich das Richtige sei, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, erklärt Stefan Mangott, einer der beiden Bahn-Geschäftsführer: "Man wusste nicht, wie Erfolg versprechend und wie notwendig es für das Dorf wird; es wurde etwas beschlossen, von dem man nicht wusste, ob das System so funktioniert." Doch blickt man gegenwärtig zurück, sei die Bahn eine Pionierleistung gewesen und ferner der Weitblick der Verantwortlichen damals zu betonen, argumentiert Mangott weiter. Auch der Bürgermeister von Serfaus, Paul Greiter, bewertet die damalige Entscheidung als visionär: "In den letzten dreißig Jahren ist die Bedeutung nie geringer, sondern immer noch größer geworden."

Modernität trifft auf ländliche Familienidylle

Seit der Inbetriebnahme vor 32 Jahren hat die fahrerlose Bahn mit einer Geschwindigkeit von elf Metern pro Sekunde und einer Fahrtstrecke von knapp 1.300 Metern an die 29,5 Millionen, pro Jahr waren es durchschnittlich 833.000, Personen kostenlos von einem zum anderen Dorfende befördert. In den letzten zehn Jahren stieg die Förderleistung allerdings nicht an. Der Grund hierfür ist nicht etwa einbrechender Tourismus in der Region, sondern die ausgeschöpften Kapazitäten der Bahn, es passen nicht mehr Menschen in sie. Deshalb sowie wegen gestiegener technischer, Qualitäts- als auch Komfortansprüche muss nun die Dorfbahn ausgetauscht, die Stationen erneuert werden. Da Serfaus ein beliebtes Domizil für Familien ist, bedarf es vor allem für Kinderwägen an breiteren Zugängen, alle Stationen werden zusätzlich mit Rolltreppen und Liften ausgestattet und folglich barrierefrei gestaltet. Ebenso hat sich der Anspruch an Komfortabilität in den letzten Jahrzehnten geändert. Die Haltestellen werden frei von Zugluft und von Tageslicht durchflutet, Infotainment-Systeme installiert.

23,5 Millionen Euro für eine kostenfreie U-Bahn

Die geplanten Um- und Neubauten werden Serfaus voraussichtlich an die 23,5 Millionen Euro, was ziemlich genau einem doppelten Jahresbudget der Gemeinde entspricht, kosten. Finanziert wird das Ganze, wie bereits beim 140 Millionen Schilling teuren Erstbau, über die Gemeinde. Eigenmittel decken die Hälfte der Kosten ab, der Rest wird mittels Krediten finanziert. Trotz der immensen finanziellen Belastung für das Dorf sieht Greiter keinen Bedarf daran, die U-Bahn kostenpflichtig zu machen beziehungsweise extra Fahrkarten für jene einzuführen. Genauso schließt der Bürgermeister zusätzliche Nutzungen in den Nebensaisonen aus: "Es gibt keinen Bedarf." Auch auf ein anderes Bahnsystem umzusteigen oder das Verkehrsmittel gar stillzulegen, kommt nicht infrage. Diesbezüglich diskutierten und analysierten die Verantwortlichen ausführlich mithilfe von Studien in der dreijährigen Planungsphase. Letztlich kam man aber zu der Einsicht, dass die Luftkissenbahn immer noch die beste Wahl ist.

Mit der Bahn in eine grüne Zukunft

"Sie ist ein einzigartiges Konzept mit Alleinstellungscharakter. Es gibt keinen Ort mit einer unterirdischen Verkehrslösung. Das ist nach wie vor so, die Bahn ist unverzichtbar", so Greiter auf die Frage, ob die dorfeigene Bahn ein besonderes Merkmal von Serfaus sei. Mangott ergänzt hierzu, dass genauso wenig eine Technik existiert, die vergleichbar leise wäre, jegliches Rollensystem verursache mehr Lärm. Obendrein wird mithilfe des elektrisch angetriebenen Vehikels - den Strom aus erneuerbaren Energien liefert der Landesstromerzeuger TIWAG - der CO2-Ausstoß immens reduziert. So ist die Bahn gleichsam ein Bestandteil des Konzepts zur Verkehrsberuhigung in Serfaus. Vor sechs Jahren wurde die Dorfbahnstraße endgültig für den Individualverkehr gesperrt, im Jahr 2014 eine Begegnungszone eingerichtet, in der sämtliche Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt agieren. Zukünftig sollen laut Bürgermeister Greiter noch mehr Begegnungs- sowie Gestaltungsräume geschaffen werden. Die dorfeigene Bahn ist dabei unabdingbar: "Die Begegnungszone wäre ohne U-Bahn nicht möglich, sie ist für die gesamte Verkehrsberuhigung wichtig." So wird die U-Bahn, die eigentlich eine Standseilbahn ist, vermutlich auch die kommenden dreißig Jahre ihre Dienste tun. Und nicht nur sie selbst als womöglich modernste U-Bahn Österreichs in aller Munde sein, sondern gleichsam Serfaus und seine engagierten Menschen, die ein ökologisches Morgen garantieren.

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