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Umwelt

29.04.2021

Climate Star(s): Diese Gemeinden machen es vor

Die österreichischen Gemeinden gehören in Sachen Klimaschutz zu den besten in Europa: Beim diesjährigen Klima-Award des europäischen Klimabündnis – dem Climate Star – wurden 16 Projekte aus sieben Ländern prämiert. Österreichs Gemeinden alleine konnte mehr als ein Drittel der Auszeichnungen absahnen. Gleich sechs Climate Stars gingen nach Österreich:

Graz und Tulln setzen sich für die Energiewende ein

In der Kategorie „Energie und Klima“ gingen zwei Climate Stars nach Österreich.

  • Graz überzeugte die internationale Jury mit dem Projekt „Klima-Innovationsstadt“. Die steirische Landeshauptstadt ist 1990 als erste Gemeinde dem Klimabündnis beigetreten. Seither verfolgt sie einen konsequenten Weg. Im Laufe der Jahre wurde aber immer deutlicher, dass ein umfassender Kulturwandel notwendig ist. Die Rahmenbedingungen dafür wurden mit dem Projekt „Klima-Innovationsstadt“ geschaffen. Ein Fachbeirat für Klimaschutz, ein Klimaschutzbeauftragter, ein Monitoring-System und ein mit 60 Millionen Euro dotierter Klimaschutzfonds wurden eingerichtet. Koordiniert werden alle Tätigkeiten in der städtischen Arbeitsgruppe Klimaschutz.
  • Tulln an der Donau (NÖ) wurde mit dem Projekt „Wasser-Wasser-Wärmepumpe“ ausgezeichnet. Im Komponistenviertel schreibt die Gartenstadt mit einem 80 Wohneinheiten umfassenden Bau samt einer 250 kWp-Anlage und einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe ein weiteres Kapitel auf dem Weg zur Energieautarkie. Mit einer der ersten gemeinschaftlich genutzten PV-Anlagen des Landes wurde das schon zuvor größte kommunale Photovoltaiknetz Österreichs weiter ausgebaut. Der zu Spitzenzeiten gewonnene überschüssige Strom wird für den Betrieb der Straßenbeleuchtung genutzt. Eine österreichweite Premiere ist der Betrieb der Wärmepumpe, die Trinkwasser aus der Hauptwasserleitung nutzt. Erfahrungswerte wurden in Deutschland und der Schweiz eingeholt.

Klimaschutz geht nur, wenn alle zusammenarbeiten

In der Kategorie „Bürger*innen beteiligen“ wurden aus Österreich die Stadtgemeinde Herzogenburg und die Klimamodellregion Retzer Land ausgezeichnet.

  • Herzogenburg (NÖ) hat mit dem Projekt „20 Ideen fürs Klima“ eine Mitmach-Bewegung gestartet. Ausgangspunkt war das 20-jährige Klimabündnis-Jubiläum. Den Rahmen bildeten die 17 globalen Ziele der Vereinten Nationen. Ergebnis sind 20 von Bürger*innen mitentwickelte und getragene Klimaschutzideen in diesen Bereichen. Angestoßen und umgesetzt wurden Grünraumpatenschaften, Pocket-Parks statt Hitzeinseln, der Nahwärme-Ausbau, kostenlose Leihräder, Wandern unter Obstbäumen, Nützlingshotels, Gemeinschaftsgärten, der soziale Fahrtendienst „he-Mobil“, das E-Carsharing MOVE, Radln auf Rezept, Energy Checker oder ein Photovoltaik-Sparbuch.
  • Eine der trockensten Regionen in Mitteleuropa stemmt sich gemeinsam gegen die Klimakrise. Sechs Gemeinden haben sich zur Klimamodellregion Retzer Land (NÖ) zusammengeschlossen. Voll eingeschlagen hat die Photovoltaik-Offensive. 15 PV-Anlagen mit über 500 Kilowatt-Peak wurden errichtet. Finanziert wurden diese mittels Bürgerbeteiligung, einem Sale-and-Lease-Back-Modell. Die „Sonnen-Bausteine“ waren schnell vergriffen. Im nächsten Schritt können Private und Betriebe fertige PV-Pakete beziehen. All das soll zu einem der ersten lokalen Strommarktplätze Österreichs verschmolzen werden, bei dem Erzeuger*innen und Abnehmer*innen aus derselben Region kommen.

Kreislaufwirtschaft wird in Kärnten forciert

In der Kategorie „Ressourcen schonen“ kommt ein Preisträger aus Österreich.

  • Die Stadtgemeinde Villach (Ktn) erhielt einen Climate Star für das Projekt „Re-Use-Netzwerk“. Unter dem Titel „Re-Use“ wurde 2017 die Wieder- und Weiterverwendung von gebrauchten Elektrogeräten mit der ARGE Sozial gestartet. 2020 folgten die Angebote Re-Use-Bags und Re-Use-Boxen. Diese werden an unterschiedlichen Stellen in der Stadt ausgegeben und können zu Hause mit Büchern, Geschirr oder Kleinelektrogeräten gefüllt werden. Abgegeben werden sie bei Netzwerk-Betrieben wie der Caritas oder dem Revilla Re-Use-Kaufhaus. Nach etwaigen kleinen Reparaturen werden die Produkte zu einem günstigen Preis wiederverkauft. 2.800 Boxen und 3.800 Bag’s wurden bereits an die Bürger*innen ausgegeben. Eine Ausweitung auf andere Gemeinden in Kärnten ist geplant.

