AKW-Bürgermeisterin im Doppeljob: „Am Ende hing alles an mir“

Zwentendorf ist bis heute untrennbar mit einem Kapitel österreichischer Zeitgeschichte verbunden: dem nie in Betrieb genommenen Atomkraftwerk. Fast fünf Jahrzehnte nach der Volksabstimmung von 1978 prägt die Anlage die Gemeinde noch immer – allerdings längst anders als ursprünglich gedacht.

In der aktuellen Folge des Podcasts „Amtsgeheimnisse vor Ort“ spricht Bürgermeisterin Marion Török mit Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Standorts. Török erinnert sich an die Zeit der Volksabstimmung, die sie als Kind miterlebte. Damals überwog in der Bevölkerung vor allem die Hoffnung auf Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung.

„Das AKW gehört einfach zu Zwentendorf dazu“

Heute ist das AKW weit mehr als eine „Atomruine“. Das Gelände wird für Führungen, Veranstaltungen und internationale Übungen genutzt. „Die jüngere Generation verbindet das AKW mittlerweile eher mit den Festivals, die dort angeboten werden, und nicht so sehr mit der Geschichte“, erzählt die Bürgermeisterin und ergänzt: „Auch wenn das Atomkraftwerk nie in Betrieb gegangen ist, ist es trotzdem noch immer sehr prägend für die Gemeinde. Es gehört einfach zu Zwentendorf dazu. Es würde uns etwas fehlen, wenn es nicht da wäre.“ Während eines Schulumbaus diente das Verwaltungsgebäude des AKW beispielsweise als Schule und auch ein Museum war bereits darin untergebracht.

Energieknotenpunkt für die gesamte Region

Vor allem aber hat sich Zwentendorf zu einem modernen Energieknotenpunkt für die gesamte Region entwickelt. Neben großflächigen Photovoltaikanlagen befinden sich dort Energieinfrastruktur, Gasturbinen und neue Projekte im Bereich der Reststoff- und Klärschlammverwertung.

„Man versucht, bestehende Infrastruktur weiter zu nutzen und neuen Platz für Zukunftsprojekte zu schaffen“, erklärt Torok im Podcast. Selbst Windkraftprojekte stehen im Raum. Gleichzeitig wird sich das Erscheinungsbild der Region verändern: Teile des ehemaligen Kohlekraftwerks Dürnrohr sollen in naher Zukunft rückgebaut werden. Nur Atomkraft wird in Zwentendorf auch in Zukunft nicht produziert werden, denn: Der Anlagenkern wurde zum Zweck von Führungen, Schulungen und Filmkulissen durchgeschnitten, wodurch der Reaktor technisch längst nicht mehr betriebsfähig ist.

„Viele Frauen trauen sich nur zu, was sie schon können“

Neben Energiepolitik thematisiert die Folge auch kommunale Führungsarbeit. Török spricht offen über ihre Doppelrolle als Bürgermeisterin und Amtsleiterin einer Gemeinde mit rund 4.200 Einwohnern. Diese Kombination habe viele Vorteile gebracht, sei mit zunehmender Größe der Gemeinde jedoch kaum mehr dauerhaft bewältigbar.

„Es gibt sicher Vor- und Nachteile. Natürlich hat man eine Schnittstelle weniger, was die Arbeit sehr schlagkräftig und schnell macht. Aber gleichzeitig hängt alles an einer Person“. In Niederösterreich ist es mittlerweile aus Gründen der Unvereinbarkeit nicht mehr möglich, beide Ämter gleichzeitig zu bekleiden. Nicht zuletzt deshalb übergibt Török die Amtsleitung ab Herbst an einen Nachfolger. Sie betont aber auch, dass die Arbeit in der Gemeindeverwaltung ihr den Einstieg in die Politik erleichtert hat: „Gerade wir Frauen sind sehr selbstkritisch und trauen uns oft zu wenig zu. Durch die Arbeit als Amtsleiterin habe ich sehr viel über die Gemeinde gelernt und gemerkt – ja, ich traue mir zu, das Bürgermeisteramt zu übernehmen.“

Die neue Folge von „Amtsgeheimnisse vor Ort“ ist ab sofort unter www.gmeindebund.at sowie auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.

Von: Eva Schubert

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