Sölden im Tiroler Ötztal zählt zu den bekanntesten Tourismusgemeinden Österreichs. In der aktuellen Podcast-Folge von „Amtsgeheimnisse vor Ort“ spricht Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl mit dem langjährigen Bürgermeister Ernst Schöpf über eine politische Karriere, die eng mit der Entwicklung der Gemeinde verbunden ist.
Größte Gemeinde Österreichs
Schöpf steht seit 1986 an der Spitze der Gemeinde und zählt damit zu den dienstältesten Bürgermeistern Österreichs. In dem Gespräch beschreibt er Sölden als Gemeinde im Spannungsfeld zwischen alpiner Tradition und globalem Tourismus. Heute verzeichnet der Ort mehr als 2,5 Millionen Nächtigungen jährlich und zählt damit zu den bedeutendsten Destinationen im Alpenraum.

Diese Entwicklung bringe enorme Chancen, aber auch erhebliche Herausforderungen mit sich, insbesondere im Bereich Infrastruktur – und das bei 467 Quadratmetern Gemeindefläche. Sölden ist damit noch vor Wien die größte Gemeinde Österreichs. Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Verkehrsflüsse und öffentliche Ordnung müssten in Spitzenzeiten auf eine große Fläche verteilt und für ein Vielfaches der Wohnbevölkerung funktionieren.
Tourismus: Segen und Fluch
Ein weiteres Thema ist die Besucherlenkung im Ortszentrum. Mit Maßnahmen wie einer alkoholfreien Zone im öffentlichen Raum habe die Gemeinde auf zunehmende Belastungen reagiert. Laut Schöpf sei dies in enger Abstimmung mit Gastronomie und Bevölkerung erfolgt und habe zu einer spürbaren Verbesserung der Aufenthaltsqualität geführt.
„Ich werde oft gefragt – gibt es bei euch überhaupt Vereine, gibt es einen Zusammenhalt? Tatsächlich haben wir ein sehr ausgeprägtes Dorf- und Vereinsleben, von der Blasmusik bis zum Theaterverein. Und seit der Ötztaler Dialekt als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wurde, haben die jungen Leute plötzlich den heimatlichen Dialekt wieder für sich entdeckt“, erzählt Ernst Schöpf.
Auch politische Tiefpunkte kommen zur Sprache. Die sogenannte „Gemnova“-Affäre und die damit verbundenen Folgen hätten seine politische Laufbahn geprägt, so Schöpf. Gleichzeitig betont er die Bedeutung interkommunaler Kooperation, die er als zentralen Baustein für effiziente Gemeindearbeit sieht.
Neue Generation übernimmt
Mit Blick in die Zukunft verweist der Bürgermeister auf die Herausforderungen des Klimawandels und die Energiefrage. Sölden arbeitet an Konzepten zur Energieautonomie und setze verstärkt auf Photovoltaik und alternative Energieformen im alpinen Raum. Das Gletscherskigebiet Sölden will etwa bis 2035 energieautonom sein. Die Helioplant-Photovoltaikanlage am Tiefenbachgletscher ist mittlerweile sogar ein kleines Wahrzeichen. Sehenswert ist auch das aus dem Bond-Film bekannte, auf 3.048 Metern Höhe liegende Ice-Q Restaurant am Gipfel des Gaislachkogls. „Es gibt auch sowas wie eine technische Schönheit. Man muss nicht alles gleich verteufeln“, betont Ernst Schöpf.
Nach 40 Jahren im Amt bereitet Schöpf nun den Übergang an die nächste Generation vor – mit dem Ziel, eine funktionierende und stabile Gemeindestruktur zu übergeben. Mit 1. September übernimmt sein Stellvertreter Maximilian Riml (28 Jahre).



