Ein Bach muss kontrolliert werden. Eine Brücke soll auf Verklausungen überprüft werden. Oder bei einem Feuerwehreinsatz braucht es möglichst rasch einen Überblick über die Lage. Bisher bedeutete das häufig: Fahrzeug besetzen, hinfahren, aussteigen, nachsehen. In Bergheim gibt es dafür jetzt eine zusätzliche Möglichkeit: die Drohne.
Sie steht in einer fix installierten Station am Dach des Bauhofs bereit, wird automatisch geladen und kann von geschulten Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeitern gestartet werden. Mit Kamera, Wärmebildkamera und Laserscanner ausgestattet, liefert sie innerhalb kürzester Zeit einen Blick aus der Luft.
Schnell vor Ort, bevor Fahrzeuge ausrücken
Besonders spannend ist das für die Feuerwehr. Bergheim verfügt über mehrere Löschzüge – bei einem Einsatz ist daher die Frage wichtig: Was erwartet die Einsatzkräfte vor Ort und welche Fahrzeuge werden tatsächlich benötigt? Die Drohne kann vorausfliegen und erste Bilder liefern.

„Bevor man ein Fahrzeug losschickt, ist die Drohne in Sekunden da“, erläutert Bürgermeister Robert Bukovc. Gerade bei Einsätzen kann das wertvolle Zeit sparen.
Ein Blick auf die Bäche
Ein weiteres Einsatzgebiet ist der Hochwasserschutz. Die Bergheimer Bäche müssen regelmäßig auf Verklausungen kontrolliert werden. Künftig soll die Drohne diese Kontrollflüge teilweise übernehmen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Statt einen Mitarbeiter entlang des Baches zu schicken, kann die Drohne den Bereich in kurzer Zeit aus der Luft überprüfen.
Wärmebild hilft bei der Rehkitzrettung
Und dann gibt es noch einen Einsatz, der mit Hochwasser und Feuerwehr zunächst wenig zu tun hat, aber mindestens genauso viele Leben retten kann: die Rehkitzrettung. Vor dem Mähen können die Wiesen mit der Wärmebildkamera abgesucht werden. Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken, lassen sich damit deutlich leichter aufspüren und in Sicherheit bringen. Auch bei Suchaktionen der Polizei konnte die Drohne bereits erfolgreich angewandt werden.

Ein spannender Einsatz, der gleichzeitig der Bevölkerung die Vorteile der Drohne veranschaulichte, war eine Großübung der Einsatzkräfte. „Wir haben das Szenario ‚ein Zug entgleist‘ durchgespielt. Dabei konnte jeder, der wollte, über einen QR-Code den Drohnenflug live mitverfolgen“, so Robert Bukovc.

Ein neues Werkzeug – mit klaren Regeln
So vielseitig die Technik ist: Die Drohne ist kein Spielzeug und auch kein fliegendes Überwachungsgerät. Für den Betrieb gelten klare gesetzliche Vorgaben, jeder Flug muss behördlich angemeldet und Flugverbotszonen im System programmiert werden. Die Pilotinnen und Piloten müssen entsprechend ausgebildet sein und jeder Einsatz braucht einen konkreten, rechtlich zulässigen Zweck.
„Wir haben ein riesengroßes Glück mit dem Unternehmen Held“, sagt Bürgermeister Bukovc. Das in Bergheim ansässige Unternehmen stellt die Drohne derzeit kostenlos zur Verfügung und unterstützt die Gemeinde bei Technik, Schulung und Betrieb. Derzeit sind drei Mitarbeiter der Gemeinde Bergheim im Umgang mit der Drohne geschult.

Auch beim Datenschutz setzt die Gemeinde klare Grenzen. Die Drohne soll dort helfen, wo sie einen konkreten Arbeits- oder Einsatzzweck erfüllt – nicht Menschen im Alltag beobachten. Wenn beispielsweise der Verdacht auf einen Schwarzbau besteht, bleibt die Drohne am Boden, so Bukovc.
Drohne als Gemeinde-Fuhrpark der Zukunft
Noch steht das Projekt am Anfang. Doch die bisherigen Erfahrungen zeigen: Die Einsatzmöglichkeiten für Gemeinden sind vielfältig. „Vor fünf Jahren hätte das niemand gedacht“, sagt Robert Bukovc. Heute ist die Technik deutlich vielseitiger und leistbarer geworden.
„Ich glaube, in Zukunft wird die Drohne ein fester Bestandteil der Gemeinde-Ausstattung sein“, betont der Bergheimer Bürgermeister. „Gleichzeitig muss man dazusagen, dass nicht jede Gemeinde dieselben Ressourcen hat wie Bergheim“, so Bukovc. Er kann sich aber vorstellen, dass sich mehrere Gemeinden gemeinsam eine Drohne teilen: „Gemeindekooperationen sind die Zukunft“.
Für Bergheim ist die Drohne vor allem eines: ein zusätzliches Werkzeug, das sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch Einsatzkräften Arbeit abnehmen und Zeit sparen kann. Und davon profitiert in erster Linie die Bevölkerung.


