10.09.2020

KSG: Im Miteinander durch die Krise

Die Folgen durch Corona sind für Landwirte, Unternehmer, Tourismusmanager oder eben auch für die Bürgermeister enorm. Gemeinsam mit den Impulsgebern Daniel Dettling, Othmar Karas und Elisabeth Köstinger geben Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl und Ralph Spiegler (Präsident des deutschen Städte- und Gemeindebundes) einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen und Chancen, die die Krise uns bietet.

Was braucht es, um aus den krisengebeutelten Zeiten gestärkt und mutig in die Zukunft zu blicken? Bei der Beantwortung dieser Frage waren sich alle Diskutanten einig: Nur im Kollektiv, in einem vereinten Weg von der Gemeindestube, den Ländern und dem Bund bis hin nach Brüssel kann es gelingen, mit breiter Brust die kommenden Jahre anzugehen.

93 Prozent der Ortschefs mit Maßnahmen zufrieden

“Wir Gemeinden haben aufgrund des Zusammenrückens mit Bund und Ländern gemerkt, dass wir transparenter, intensiver und näher zusammenarbeiten als jemals zuvor. Das ist insofern auch den Gemeinden geschuldet, die rasch auf die wichtigen Themen in der Krise reagiert haben, um nun in die aktive Zukunftsentwicklung voranzuschreiten”, gab Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl zu Wort. Das schlage sich auch in aktuellen Umfragen nieder: “95 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister geben an, die Corona-Krise rückblickend gut überstanden zu haben. 93 Prozent der befragten Ortschef gibt an, dass sie mit den seit März gesetzten Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Coronavirus- Krise zufrieden sind und diese als notwendig erachteten.”

Auch Deutschlands Städte- und Gemeindebund-Präsident Ralph Spiegler pflichtete Riedl bei und verwies auf einen ähnlich eingeschlagenen Weg in der Bundesrepublik: “Ich fahre mit vielen neuen Erkenntnissen aus Bad Aussee nach Deutschland zurück. Die Akzeptanz der Bevölkerung zu den Maßnahmen, die die Bürgermeister in ihren Kommunen gesetzt haben, war auch bei uns sehr hoch.” Für ihn sei ebenso das Ansehen der Kommunen in der Krise gestiegen.

Karas: “Waren zu spät solidarisch”

Auf die Frage von Moderator Meinrad Knapp eingehend, welche Erkenntnisse die EU durch die Krise mitnehmen konnte, meinte Europaparlamentarier Othmar Karas: “In der Pandemie haben wir deutlich gesehen, wo die Grenzen, die Schwächen und Defizite in der EU liegen – dass wir kaum eine wirkliche Gesundheitskompetenz haben. Wir müssen lernen, Europa krisenfester zu gestalten. Ich persönlich habe in den letzten Monaten vielmehr eine Kompetenz- als eine Solidaritätsdebatte erkennen können.” Für Karas war dies durchaus ein Lernprozess, den es für eine sonnigere Zukunft Europas so wohl gebraucht hat: “Wir haben gelernt, dass wir unabhängiger auf allen Ebenen werden müssen. Denn es kann nicht sein, dass wir einen Großteil der weltweiten Patente auf diesem Kontinent haben, die meisten Produktionen jedoch ausgelagert werden. Wir waren zu spät solidarisch.”

Paneuropa als Antwort auf Pandemie

Das Patent-Problem sprach anschließend auch Zukunftsforscher Daniel Dettling bei: “Mit den europäischen vier Prozent der Weltbevölkerung erwirtschaften wir über 40% der Patente. Da sieht man, dass Quantität alleine noch nicht ausreicht.” Allerdings sah Dettling die Zukunft Europas etwas skeptischer als Karas: “Es braucht bei dieser Frage einen kritischen Optimismus. Wir brauchen mehr Europa. Uns muss klar und bewusster werden, was unsere Werte ausmacht und wo unsere Grenzen (mit Verweis auf die Vergiftung des Kreml-Kritikers Nawalny) sind. Im Sinne von Städtepartnerschaften braucht es auch bilaterale Kooperationen und schließlich ein Paneuropa als Antwort auf die Pandemie!”

Lebensmittel aus der Region für die Region als Zukunftsmodell

Zu guter letzt pflichtete auch Bundesministerin Elisabeth Köstinger den Diskutanten bei, dass der Virus zu einem Umdenken geführt habe: “Die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft als lebenswichtige systemrelevante Infrastruktur hat zugenommen. Unsere Bäuerinnen und Bauern produzieren Lebensmittel bester Qualität nach höchsten Standards – auch in Krisenzeiten. Darauf können sich die Österreicherinnen und Österreicher verlassen. Und darauf sollten wir auch künftig verstärkt setzen, um weniger von Importen abhängig zu sein. Lebensmittel aus der Region für die Region sind das Zukunftsmodell.”

REDAKTION

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