Pertoldsdorf steht entschlossen hinter Dekarbonisierung

Ein weiterer Climate Star aus Österreich wurde in der Kategorie „Nachhaltigkeit im Alltag“ vergeben.

  • Die Gemeinde Perchtoldsdorf (NÖ) startete 2020 die Initiative „Perchtoldsdorf 4 Future“. Gemeinsam mit Bürger*innen wird eine Dekarbonisierungsstrategie ausgearbeitet. Die Basis dafür wird in zehn Arbeitsgruppen gelegt – von Mobilität über Kreislaufwirtschaft bis zu Finanzen und Soziales. Neben einer professionellen Prozessbegleitung gibt es auch fachliche Inputs von Expert*innen in Form von regelmäßigen Webinaren. Das „Wir-Gefühl“ wurde auch durch die Teilnahme an der Klimabündnis-Initiative „Change the Future“ gestärkt. Ein weiterer Meilenstein ist das im März 2021 beschlossene Biodiversitätskonzept.

Gemeinden sind Motor für den Wandel

Coronabedingt wurden die Preisträger*innen heuer in einem Online-Meeting ausgezeichnet. Gesendet wurde dieses aus dem Museum Niederösterreich. Gastgeber LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf betonte: „Gerade Gemeinden und Städte sind starke Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Die prämierten Projekte zeigen, dass die kommunale Ebene ein Motor für den notwendigen Wandel ist und hier schon viel Innovationskraft dahinter steckt. Das Land Niederösterreich ist als eine der ersten Regionen Europas vor 25 Jahren dem Klimabündnis beigetreten, mittlerweile haben wir über 420 Klimabündnis-Gemeinden – so viele wie keine andere Region. Mit ihrer Unterstützung sind wir europäischer Vorreiter bei der Energiewende.“

„Gerade Gemeinden und Städte sind starke Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Die prämierten Projekte zeigen, dass die kommunale Ebene ein Motor für den notwendigen Wandel ist und hier schon viel Innovationskraft dahinter steckt.“

Glückwünsche gab es auch von Tine Heyse, der Vorstandsvorsitzenden der europäischen Geschäftsstelle des Klima-Bündnis: „Der Climate Star stand heuer unter dem Motto „Wir sind Wandel – Erfolgsgeschichten im lokalen Klimaschutz“. Die prämierten Projekte sind der Beweis, dass der Wandel hin zu einer den Pariser-Klimazielen entsprechenden Politik auf kommunaler Ebene bereits eingeleitet wurde.“

Deutschsprachige Länder ingesamt weit vorne

Beim europäischen Climate Star eingereicht werden konnten laufende oder abgeschlossene Klimaschutzprojekte. Bewertet wurden diese nach den Kriterien Nachhaltigkeit, Multiplikatoreffekt, Medienwirksamkeit, Innovation und Einbindung der Bevölkerung. Auffallend ist, dass besonders viele Preise in die deutschspachigen Länder gingen. Die Gewinner in den einzelnen Kategorien sind wie folgt:

Kategorie 1: Energie & Klima

  • Ascha (DE) – Energieautarke Gemeinde
  • Eppan (IT) – E-Bikes für Pendler*innen
  •  Graz (AT) – Klima-Innovationsstadt
  • Tulln an der Donau (AT) – Wasser-Wasser-Wärmepumpe

Kategorie 2: Bürger*innen beteiligen

  • Herzogenburg (AT) – 20 Ideen fürs Klima
  • Rheinland-Pfalz (DE) – KlikK aktiv
  • Retzer Land (AT) – Lokaler Strommarkt

Kategorie 3: Ressourcen schonen

  • Esch-sur-Alzette (LU) – Öko-Dorf Benu Village
  • Junglinster (LU) – equiVélo
  • Kajarpec (HU) – Bäume für alle
  • Villach (AT) – Re-Use-Netzwerk

Kategorie 4: Nachhaltigkeit im Alltag

  • Baden (CH) – Leichter leben – Zukunft gestalten
  • Ludwigsburg (DE) – Nachhaltigkeit (ba)rockt!
  • Perchtoldsdorf (AT) – Perchtoldsdorf 4 Future
  • Kreis Steinfurt (DE) – #energieland2050digital
  • Targu Mures (RU) – Juni-Challenge

Alle Preisträger und Projekte samt Videos gibt es auf www.klimabuendnis.at/climatestar

Unten finden Sie die Zeitschrift zum Climate Star 2021 mit Beschreibungen aller Gewinnerprojekte zum Download.

-REDAKTION (Quelle: Klimabündnis Österreich)

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