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Oberösterreich

04.03.2022

OÖ Gemeinden stöhnen unter Personalmangel

In den vergangenen Wochen haben mehrere oberösterreichische Gemeinden mit Klagen um einen zunehmenden Personalmangel im Gemeindedienst aufhorchen lassen. Ottensheim, Neufelden, Altenfelden, Walding, Braunau und sogar Bad Ischl haben Petitionen an das Land Oberösterreich geschickt, in denen sie eine Evaluierung des Gehaltsschemas für Gemeindebedienstete forderten. Handelt es sich hierbei um Einzelfälle oder könnte tatsächlich ein schwerwiegender Mangel an Personal drohen? Das sagen die betroffenen Gemeinden:

Qualifizierte Bauhof-Leiter nur schwer zu finden

Klaus Gattringer ist Bürgermeister von Altenfelden, einer ländlichen Gemeinde im Bezirk Rohrbach. Seit einem Jahr wird dort ein neuer Mitarbeiter für den Bauhof gesucht. Ohne Erfolg. „Bewerbungen hat es kaum gegeben und wenn, dann waren es Kandidaten ohne Führerschein oder notwendige Qualifikation. Die Aufgabe ist ja nicht ohne, man muss den Gemeindetraktor und die Schneeräumgeräte fahren können. Außerdem ist der Bauhofleiter einer kleinen Gemeinde allen bekannt und dementsprechend exponiert – damit muss man auch umgehen können.“

Der Bürgermeister hat Erfahrung mit Mitarbeiterführung, er leitet mit seiner Frau seit Jahren einen Familienbetrieb. „In der Privatwirtschaft weiß man, man muss gutes Personal dementsprechend bezahlen, wenn man es auch halten will. Da ist es der eigene Betrieb und das eigene Geld – aber bei der Gemeinde geht es um Steuergeld, das muss man dem Steuerzahler gegenüber mal rechtfertigen.“ Gattringer meint: „Es ist gut, dass sich die Menschen aussuchen können, wo sie arbeiten wollen. Aber früher war die Jobsicherheit noch etwas wert. Das ist der Nachteil an der guten wirtschaftlichen Lage“. Er sieht die Gemeinden in einer Zwickmühle zwischen Wirtschaftsbetrieb und öffentlichem Dienst an den Bürgerinnen und Bürgern mit dem großen Unterschied, dass bei fehlendem Personal im öffentlichen Dienst am Ende die Bevölkerung selbst draufzahlt.

Kindergartenpersonal wandert nach Salzburg ab

Nicht nur am Land, auch in der Stadt hat man Probleme, Personal zu finden. In Bad Ischl beklagt Bürgermeisterin Ines Schiller nicht nur den Bauleiterposten – er wurde bereits dreimal ausgeschrieben, sondern auch einen Sachbearbeiterposten sowie vor allem fehlendes Kindergartenpersonal. „Wir haben hier als großes Problem die Nähe zu Salzburg. In Salzburg sind die Gehälter für Kinderbetreuungspersonal viel höher als in Oberösterreich. Alle qualifizierten oder verfügbaren Fachkräfte aus der Region gehen lieber dorthin zum Arbeiten.“

Schiller ist auch der Meinung, dass das Gehalt nicht mit den Berufsanforderungen Schritt hält. „Auch für die Finanzabteilung haben wir jemanden gesucht, und da gab es nach langem Suchen gerade zwei Bewerbungen, die beide nicht den Qualifikationen entsprechen“, so die Bürgermeisterin. Gerade in den Kommunen werden die Herausforderungen und Anforderungen immer größer, meint Schiller und fordert eine Evaluierung und Anpassung des Entlohnungsschemas für Gemeinden durch das Land Oberösterreich.

Der Präsident des Oberösterreichischen Gemeindebundes Hans Hingsamer spricht von einem ernstzunehmenden Problem. „Wie auch die Wirtschaft spüren auch die Gemeinden langsam die angespannte Lage am Arbeitsmarkt“, bestätigt er mit einem Verweis auf den zunehmenden Fachkräftemangel in Österreich. Bei den Kindergartenpädagoginnen gehe es gerade noch, aber auch in der Verwaltung, etwa in der Buchhaltung werde es schwieriger, Fachkräfte zu finden. Am dringlichsten sei das Problem aber im handwerklichen Bereich, betont Hingsamer. „Besonders beim Bauhof- oder Hausmeisterpersonal ist die Konkurrenz mit der Bauwirtschaft verheerend.“

“In Ballungsräumen ist es oft schwieriger, Personal zu finden, als in ländlichen Gebieten.” – OÖ-Gemeindebund-Präsident Hingsamer

Gegen den Personalmangel im Gemeindedienst laufen derzeit Diskussionen mit dem Land Oberösterreich rund um ein zusätzliches Zuschlagssystem für Gemeindebedienstete, sagt der OÖ-Gemeindebund-Chef. Weil nicht alle Bereiche zu gleichen Teilen davon betroffen sind, wolle man nicht das gesamte Gehaltsschema umstellen, sondern Zulagen für beispielsweise Handwerker ermöglichen.

-E. SCHUBERT

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