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Europa

Ukrainehilfe

10.05.2022

Gemeinden aus ganz Europa helfen der Ukraine

In Österreich, auf europäischer Ebene und international mobilisieren Gemeinden, Verbände und kommunale Unternehmen, um Hilfe in die Ukraine zu bringen. Europarat, Ausschuss der Regionen und RGRE/CEMR dienen als Informationsdrehscheiben.

So können Gemeinden helfen

Eine vom europäischen Dachverband CEMR ins Leben gerufene Taskforce bringt die beiden ukrainischen Gemeindeverbände in direkten Kontakt mit Kollegen aus der EU.

Sowohl der ukrainische Städtebund als auch der Verband der Bezirks- und Regionalräte sind in improvisierten Büros und (aufgrund russischer Hackerangriffe) mit privaten Emailadressen weiter aktiv und in ständigem Austausch mit Gemeinden und Oblasten. Sie berichten über entführte und exekutierte Bürgermeister, Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, Hilfskorridore und aktuelle Bedarfslisten notwendigster Güter. Aber auch darüber, dass das Leben weitergehen muss und viele Menschen die Ukraine gar nicht verlassen wollen.

Für Kinder, deren Eltern in der Ukraine bleiben wollen oder müssen, werden daher Sprach- oder Lerncamps in Europa angeregt, die als Überbrückung bis Kriegsende bzw. bis zum Nachlassen der Kämpfe dienen können. Der ukrainische Städtebund arbeitet in dieser Angelegenheit mit dem ukrainischen Außenministerium zusammen, eine erste Gruppe von Kindern konnte beispielsweise bereits in Frankreich untergebracht werden.

Leitfaden des schwedischen Gemeindeverbandes

Mehrere europäische Verbände unterstützen die Arbeit der ukrainischen Verbände mit finanziellen Beiträgen, die polnischen Verbände helfen beim Management der zwei großen Verteilzentren, von denen aus Hilfsgüter auf den weiteren Weg geschickt werden.

Der schwedische Verband, der vor allem ländliche Gemeinden bei der Unterbringung von Binnenflüchtlingen unterstützt, verfügt über einen Leitfaden, wie Überweisungen in Euro auch tatsächlich in den ukrainischen Gemeinden ankommen.

https://ccre.org/en/activites/view/47

Direkter Kontakt mit ukrainischen Gemeinden

Der Kongress der Gemeinden und Regionen hat auf Anregung der Stadt Sindelfingen ein Onlineportal für direkte Hilfspartnerschaften zwischen Städten und Gemeinden eingerichtet.

Ukrainische Kommunen oder Bezirke posten ihren Bedarf, europäische Gemeinden können dann direkt Kontakt aufnehmen und herausfinden, wie die Hilfe am besten und schnellsten ankommt.

In den meisten Fällen werden Lebensmittel, Hygieneprodukte, Verbandsmaterial, Medikamente und Generatoren gebraucht. Es werden aber auch Feuerwehrautos und Schutzanzüge, medizinisches Gerät für überlastete Krankenhäuser oder Laptops für binnenvertriebene Schüler gesucht.

Hilfestellungen bei Sprachbarriere

Viele ukrainische Gemeinden stellen sich kurz vor, beschreiben die aktuelle Lage und davon ausgehend den dringendsten Bedarf. Manche Profile enthalten Informationen, ob es eine Logistikkette bis zur polnischen Grenze gibt. Die Kontaktdaten enthalten Emailadressen, Telefonnummern und Sprachkenntnisse der zuständigen Mitarbeiter, wobei man sich von mangelnden Sprachkenntnissen nicht abschrecken lassen soll.

Auch die cities4cities-Plattform wird von einem Übersetzungsprogramm unterstützt und jeder elektronische Austausch kann mithilfe frei verfügbarer Übersetzungsdienste gut funktionieren.

Direkter Kontakt mit russischen Bürgermeistern

Eine im Salzburger Kuchl geborene Initiative will dazu beitragen, den Diskurs auch nach Russland zu tragen und dort für eine offene und demokratische Debatte einzutreten. Bürgermeister Thomas Freylinger und Vizebürgermeisterin Carmen Kiefer haben bereits mehrere russische Bürgermeister angeschrieben und sie aufgefordert, für Frieden einzutreten und dabei an wesentliche Grundsätze der Kommunalpolitik, nämlich Schutz der Zivilbevölkerung und Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge zu erinnern.

Die „Operation Schneeflocke“ stößt selbst außerhalb Österreichs auf große Resonanz, Kiefer nutzt dafür ihre Kontakte als langjähriges Mitglied von AdR und RGRE, ein auf Russisch verfasster Musterbrief sowie eine Adressliste russischer Gemeinden tragen das ihre dazu bei.

-D. FRAISS

Über die Autorin

Daniela Fraiss ist Leiterin des Brüsseler Büros des Österreichischen Gemeindebundes.

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