@Luzia Marchsteiner

Natur im Garten

NaturimGartenTipps

10.09.2020

Wiesenanlage – aber wie?

Dass die Anlage und Förderung naturnaher Wiesenflächen im öffentlichen Grünraum langfristig gesehen viele Vorteile für die Umwelt aber auch das Gemeinde-Budget mit sich bringen, spricht sich mittlerweile herum.

Nicht zuletzt beläuft sich der Arbeitsaufwand für die Pflege pro m² und Jahr bei  naturnahen Wiesen auf nur 0,1-0,5 Minuten, statt 2,6 bis 4,1 Minuten für die Pflege von Rasenflächen… Ebenso erfreulich  ist die Tatsache, dass keine Betriebsmittel wie Pflanzenschutzmittel oder Dünger eingesetzt werden müssen. Aufgrund der Genügsamkeit beim Wasserverbrauch stellen naturnahe Wiesenflächen in vielen Fällen nicht nur die pflegeärmste sondern auch eine der am besten ans Klima angepasste Begrünungsvarianten dar.  Nebenbei leisten Gemeinden mit der Anlage und Pflege regionaltypischer Wiesenflächen einen sehr wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitäts-Strategie, da mit der Förderung der Wildpflanzenvielfalt auch unmittelbar die heimische Insektenwelt unterstützt wird. Die Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+ zielt darauf ab, die Lebensvielfalt in Österreich zu erhalten, den Verlust an Arten, genetischer Vielfalt und Lebensräumen einzubremsen und die Gefährdungsursachen zu minimieren (https://www.bmlrt.gv.at/umwelt/natur-artenschutz/biologische_vielfalt/biodivstrat_2020plus.html)

Ist der Entschluss gefallen, naturnahe Wiesen im Gemeindegrün anzulegen, gibt es unterschiedliche Wege die zum Ziel – eine nachhaltig schöne und ökologisch wertvolle Blumenwiese – führen können.  Diese Wege richten sich nach der Beschaffenheit und den standörtlichen Gegebenheiten auf den  vorhandenen Flächen.

Was gilt es zu beachten?

Deshalb macht es Sinn diese Gegebenheiten vor Ort zuerst genau einzuschätzen bevor es an die Planung massiver Eingriffe geht. Folgende Fragestellungen gilt es im Vorfeld zu klären: Ist die Fläche bewachsen, oder nicht? Wie ist der Boden beschaffen – durchlässig, humusreich, tonig? Sind Wurzelunkräuter, wie Acker-Kratzdistel, Stumpfblättriger Sauerampfer oder Quecke in einem Bestand vorhanden? Oder bevölkern vielleicht sogar Neophyten wie Goldrute oder Japanischer Knöterich die Fläche? Welche Gerätschaften stehen für die Anlage zur Verfügung?Gibt es in meiner Umgebung eventuell bereits artenreiche Spenderflächen die für Saatgutübertragung genutzt werden könnten?

Der Zeitraum für Neu-Ansaaten ist idealerweise Ende August bis Anfang April, jedoch ist eine Neuanlage nicht auf allen Flächen notwendig oder sinnvoll.

Ist der geeignete Weg zur naturnahen Wiese im Gemeinderaum gefunden, sollte auch der Umgang mit dem anfallenden Heu geklärt werden. Da für die Pflege einer Wiese das Abtrocknen des Mähguts und dessen anschließender Abtransport unumgänglich ist, fällt 1 – 2 Mal pro Jahr Heu an, welches möglichst ressourcenschonend wieder verwertet oder entsorgt werden sollte. Straßennahe Flächen sollten zusätzlich regelmäßig von Müll befreit werden um das anfallende Heu der regionalen Kompostierung zuführen zu können. Das getrocknete Schnittgut bereits sehr artenreicher Flächen kann im Rahmen einer Mähgutübertragung als Spendermaterial bei Wiesen-Neuanlagen im Gemeinderaum genutzt werden. Das Heu straßenferner Wiesen kann eventuell von ansässigen Pferdewirtschaftsbetrieben genutzt werden.

All diese Fragestellungen sollten im Vorfeld geklärt werden um  sich nachhaltig an einer gelungenen Wiesenanlage oder -umwandlung im Gemeinderaum erfreuen zu können. Einen Leitfaden zum Finden Ihres persönlichen Wiesenanlageweges finden Sie auf der „Natur im Garten“ Homepage in dem Informationsblatt „Blumenwiesen anlegen“ unter folgendem Link: https://www.naturimgarten.at/files/content/4.%20GARTENWISSEN/5.6%20Gr%C3%BCnraumwissen/Wiesen%20Wiki.pdf

Ist die Einschätzung der standörtlichen Gegebenheiten nicht eindeutig, steht zur Klärung von Fragen das Team des „Natur im Garten“ Telefons  zur Verfügung. Fotos von vorhandenen Flächen, deren Bewuchs, oder einzelner Pflanzen können zur Begutachtung und Einschätzung an gartentelefon@naturimgarten.at  gesandt werden.

Mehr Information erhalten Sie beim “Natur im Garten” Grünraumservice unter der Telefonnummer 02742-74333 oder per E-Mail unter gartentelefon@naturimgarten.at

– I.WEIPPL (Quelle: Natur im Garten, entgeltliche Einschaltung des Landes Niederösterreich)

 

MEHR ZUM THEMA

Erfrischende Freiräume für Mensch und Natur

Starkregen-Verwüstungen vorbeugen

Klimawandel-Anpassung: Modellregion gesucht

© Copyright - Kommunalnet