Sesselkleber oder Schleudersitz: So lange sind Bürgermeister durchschnittlich im Amt

Wie lange bleibt man eigentlich Bürgermeisterin oder Bürgermeister? Die Antwort ist weniger eindeutig, als man vielleicht denkt — und hängt natürlich von vielen Faktoren ab …

Ein Drittel nur für eine Periode

Im Schnitt sind Bürgermeister 9,3 Jahre im Amt. Das klingt nach Beständigkeit. Gleichzeitig zeigt der Median von sieben Jahren: Für viele ist früher Schluss. Die eine Hälfte hört also davor auf, die andere macht deutlich länger weiter.

Und die Spannweite ist groß: Rund 30,5 Prozent sind noch keine fünf Jahre im Amt — da wirkt das Bürgermeisterbüro von außen betrachtet fast wie ein Schleudersitz. Bei einer Amtsperiode von je nach Bundesland fünf oder sechs Jahren wird also etwa ein Drittel der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nur einmal gewählt, bevor sie abtreten.

Auf der anderen Seite stehen 9,4 Prozent, die seit 20 Jahren oder länger regieren. Dazu passt auch das Durchschnittsalter von etwa 55 Jahren: Wer einmal Bürgermeister war, sammelt einiges an Erfahrung — und bleibt dann oft auch eine Weile.

Frauen holen auf — und verändern das Bild

Besonders interessant wird es, wenn man Männer und Frauen getrennt betrachtet. Denn hier zeigt sich: Die Unterschiede sind deutlich — und erzählen eine eigene Geschichte. Bürgermeisterinnen sind im Schnitt 6,3 Jahre im Amt, ihre männlichen Kollegen kommen auf 9,7 Jahre. Auch beim Median liegen Frauen mit fünf Jahren klar hinter den Männern mit 7,5 Jahren.

Der größte Unterschied zeigt sich aber bei den „Neuen“: 42,1 Prozent der Bürgermeisterinnen sind weniger als fünf Jahre im Amt. Bei den Männern sind es nur 29,0 Prozent. In anderen Worten: Viele Frauen sind vergleichsweise frisch im Amt.

Am anderen Ende sieht es genau umgekehrt aus: Während 10,5 Prozent der Bürgermeister auf 20 Jahre oder mehr kommen, schaffen das nur 0,8 Prozent der Bürgermeisterinnen. Und Amtszeiten jenseits der 30 Jahre? Gibt es bei Frauen derzeit gar nicht — bei Männern immerhin in 2,1 Prozent der Fälle.

Dienstältester Bürgermeister ist 41 Jahre im Amt

Auch die Rekorde sprechen für sich: Die längste Amtszeit beträgt bei Frauen 23 Jahre – konkret ist das Bürgermeisterin Regina Schrittwieser aus Krieglach in der Steiermark. Auch der am längsten dienende Bürgermeister ist mit stolzen 41 Jahren ein Steirer – Robert Hammer ist seit 1985 Bürgermeister von Unterlamm. Auf ihn folgen Walter Rauch aus Dünserberg (Vorarlberg) mit ebenfalls 41 Amtsjahren (er ist einen Monat kürzer im Amt als sein Kollege aus der Steiermark) und Ernst Schöpf, der seit 40 Jahren Bürgermeister von Sölden in Tirol ist.

Bei den Frauen ist folgt auf Regina Schrittwieser die Kärntnerin Sonja Feinig aus Feistritz im Rosental  mit 22 Dienstjahren sowie Waltraud Schwammer aus Dechantskirchen (Steiermark) mit 21 Jahren.

Kein Zufall, sondern Wandel

Die Zahlen liefern eine ziemlich naheliegende Erklärung: In den vergangenen Jahren hat sich viel bewegt. Immer mehr Frauen übernehmen Bürgermeisterämter — und sind deshalb naturgemäß noch nicht so lange im Amt wie viele ihrer männlichen Kollegen.

Oder anders gesagt: Die Unterschiede sagen weniger darüber aus, wie lange Frauen bleiben — sondern vielmehr darüber, dass sie erst seit vergleichsweise kurzer Zeit stärker vertreten sind.

Das Bürgermeisteramt ist also weder klarer Schleudersitz noch reiner Sesselkleber. Es ist vor allem eines: im Wandel.

Von: Eva Schubert

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