Endlich ein Abenteuer, das im eigenen Haus spielt!
Diesmal gibt es ein Spiel für Sie: den sogenannten „KI-Nachmittag“. Spielen Sie den Nachmittag einmal durch, das dauert etwa eine halbe Stunde. Dann beantworten Sie für sich die Frage, mit der Toni im Spiel von Tür zu Tür geht: „Welche Aufgabe nervt dich am meisten?“ Schreiben Sie die Antwort auf und stellen Sie dieselbe Frage zwei Kolleginnen oder Kollegen. Mit diesen drei Antworten steht die Tagesordnung für Ihren ersten KI-Nachmittag.
Das Spiel finden Sie unter ikangai.com/KI-Nachmittag.html.
Worum geht es im Spiel?
Toni vom Bürgerservice hat eine Stunde Zeit, um den ersten KI-Nachmittag im Gemeindeamt auf die Beine zu stellen. Wir haben mitgeklickt, bis die Amtsleiterin zufrieden war.
Hollerbach, 13:00 Uhr. Um zwei beginnt im Sitzungssaal der erste KI-Nachmittag, und Toni hat dazu „Ja“ gesagt. Jetzt fehlt so ziemlich alles: drei Aufgaben von den Kollegen, das OK der Amtsleiterin und ein Beamer, der etwas anderes zeigt als „Kein Signal“. Am Schalter ist der Novak derweil dabei, eine Beschwerde-Mail in die Gratis-Version von ChatGPT zu kopieren, samt Name, Adresse und Handynummer. Ist ja nur ein Chat. Die Uhr in der Ecke läuft mit. Gnädig, wie Amtsuhren sind, bleibt sie bei 13:58 stehen, bis alles erledigt ist.
Für alle, die das Format nicht kennen:
Ein KI-Nachmittag ist ein Hackathon in Gemeindegröße. Ein paar Leute aus dem Amt probieren einen Nachmittag lang, ihre lästigsten Routineaufgaben mit ChatGPT oder Claude zu erledigen, und programmieren muss dabei niemand.
Die Steuerung kennt jeder, der um 1990 vor einem Computer gesessen ist. Unten stehen neun Verben von „Öffne“ bis „Gib“, daneben das Inventar, darüber das Gemeindeamt in handfesten Pixeln. Wer „Rede mit“ anklickt und dann den Novak, redet mit dem Novak. Wer es eilig hat, tippt einfach auf ein Ding im Bild, dann tut Toni das Naheliegende. Für Ratlose gibt es den Knopf „Objekte?“, der kurz alles beschriftet, was sich anklicken lässt.

Die Rätsel sind Gemeindealltag mit Pointe. Bevor der Novak die Mail in die KI kopiert, müssen Sie ihm sagen, was raus muss. Der Kaltenbrunner im Bauamt verrät seine Aufgabe erst, wenn er einen Kaffee in der Hand hat, und zwar im roten Becher mit der Aufschrift „Bester Bauhof der Welt“. Die Kaffeemaschine meldet allerdings „Bohnen leer“, und wo die Bohnen liegen, verraten wir nicht. Dafür erzählt der Kaltenbrunner jedem, der fragt, wie ihm die KI letztes Jahr eine Anrainerinfo geschrieben hat, mit erfundenem Datum, erfundener Umleitung und einem Ansprechpartner namens Huber. Hollerbach hat keinen Huber.

Frau Steiner aus der Finanzverwaltung will wissen, ob der Voranschlag überhaupt in die KI darf. Der Bürgermeister gibt das Kabel für den Beamer erst her, wenn Sie ihm in einem Satz sagen, was der Nachmittag bringt, denn der Obmann vom Prüfungsausschuss hat schon gefragt. Höhepunkt vor zwei Uhr ist das Wortgefecht mit der Amtsleiterin. Monkey-Island-Veteranen erkennen das Beleidigungsfechten wieder, nur fliegen hier Behauptungen statt Beleidigungen. „Ein guter Prompt ist eine kurze, klare Frage“, sagt die Amtsleiterin zum Beispiel, und Sie suchen die passende Erwiderung aus. Sie verlangt drei richtige Antworten, etwa zu Datenschutz, Urheberrecht oder KI-Verordnung. Erst dann schreibt sie Regel Nummer eins auf den Flipchart.

Für den Übungsnachmittag heißt das, im Spiel wie im echten Amt: In die KI kommen nur öffentliche Informationen ohne Personenbezug oder vollständig anonymisierte Beispiele. Namen, Kontaktdaten und verräterische Details bleiben draußen. Aus „Josef Müller, Müllergasse 5“ wird „ein Bürger“. Und wenn der Rest der Geschichte den Müller trotzdem erkennbar macht, bleibt auch der Rest draußen. Mehr dazu steht in der Kolumne „KI sicher nutzen“.

