An der Umfrage nahmen insgesamt 194 Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter teil, darunter Bürgermeister:innen, Amtsleitungen und Finanzverantwortliche. Alle Fragebögen wurden vollständig ausgefüllt.
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: Viele Gemeinden verfügen über umfangreiche, gewachsene Versicherungsstrukturen, die zwar gut gemeint, aber aus versicherungstechnischer Sicht nicht immer gut gemacht sind. Gleichzeitig wächst die Komplexität der Versicherungsansprüche.
Versicherungen vorhanden – aber oft ohne Gesamtüberblick
Der Nachteil der über Jahre gewachsenen Strukturen: unterschiedliche Laufzeiten, Einzelpolizzen und verschiedene Zuständigkeiten. Dadurch entstehen Intransparenz, eingeschränkte Vergleichbarkeit und teilweise auch Unsicherheiten hinsichtlich Deckungsumfang und Wirtschaftlichkeit.
Gleichzeitig befindet sich die Versicherungslandschaft für österreichische Gemeinden im Umbruch: Neue Haftungsrisiken, verschärfte Informationspflichten und eine zunehmend komplexe Bedrohungslage im digitalen Raum stellen die kommunale Verwaltung vor Herausforderungen, die vor wenigen Jahren noch kaum absehbar waren.
Persönliche Haftung rückt stärker in den Fokus
Positiv hervorzuheben ist das gestiegene Bewusstsein für persönliche Haftungsrisiken kommunaler Entscheidungsträger. Gerade Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Amtsleitungen erkennen zunehmend, dass klassische Haftpflichtlösungen nicht automatisch sämtliche Vermögensschäden oder Regressfälle abdecken.
Besonders im Bereich der sogenannten D&O-Versicherung (Directors & Officers Liability) besteht jedoch weiterhin Aufklärungsbedarf. Viele Gemeinden verfügen zwar über allgemeine Haftpflichtdeckungen, jedoch nicht über klar strukturierte Lösungen für persönliche Organhaftungen.
Cyber-Risiken werden zum Kernthema
Cyber- und Vertrauensschäden zählen zunehmend zu den größten Risiken im Gemeindealltag. Die kommunale Verwaltung verarbeitet sensible Bürgerdaten, steuert kritische Abläufe und ist stark von funktionierenden IT-Systemen abhängig. Gleichzeitig herrscht teilweise noch die Annahme vor, dass ein externer IT-Dienstleister automatisch ausreichenden Schutz bietet.
Die Umfrage macht jedoch deutlich: IT-Betreuung und Cyber-Versicherung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Während IT-Dienstleister technische Unterstützung leisten, decken Cyber-Versicherungen finanzielle Folgen eines Vorfalls ab – etwa Kosten für Datenrettung, Systemwiederherstellung, Rechtsberatung oder mögliche Haftungsansprüche.
Fünf zentrale Empfehlungen
1. Transparenz vor Produktauswahl
Bevor neue Versicherungen abgeschlossen werden, braucht es einen vollständigen Überblick über bestehende Verträge, Laufzeiten und Zuständigkeiten.
2. Vertragsstrukturen aktiv steuern
Versicherungsportfolios sollten strategisch aufgebaut und regelmäßig überprüft werden – nicht bloß historisch weitergeführt.
3. Persönliche Haftungsrisiken absichern
D&O- und Vermögensschadenlösungen sollten klar von klassischen Haftpflichtdeckungen getrennt betrachtet werden.
4. Cyber-Risiken als Kernrisiko behandeln
Cyber- und Vertrauensschäden müssen fixer Bestandteil moderner kommunaler Risikosteuerung sein.
5. Unabhängige Polizzenprüfung etablieren
Externe Prüfungen schaffen Transparenz und unterstützen eine sachliche Entscheidungsfindung in Verwaltung und Gemeindepolitik.
Versicherungsschutz wird Teil moderner Governance
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen insgesamt eine klare Entwicklung: Gemeinden wollen ihre Versicherungsgebarung zunehmend professionell steuern und nicht dem Zufall überlassen.
Besonders bemerkenswert ist die hohe Offenheit gegenüber unabhängigen Prüfungen sowie der Wunsch nach mehr Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Rechtssicherheit.
Damit verändert sich auch die Rolle des Versicherungsschutzes selbst: Versicherungen werden immer stärker als Teil eines aktiven kommunalen Risikomanagements verstanden – nicht als einmaliger Vertragsabschluss, sondern als laufender Steuerungsprozess.
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