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Im Buch "Sieben Stock Dorf" geht die Autorin Barbara Nothegger der Frage nach, ob denn ein gutes Zusammenleben in einer von Individualismus geprägten Welt überhaupt gelingen kann. ©Gemeindebund

Rund 65 Erwachsene und 35 Kinder lassen sich auf das Abenteuer eines Gemeinschaftshauses in der Krakauer Straße Wiens ein. ©Gemeindebund

Die Autorin Barbara Nothegger ist beruflich als Journalistin tätig und zog im Dezember 2013 mit ihrer Familie in das Wohnprojekt Wien. ©Ursula Röck

Das Wohnprojekt Wien ist ein siebenstöckiges Haus mit 39 Wohnungen und siebenhundert Quadratmetern an Gemeinschaftsräumen. (Bild: ZVG)

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Buchtipp

Wohnexperiment: Sieben Stock Dorf

Das Konzept eines Gemeinschaftshauses, in dem 100 Menschen aufeinander treffen, klingt erstmals abenteuerlich. Deshalb zeigt die Journalistin Barbara Nothegger mit ihrem Buch "Sieben Stock Dorf" die Realität des gewagten Wohnprojekts Wien auf.

Der zunehmende Flächenverbrauch in Kommunen bedeutet oft den Verlust von Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Dieses Problem muss deshalb an der Wurzel gepackt und Alternativen wie beispielsweise Wohnprojekte, bei denen viele Menschen unter einem Dach leben, umgesetzt werden. Das "Wohnprojekt Wien" geht bereits als Musterbeispiel voraus und zeigt wie Nachhaltigkeit funktioniert.

"Die Bewohner haben einen Traum: von einer Wohnhausanlage in der Stadt, die aber funktioniert wie aktive Nachbarschaft am Land." Genau das wünschte sich auch Barbara Nothegger, Autorin des Buches "Sieben Stock Dorf". Zusammen mit ihrem Freund Clemens ließ sie sich auf das Abenteuer eines Gemeinschaftshauses in der Krakauer Straße Wiens mit rund 65 Erwachsenen und 35 Kindern ein. Humorvoll und offen erzählt die Autorin auf 176 Seiten über ihre Achterbahn der Gefühle im Wohnprojekt und geht der Frage nach, ob denn ein gutes Zusammenleben in einer von Individualismus geprägten Welt überhaupt gelingen kann.

Bezug auf Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die Ursprungsidee des gemeinschaftlichen Wohnens geht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der Gedanke, die Hausarbeit durch Gemeinschaftseinrichtungen zu kollektivieren, blieb aber bis in die Gegenwart erhalten. Als bekanntestes Wohnprojekt Österreichs gilt die Wiener Sargfabrik, die 1996 bezogen wurde und wo mehr als zweihundert Personen in Selbstverwaltung leben, wie Nothegger in ihrem Buch erzählt. In fünf Kapiteln geht sie auf vergleichbare Häuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein und erläutert auch fehlgeschlagene Projekte.

Ein siebenstöckiges Gemeinschaftshaus mit 39 Wohnungen

Als die Journalistin ihr erstes Kind erwartet, beschließt sie ihre Altbauwohnung in Wien hinter sich zu lassen und nach einem neuen Zuhause zu suchen. Nach Wohnungsbesichtigungen am Land sowie auch in der Stadt Wien wird der Autorin aber schnell klar: Die Suche nach dem passenden Eigenheim entpuppt sich schwieriger als gedacht. Durch ihren Beruf stößt sie auf das Wohnprojekt Wien, ein siebenstöckiges Haus mit 39 Wohnungen und siebenhundert Quadratmetern an Gemeinschaftsräumen. Diese sind beispielsweise eine Gemeinschaftsküche, ein Dachgeschoß für alle Bewohner sowie ein Gemeinschaftsgarten. 

Der Besitzer des Hauses ist der Verein für nachhaltiges Leben, der die Wohnungen an die Mitglieder des Wohnprojekts vermietet. So auch an Nothegger, die bei der Fertigstellung des Wohnprojekts im Dezember 2013 den Einzug in das Gemeinschaftshaus wagt. Im Laufe ihrer Erzählung erwähnt sie nicht nur die folgenden Sonnenseiten, die das Zusammenleben mit sich bringen kann, sondern gesteht sich auch ihr eigenes Zweifeln am Wohnprojekt und die Frage, ob sie überhaupt in die Gemeinschaft passt, ein.

Die soziale Erfahrung

Anhand von sechs Arbeitsgruppen managen die Bewohner des Hauses nun das Zusammenleben. Ein besonderes Anliegen ist es hierbei, den Alltag nachhaltig zu gestalten. Deshalb gibt es eine Carsharing-Initiative, Kinderspielzeuge, Küchengeräte und Sportsachen werden untereinander getauscht und ein Leihsystem in der gemeinsam genutzten Werkstatt umgesetzt.

Nothegger hebt aber nicht nur die ökologische Komponente, sondern zuletzt auch vor allem die soziale hervor. Die Herausforderung, das Zusammentreffen verschiedener Generationen, ermöglicht den Bewohnern "viele kleine Hilfen im Alltag", wie die Autorin erzählt. Welche Hürden sich im Laufe des Projekts auftaten und welche spezifischen Erfahrungen die Journalistin aus dem Projekt mitnehmen konnte, gilt es aber selbst herauszufinden.

Das Buch ist in der Reihe "Leben auf Sicht" erschienen. Diese beschäftigt sich mit großen Herausforderungen wie dem Klimawandel, Migrationsbewegungen oder der wachsenden Weltbevölkerung bei endlichen Ressourcen. Im Zuge von "Leben auf Sicht" wird versucht mögliche Antworten und Ansätze für ein besseres Leben aufzuzeigen.

Infos zum Buch

Titel: Sieben Stock Dorf, Wohnexperimente für eine bessere Zukunft
Autorin: Barbara Nothegger
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Residenz Verlag GmbH
Seitenanzahl: 176
Preis: 19 Euro (bei Residenz Verlag-Webshop)
ISBN: 9783701734092

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