In San Giorgio su Legnano, einer 6.800 Einwohner zählenden Gemeinde im Mailänder Hinterland, leben 280 Kinder und 850 Hunde. Ein Mengenverhältnis, dass dem Bürgermeister Claudio Ruggeri Sorgen bereitet, denn der demografische Wandel wirkt sich deutlich auf die Gemeinde aus. Die Bildungsinfrastruktur zu erhalten, kostet nämlich immer mehr Geld, vor allem dann, wenn immer weniger Menschen Steuern zahlen. Er bittet nun die Hundebesitzer um eine freiwillige Spende von 20 Euro, um Dienstleistungen zugunsten von Kindern zu finanzieren, wie italienische Medien berichten.
Wer zahlt, wer profitiert?
Mit seinem Vorschlag, Hundehalter stärker zur Finanzierung von Schulen heranzuziehen, trifft er einen empfindlichen Nerv. Seine Argumentation: Während die Zahl der Kinder sinkt, nimmt die Zahl der Vierbeiner stetig zu. Gleichzeitig entstehen der Gemeinde Kosten für Hundezonen, Reinigung und Infrastruktur. Wer Hunde halte, solle daher einen größeren Beitrag zum Gemeinwesen leisten.
Der Vorstoß sorgt weit über die Gemeindegrenzen hinaus für Aufmerksamkeit. Befürworter sehen darin einen kreativen Ansatz, um kommunale Einnahmen zu sichern. Kritiker sprechen hingegen von Symbolpolitik und warnen davor, einzelne Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen.
„Ihr Labrador zahlt Ihre Rente nicht.“
Der Bürgermeister will angesichts des demografischen Wandels zum Nachdenken anregen: “Ich kann sicherlich keine Steuer erheben, aber ich appelliere an das Gemeinschaftsgefühl der Einwohner von San Giorgio.“ Wenn alle Hundehalter mitmachen würden, könnten so bis zu 17.000 Euro pro Jahr für eine kinderfreundliche Politik gesammelt werden. Die Diskussion wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie sollen Gemeinden künftig öffentliche Leistungen finanzieren, wenn sich Bevölkerungsstruktur und Lebensweisen verändern? Während Familien mit Kindern vielerorts weniger werden, wächst die Zahl der Haustierhalter kontinuierlich. Das stellt Kommunen vor neue Herausforderungen – nicht nur in Italien.
Ob die umstrittene Idee tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Der Bürgermeister hat mit seinem Vorstoß eine Debatte angestoßen, die auch andere Gemeinden aufmerksam verfolgen dürften.
Hundesteuer
In Österreich gibt es übrigens eine Hundesteuer bzw. Hundeabgabe – sie ist ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich hoch.


