Warum die Bürgermeisterin nicht mehr ohne ihren „Hugo“ außer Haus geht

Eigentlich ist das Bürgermeisteramt schon Herausforderung genug. Doch Renate Habetler, Bürgermeisterin aus Bernstein im Burgenland, hat es besonders hart getroffen.

Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2011 hat sie die Diagnose BOOP – eine seltene, entzündliche Lungenkrankheit. „Höhen und Tiefen“ hat die 62-Jährige mit ihrer Krankheit im Amt durchlebt. „Mittlerweile ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass ich ohne meinen „Hugo“ (Sauerstoffgerät) nicht mehr außer Haus gehen kann“, erzählt Renate Habtler. Einen Tag sei es besser, einen schlechter. Unterkriegen lässt sich die Bernsteinerin jedenfalls nicht. „Ich sehe meine Erkrankung wie jemanden, der zu mir auf Besuch gekommen ist“, sagt Habetler.  Manchmal sei der Besucher lästig, manchmal willkommener. Das Amt deswegen zurück zu legen oder ihre Arbeit in ihrem Edelserpentin-Geschäft aufgeben und nur mehr zuhause zu sein, kommt für Renate Habetler nicht in Frage. „Ich wurde auch schon gefragt, ob ich mich nicht geniere mit dem Sauerstoff-Gerät aus dem Haus zu gehen. Da kommt von mir die klare Antwort -„nein“, sagt sie. Für sie sei es wichtig ohne Scham unter die Menschen zu gehen und zu reden. „Das Schlimmste ist, wenn man sich zurückzieht und einigelt. Ich möchte meinen Amtskollegen aber auch Menschen aus der Bevölkerung Mut machen und Kraft geben, dass man auch mit einer schweren Krankheit leben kann“, sagt die Ortschefin. Als eine Art Selbsthilfe-Gruppe hat die Ortschefin 2002 auch eine Nordic-Walking-Gruppe in Bernstein gegründet, wo man sich zu Bewegung, aber auch Gesprächen trifft. „Das hat mir immer sehr geholfen“, weiß Habetler. Heute muss es die Bürgermeisterin krankheitsbedingt ruhiger angehen, obwohl sie weiß: „Jede Form der Bewegung stärkt auch ihre Lunge.“

So lange es gesundheitlich geht, will die 62-Jährige weiter machen mit ihrer „Berufung“ als Bürgermeisterin. Eine große Herausforderung für die Bürgermeisterin ist die Verwaltung von 5 Ortsteilen. Dadurch gibt es manchmal auch fünf Mal soviel zu tun. Vieles hat Renate Habetler schon erreicht in ihrer Amtszeit: Die Gemeinde verfügt nicht nur über einen Kindergarten, eine Volks- und Mittelschule um die es sich zu kümmern gilt – momentan steht wieder ein großer Umbau im Schulgebäude an. Auch Energiegemeinschaften wurden gegründet, die öffentlichen Gebäude mit PV bestückt, ein Altenwohnheim errichtet, sowie die Wasserleitung in Redlschlag erneuert. Eine bekannte Ganzjahres-Attraktion ist der Skilift in Rettenbach, auf dem ganzjährig Grasski gefahren wird und immer wieder internationale Rennen stattfinden. Ein Herzensprojekt möchte die Bürgermeisterin aber trotz allem noch umsetzen: „Den Hauptplatz neugestalten, begrünen und lebenswerter machen“, sagt Renate Habetler.

Auch wenn ihr eine Lungentransplantation nicht erspart bleiben wird, versucht die Bürgermeisterin alles zu tun, um möglichst lange mit „ihrem Hugo“ auszukommen. Das gute Team und die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, im Gemeinderat helfen ihr jedenfalls dabei.

Von: Sotiria Peischl, Kommunalnet Redaktion

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