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In Teil 5 der Blackout-Expertentalk-Reihe geht es um die Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie um das Gesundheitssystem. © larshallstrom - Fotolia.com

Die Phase der Wiederherstellung der Stromversorgung dauert länger als der Stromausfall selbst. ©Herbert Saurugg

Herbert Saurugg hat als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr begonnen, sich mit dem Thema der Blackout-Vorsorge zu beschäftigen. Er war Gründungsmitglied der Cyber Security Austria und begleitet zahlreiche Gemeinden dabei, sich auf einen Blackout vorzubereiten. (Bild: ZVG)

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Blackout

Teil 5: Wasser, Abwasser und Gesundheit

Was kann von einem Blackout noch alles betroffen sein? Wichtige Infrastrukturen wie die Wasserversorgung und die Abwasserversorgung, aber auch der große Bereich der Gesundheitsversorgung.

Bei einem generellen Blackout kann unter bestimmten Umständen auch die Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung ausfallen. Wo hier die Schwachstellen liegen, zeigt Blackout-Experte Herbert Saurugg auf. Ein weiterer Punkt, über den man sich rechtzeitig Gedanken machen sollte, ist die Gesundheitsversorgung.

Herr Saurugg, wo könnten Schwachstellen in der Wasserver- und Abwasserentsorgung lauern?

Wer keinen Hausbrunnen mit Trinkwasser hat, ist auf die zentrale Wasserversorgung angewiesen. Gemeinden, die sich auf einen Blackout vorbereiten, sollten sich überlegen, wo überall elektrische Pumpen eingesetzt werden und diese für den Notfall mit einem Generator aufrüsten. Ein weiterer Aspekt ist, dass vor allem in kleineren Wasserversorgungsgebeiten oft UV-Desinfektionsanlagen zum Einsatz kommen, die für die Entkeimung sorgen. Meistens wurden diese nach einer temporären Verkeimung eingebaut. Diese sind aber stromabhängig und wenn diese ausfallen, dann unterbricht die Anlage sofort die Wasserzufuhr. Damit bleibt nur mehr das verfügbare gereinigte Wasser im Hochbehälter. Das führt dazu, dass schon nach wenigen Stunden die Wasserversorgung ausfallen könnte. Gerade der Bereich betrifft ja nicht nur den Menschen, sondern auch Tiere etwa in der Landwirtschaft. Es empfiehlt sich daher, die Wasserversorgung besonders genau mit folgenden Fragen unter die Lupe zu nehmen:

  • Wo gibt es absehbare Versorgungsprobleme?
  • Wo werden Pumpen eingesetzt?
  • Gibt es (mobile) Notstromaggregate, um hier Überbrückungen schaffen zu können?
  • Welche Informationen können der Bevölkerung gegeben werden, um diesbezüglich selbst vorsorgen zu können?

In einer 13.000-Einwohner-Stadt widmete man sich nun dieser Frage und es kam leider Besorgniserregendes heraus: Ein Stromausfall in einem bestimmten Bereich hätte zur Folge, dass die Bevölkerung aus einem Hochbehälter nur für ungefähr vier Stunden mit Wasser versorgt werden könnte. Würde der Hochbehälter leer laufen, käme es zu einem Auslaufen des Rohrnetzes. Dadurch würde es zu einem Unterdruck kommen. Rohrbrüche wären die Folge. Ein Instandsetzen wäre in weiterer Folge sehr aufwändig und würde lange dauern.

Für den Fall eines Blackouts kann daher der Bevölkerung nicht die Empfehlung gegeben werden, die Badewannen voll laufen zu lassen. Es ist besser, sich einen ausreichend großen Vorrat an Flaschenwasser einzulagern. Hier ist Wasser aus der Glasflasche besser geeignet, da es länger haltbar ist.

Sie haben in einem der ersten Teile davon gesprochen, dass sich die Helfer in den Rettungsorganisationen privat besonders gut auf einen Blackout vorbereiten müssen, um dann in der Lage zu sein, anderen zu helfen. Wie sieht es mit den Krankenhäusern aus?

Krankenhäuser haben zumindest für 24 Stunden eine Notstromversorgung. Über die Stromversorgung hinaus gibt es aber eine ganze Menge anderer Ver- und Entsorgungsabhängigkeiten. Das wird den Betrieb im Falle eines Blackouts sehr erschweren. In vielen Fällen in kürzester Zeit wird nur mehr ein sehr eingeschränkter Notbetrieb möglich sein.

Um sich hier vorzubereiten gilt es nicht nur das Krankenhauspersonal, sondern auch das erweiterte Netzwerk wie Ärzte, Apotheken und Pflegedienste miteinzubeziehen. Ein Gesundheitsnetzwerk kann im Notfall Leben retten. Hier wird ein regionaler Ansatz in der Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden und den Bezirksverwaltungsbehörden ebenso wichtig sein.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wahrscheinlich Pflegedienste oder Essen auf Rädern in dieser Zeit kaum bis gar nicht funktionieren werden. So es nicht ohnehin selbstverständlich ist, wird es wichtig sein, dass sich Personen, die auf solche Hilfsdienste angewiesen sind, mit Angehörigen und Nachbarn absprechen, um im Notfall auf dieses Netzwerk zurückgreifen zu können.

In den nächsten Beiträgen geht es um die Lebensmittel(not)versorgung sowie um die Wärmeversorgung.

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