Der Grund dafür ist simpel: „Wir haben nur eine einspurige Straße, die zu uns herauf und durch das Dorfzentrum führt. Die Nachteile von großen Verkehrsmassen können und wollen wir unserer Bevölkerung nicht antun“, erklärt Bürgermeister Walter Moosbrugger. Dabei hätte die Gemeinde durchaus das Potenzial für Tourismus: die filmreifen Sonnenuntergänge über dem Bodensee mit Blick auf das Dreiländereck Deutschland-Schweiz-Liechtenstein sind durchaus ein Besuchermagnet.

Doch Moosbrugger betont: „Unsere Infrastruktur gibt das nicht her“. Denn von den 845 Einwohnerinnen und Einwohnern sind rund 40 Landwirte – dementsprechend belebt ist auch der Traktor-Verkehr auf der Durchfahrtsstraße. Gleichzeitig ist der Bürgermeister überzeugt: „Wir wollen keinen Massentourismus. Unser Fokus liegt auf der hohen Lebensqualität für unsere Familien. Wir wollen ein Ort zum Leben bleiben.“
„Wir wollen ein Ort zum Leben bleiben“
Dieser Grundsatz zieht sich auch durch die Gemeindefinanzen. Bildstein ist zwar auf Bedarfszuweisungen des Landes angewiesen, versucht aber gleichzeitig, die Verwaltung so schlank wie möglich zu halten. „Bei uns ist der Bürgermeister, wenn er möchte, automatisch auch Amtsleiter“, sagt Moosbrugger. Im Gemeindeamt arbeiten zwei Mitarbeiterinnen im Sekretariat, im Bauhof sind derzeit umgerechnet eineinhalb Stellen besetzt. „Wenn Not am Mann ist, springe ich selbst ein“, so der Ortschef.

Er beschreibt seine Aufgabe als „All-in-Job“. Als ausgebildeter Lehrer hilft er bei Bedarf sogar in der Nachmittagsbetreuung der Schülerinnen und Schüler aus. Insgesamt beschäftigt die Gemeinde umgerechnet acht Vollzeitkräfte. „Wir sind ein kleines Team und arbeiten sehr eng zusammen.“
Schlanke Verwaltung statt großem Apparat
Gespart wird allerdings nicht überall. Gerade dort, wo es um Familien geht, will die Gemeinde keine Abstriche machen. „Wir investieren bewusst in unsere Bildungsinstitutionen. Kindergarten und Volksschule sollen auf dem neuesten Stand sein und die bestmögliche Qualität bieten“, betont Moosbrugger. Aktuell besuchen 16 Kinder den Kindergarten und 42 Kinder die Volksschule. Auch der Schulbus gehört für die kleine Gemeinde selbstverständlich dazu.
„Wir sind eine Wohngemeinde. Unser vorrangigstes Ziel ist die Lebensqualität unserer Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt der Bürgermeister. Deshalb werde Jahr für Jahr das umgesetzt, was finanziell möglich sei. Gleichzeitig sei der Investitionsbedarf groß: Vor allem die Straßen müssten laufend saniert werden. „Es gibt fast kein Jahr, in dem hier nicht irgendwo etwas rutscht.“
Gemeindekooperation und Ehrenamt als Schlüssel zum Erfolg
Um Kosten zu sparen, setzt Bildstein auf Eigenleistungen, Kooperation und ehrenamtliches Engagement. Bauhofmitarbeiter übernehmen unterschiedlichste Aufgaben – vom Baggerfahren bis zu Installationsarbeiten. Wanderwege werden von einer ehrenamtlichen Gruppe gepflegt: Rund 20 selbsternannte „Blumenfrauen“ kümmern sich ehrenamtlich um den gesamten Blumenschmuck im Ort. „Das spart nicht nur Geld, sondern stärkt auch den Zusammenhalt in der Gemeinde“, sagt Moosbrugger.
Bei vielen Verwaltungsaufgaben setzt Bildstein auf Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Die Finanzgeschäfte werden von der „Finanzverwaltung Hofsteig“ organisiert – sie verwaltet gleich mehrere Gemeinden. Auch die Buchhaltung und Personalverwaltung werden hier gemeinschaftlich abgewickelt, ebenso die Baurechtsverwaltung oder die Kleinkindebetreuung. „Nicht jede Gemeinde muss alles selbst leisten. Es macht Sinn, Fachkräfte zu bündeln“, ist der Bildsteiner Bürgermeister überzeugt.
„Unser Kapital sind die Familien“
Besonders stolz ist Walter Moosbrugger deshalb nicht auf einzelne Bauprojekte, sondern auf den Zusammenhalt im Ort. „Wir haben es geschafft, dass sich die Menschen mit ihrer Gemeinde identifizieren und zusammenhelfen. Nur so kann ein kleines Dorf langfristig selbstständig funktionieren.“ Für Moosbrugger ist deshalb klar, worin das eigentliche Wert der Gemeinde liegt: „Unser Kapital sind die Familien, die hier wohnen und die hohe Lebensqualität schätzen. Genau darauf wollen wir auch in Zukunft unseren Fokus legen.“


