08:09 Uhr  //  KW 50  //  Donnerstag, 12. Dezember 2019  //  2284 Kollegen online

Wie ging die mittelalterliche Gesellschaft mit Verbrechen um? Welche Strafen waren zu erwarten? "Tatort Mittelalter" hat die Antworten.

Dr. Franziska Schäfer und Dr. Malte Heidemann geben einen Einblick in die Kriminalgeschichte des 11. bis 15. Jahrhunderts.

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Buchtipp

Tatort Mittelalter

Die letzte Oktobernacht ist das Fest der Toten. Wir nennen es Halloween. Die Gräueltaten des Mittelalters sind in Form der Verkleidungen omnipräsent. Ungestraft und ungesühnt wurden scheinbar blutrünstige Verbrechen begangen. Mit "Tatort Mittelalter" haben wir den passenden Grusel-Buchtipp für Sie.

Scheiterhaufen, Galgen und Köpfen sind nur ein grober Auszug an Rechtsmitteln, die sich in der mittelalterlichen Rechtsprechung großer Beliebtheit erfreuten. Doch wegen ein paar perfider Hinrichtungsarten wird die Epoche nicht als dunkel bezeichnet. Es sind die unvorstellbaren Foltermethoden, die aus dem Mittelalter eine düstere Zeit machen. In keinem Zeitalter wurde so viel Grausames angestellt wie im Mittelalter. "Tatort Mittelalter" hat die prominentesten Kriminalfälle und deren Judikatur anhand historischer Quellen zusammengefasst.

Das Mittelalter - eine Epoche mit eigener Rechtsauffassung

Hauptcharakteristikum mittelalterlichen Strafrechts ist wohl das starke Hervortreten körperlicher Strafen. Es gab kein Verbrechen, wofür sich nicht eine passende Foltermethode fand. Bei ihrem Vollzug waren die Vollstrecker gnadenlos und unerbittlich. Folter diente jedoch nicht als Gruselvergnügen für Verfechter von Hollywoodshockern. Das Mittelalter verfolgte damit den Zweck den Delinquenten für seine Verbrechen zu bestrafen und die anwesenden Zuschauer von der Nachahmung abzuhalten. Dabei wurde die Folterart nie wahllos getroffen. Die Strafe spiegelte stets die begangene Missetat. So war es, dass Falschmünzer in siedendem Öl starben und Brandstifter im Feuer brutzelten.

Die kriminalistische Odyssee beginnt mit der Entführung des elfjährigen Königs Heinrich IV. während eines Fests im Jahre 1062. Ein Jahrhundert später trifft der Leser auf den Philosophen Petrus Abaelard, der wegen seiner Liebe zu Heloise entmannt wurde. Vom 13. Jahrhundert, in dem die zahlreichen Juden-Pogrome Süddeutschland in Angst und Schrecken versetzten, springt der Mittelalterinteressierte ins 14. Jahrhundert, wo er die bestialische Ermordung von König Edward II. von England aufgrund seiner homosexuellen Neigungen miterlebt. Schließlich endet die Mittelalterreise im 15. Jahrhundert. Doch das Ende ist nicht minder nervenaufreibend. So läuft der Seeräuber Klaus Störtebeker enthauptet an seinen Gefährten vorbei, um sie vor dem Tod zu retten, der Münzmeister von Thann köchelt in heißem Öl und Jeanne d'Arc landet wegen Ketzerei am Scheiterhaufen.

Fazit: Ein Buch für Historiker, Schüler und Krimifreunde

Gänsehautfeeling pur ist schon auf den ersten Seiten Programm. Spannend und detailreich präsentieren die Autoren die Rechtsprechung des Mittelalters. Anhand von verschiedenen Quellentexten schildern sie die berühmtesten Kriminalfälle und ihre Strafen direkt aus der Epoche. Die Sprache ist leicht verständlich und auch ohne großes Mittelalter-Know-How kommt der Leser auf seine Kosten. Das Buch ist nicht nur für Studenten, Schüler und Historiker geeignet. Jeder Krimifreund kommt in "Tatort Mittelalter" auf seine Kosten.

Zu den Autoren:

Dr. Franziska Schäfer und Dr. Malte Heidemann promovierten beide über mittelalterliche Themen. Zusammen betreiben sie das Lektoratsbüro "textbaustelle" in Berlin. Zusätzlich arbeitet Franziska Schäfer noch als Textcoach und Autorin, und Malte Heidemann als Journalist und Medienpädagoge.

Details zum Buch:

Autoren: Franziska Schäfer, Malte Heidemann
Erschienen: 2013
Seitenanzahl: 144
Verlag: Verlag Philipp von Zabern
ISBN: 978-3-8053-4663-4
Preis: 19,99

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