03:58 Uhr  //  KW 42  //  Sonntag, 20. Oktober 2019  //  0 Kollegen online

Bei einer Pressekonferenz im Oktober 2019 wurden die "Smart Waste"-Innovationen vorgestellt. Von links nach rechts: Ralf Mittermayr (Saubermacher), Hans Roth (Saubermacher), Alfred Riedl (Gemeindebund), Maria Zesch (Magenta), Haymo Schöner (AGR). ©Saubermacher AG

Der Wertstoffscanner ermöglicht genaueres Recycling und Direktfeedback. ©Saubermacher AG

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Mülltrennung

"Smart Waste" bringt Recyclingfortschritte

In den niederösterreichischen Bezirken Horn und Tulln startete "Saubermacher" Pionierprojekte der Recyclingwirtschaft. Durch den Einsatz von digitalen Spezial-Sensoren und künstlicher Intelligenz soll die Trenngenauigkeit verbessert werden.

Noch immer landen allein in der Restmülltonne rund siebzig Prozent falsche Abfälle. Die Hälfte davon sind Wertstoffe, die folglich nicht mehr recycelt werden können. Dem will das Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen "Saubermacher" mit Künstlicher Intelligenz im Müllcontainer entgegenwirken. Im niederösterreichischen Bezirk Horn betreibt "Saubermacher" gemeinsam mit der "Austria Glas Recycling GmbH" (AGR) und dem "Gemeindeverband Horn für Abfallwirtschaft und Abgaben" (GVA Horn) ein Projekt für eine moderne zukunftsfähige Altglassammlung. Mit einer digitalen Plattform und Spezial-Sensoren will man auf eine bedarfsgerechte umwelteffiziente Entleerung umstellen. Bei dem Projekt ist auch Digitalisierungspartner "Magenta Telekom" mit an Bord. Alle Technologien wurden in Österreich entwickelt.

Intelligente Glassammelplattform

Im Bezirk Horn startete Saubermacher vor wenigen Wochen gemeinsam mit AGR und dem GVA Horn erstmals einen großflächigen Test für die bedarfsgerechte Entleerung von Glasbehältern. Der Umweltpionier arbeitet an einer digitalen Plattform, die verschiedene Informationen, zum Beispiel Behälterfüllstand, maximale LKW-Nutzlast, Kalenderdaten und vieles mehr, vernetzt und einen dynamischen Tourenplan automatisch erstellt.

"Ziel ist die optimierte Glassammlung unter Berücksichtigung der Bürgerzufriedenheit bei gleichzeitiger ökologischer und ökonomischer Effizienzsteigerung im gesamten Bezirk Horn", informiert Haymo Schöner, Prokurist bei AGR. Es wurden rund 600 Sensoren in etwa 300 Behältern verbaut. Das Projekt läuft bis März 2020.

Europaweite Pionierleistung im ländlichen Raum

Die flächendeckende Ausrollung wurde nach einem erfolgreichen Vorprojekt gemeinsam beschlossen. Es wurde klar, dass ein optimaler Einsatz der Ressourcen im derzeit statischen Sammelsystem nicht sichergestellt ist. Mit Hilfe der Plattform soll künftig dynamisch, das heißt bedarfsgerecht, entleert werden. Damit fallen unnötige Fahrten weg, was CO2 und Lärm vermeidet. Am Ende des Projekts sollen auch überquellende Behälter der Vergangenheit angehören. "Die Initiative ist einzigartig in Österreich und auch europaweit eine Pionierleistung im eher ländlich strukturiertem Raum", betont Ralf Mittermayr, Vorsitzender des Vorstands bei Saubermacher. "Im neuen Jahr soll die Plattform marktreif sein", so Mittermayr weiter.

ANDI misst Füllstand der Behälter

Wesentlicher Bestandteil ist der Hightech-Sensor "ANDI" (Automatisch, Nachhaltig, Digital und Innovativ), der in Kooperation mit dem steirischen Startup "SLOC" speziell für die Anforderungen der Glascontainer entwickelt wurde. Mittels Ultraschall und komplexer Algorithmen misst der Sensor den Füllstand der Behälter und meldet diesen täglich an die "Saubermacher"-Plattform. Die Datenübertragung erfolgt über die Funktechnologie "NarrowBand IoT" (NB-IoT) von Magenta. Die Anforderungen an die Übertragungstechnik sind groß, die hohen Leistungsstandards müssen zuverlässig erfüllt werden.

Trenngenau in Tulln

Im Bezirk Tulln starten der "Gemeindeverband für Abfallbeseitigung in der Region Tulln" (GVA Tulln) und "Saubermacher" den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Direktfeedback, um die Trenngenauigkeit zu verbessern.

Künstliche Intelligenz für Bewusstseinsbildung

Mit insgesamt rund 180 Haushalten in den Gemeinden Judenau-Baumgarten, Sieghartskirchen, und Wolfsgraben testet "Saubermacher" in dem Großprojekt die Auswirkungen von Direkt-Feedback auf das Mülltrennverhalten der Bürgerinnen und Bürgern. Ziel ist die Erhöhung der Recyclingquoten durch die richtige Mülltrennung, die Reduktion der Restmüllmenge und damit einhergehend eine Senkung der Entsorgungskosten. "Die positiven Projekterfolge in der Steiermark haben mich veranlasst, die Technologie auszuprobieren", informiert Alfred Riedl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes und Präsident des Niederösterreichischen Gemeindebundes.

"Wir alle sind gefordert, die Zielerreichung des EU-Kreislaufwirtschaftspaketes zu unterstützen und unsere Umwelt zu schüt-zen. Daher liegt mir diese Initiative besonders am Herzen", so Riedl weiter. Das Projekt läuft bis Juni 2020.

"Wertstoffscanner" analysiert Müll

Eingesetzt wird der sogenannte "Wertstoffscanner", eine im Müllsammel-Fahrzeug integrierte Technologie, die die materielle Zusammensetzung des Abfalls analysiert. Der Scanner wurde von Saubermacher gemeinsam mit der TU Graz und Joanneum Research entwickelt. Mittels Sensoren und Multispektralkameras erkennt der Scanner zum Beispiel, ob sich Glas oder Kunststoffe im Restmüll befinden.

"Das Konzept ist weltweit einzigartig"

Entscheidender Vorteil: Die Bürger erhalten per SMS oder über eine App eine direkte Rückmeldung über ihre Trennqualität. "Die direkte Rückmeldung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, weil umweltfreundliches Verhalten unmittelbar belohnt und positiv verstärkt wird. Das Konzept ist weltweit einzigartig", erklärt Ralf Mittermayr, Sprecher des Vorstands. Erstmals erhalten auch Mehrparteienhäuser Rückmeldung über ihr Trennverhalten. Als Informationsquelle dient ein "Schwarzes Brett", das von Magenta entwickelt wurde und hier mit Saubermacher das erste Mal eingesetzt wird.

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