Um zwei sind alle im Sitzungssaal, sogar der Bürgermeister, der nur kurz bleiben wollte. Für jede der drei Aufgaben stehen nun drei Briefings an die KI zur Wahl, und nur eines taugt. Wer danebengreift, bekommt vorgeführt, was die KI daraus macht. Beim Anrainer-Schreiben verlegt sie die Sperre in den November, beim Voranschlag spendiert sie Geld, das es nicht gibt. Frau Steiner: „Wir haben keine 2,4 Millionen für Kultur. Leider.“ Das brauchbare Briefing sagt der KI, was herauskommen soll, für wen, in welchem Ton und mit welchen Fakten. Was sie nicht bekommt, erfindet sie. Am Ende steht die Prompt-Sammlung von Hollerbach auf der Leinwand, und das Spiel zählt gnadenlos mit, wie oft Sie sich vergriffen haben.

Unter der Haube: keine KI. Alle Antworten sind vorgegeben, Ihre Spielentscheidungen werden nicht an einen KI-Dienst geschickt. Gebaut wurde das Spiel trotzdem gemeinsam mit einem Sprachmodell, in vielen Anläufen. Den Spielstand merkt sich der Browser. Wer zwischendurch an den Schalter muss, macht später dort weiter, wo er aufgehört hat.
M. Treiber meint: Befangen! Natürlich bin ich befangen, ich habe das Spiel gebaut. Nehmen Sie meine Prozentzahlen also mit der gebotenen Skepsis, das ist ohnehin eine gute Übung im Umgang mit KI. Am liebsten mag ich die falschen Antworten. Jede zeigt einen Fehler, den man im Amt besser nicht macht, und im Spiel kostet er nur einen Klick. Seither suche ich in jedem KI-Text zuerst den Huber. Was als richtige Antwort gilt und welcher Witz drinbleibt, habe ich entschieden. Das Sprachmodell durfte Vorschläge machen.
Die Amtsleiterin meint: Bedingungen! Ich habe nichts dagegen. Ich habe Bedingungen. Erstens: keine Namen in der Gratis-Version. Zweitens: Spielen Sie es mit Ihrem Team am Beamer. Wo Sie sich uneins sind, haben Sie die Tagesordnung für Ihren eigenen Nachmittag. Drittens: Laden Sie mich zum Mitspielen ein. Es gibt eine Rolle für mich.
Mehr zu KI
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KI KOMPAKT
| Spiel | KI-Nachmittag |
| Genre | Grafik-Adventure, Verwaltungskomödie |
| Hersteller | IKANGAI |
| Preis | kostenlos |
| Spieldauer | etwa 30 Minuten |
| Schwierigkeit | für Einsteiger |
| Browser | läuft |
| Handy | nur quer |
| C 64 | nicht geplant |
Wertung | ||
| Grafik | 80 % | Klobige Pixel, mit Liebe gesetzt |
| Sound | 0 % | Gibt es keinen. Um eins ist es im Amt auch still. |
| Handhabung | 85 % | Neun Verben, meistens reicht ein Klick |
| Spielidee | 90 % | Monkey Island trifft Gemeindeamt |
| Dauerspaß | 50 % | Einmal durch, dann weiß man’s. Die Amtsleiterin zieht ihre drei Fragen aber zufällig aus acht. |
| Lerneffekt | 90 % | Anonymisieren und Briefings schreiben, ohne dass ein echter Müller zu Schaden kommt |
| Preis/Leistung | 100 % | kostenlos |
| Red. Urteil | befangen | Spielen Sie selbst |
Spezialität: Komplett auf Österreichisch. Kein Kopierschutz, keine Diskettenwechsel, kein Konto.
Kleiner Gag am Rande: Die Kaffeemaschine wollte schon vor drei Wochen entkalkt werden.
Der KI-Nachmittag im echten Leben: Eine Woche vorher sammeln alle ihre lästigsten Routineaufgaben. Am Nachmittag gibt es eine kurze Einführung in ChatGPT oder Claude, danach zwei Stunden Zeit, die Aufgaben an anonymisierten Beispielen auszuprobieren. Zum Schluss prüft die Runde die Ergebnisse gemeinsam und sichert die erprobten Briefings in einem Dokument. Mit vorhandenen Geräten und Zugängen braucht es vor allem Zeit und Kaffee.
Datenschutz: Für den Übungsnachmittag verwenden wir öffentliche Informationen ohne Personenbezug oder vollständig anonymisierte Beispiele. Für weitere Anwendungen muss die Gemeinde klären, welche Daten in welches Werkzeug dürfen. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AV-Vertrag) allein ist noch keine Erlaubnis. Im Spiel selbst steckt keine KI: Alle Antworten sind vorgegeben, Ihre Spielentscheidungen werden nicht an einen KI-Dienst geschickt.


