Riesige LKW, die durch das Dorf donnern – damit soll jetzt ein für allemal Schluss sein. Weil täglich hunderte Lastwägen trotz Durchfahrtsverbots den Ort Saint-Sulpice-sur-Lèze in der Nähe von Toulouse in Südfrankreich rauschen, geht die Bürgermeisterin des rund 2.000-Einwohner Städtchens jetzt höchstpersönlich gegen sie vor: Sie fotografiert die Kennzeichen der LKW und leitet die Fotos an die zuständige Behörde weiter, die Bußgelder verhängt. Und siehe da: Es funktioniert!
Häuser nicht mehr bewohnbar
Das Problem kennen nicht wenige Gemeinden in Österreich: Um den Staus der Autobahn und den Mautstrecken zu entgehen fährt der Transitverkehr durch die Ortschaften. Das verursacht Lärm, Straßenschäden und ist nicht zuletzt auch gefährlich für die Einwohnerinnen und Einwohner. In dem südfranzösischen Dorf mit historischem Ortskern klagen die Bewohnerinnen und Bewohner über beschädigte Fassaden, Kabel und Regenrinnen. Die angrenzenden Gebäude einer der betroffenen Straße sind nicht mehr bewohnbar, da die Vibration so stark spürbar ist, erklärt die Bürgermeisterin. „Der Boden und die Wände zittern, wenn ein LKW vorbeifährt“. Ein Bewohner erzählt, er habe sich bewusst für das Leben am Land entschieden. Doch nun habe er Belästigung wie in einer Großstadt. Er hat sich nun entschlossen, aufgrund der Situation mit seiner Familie in einen anderen Ort zu ziehen.
Laut dem französischen Nachrichtensender RTL fahren täglich rund 350 Lastwagen durch Saint-Sulpice-sur-Lèze. Und das, obwohl die Gemeinde gewisse Straßen für LKW gesperrt hat: Zwischen 7 und 10 Uhr, von 11.30 bis 14 Uhr sowie von 16 bis 19 Uhr ist die Durchfahrt für LKW verboten. Auf Drängen der Bürgermeisterin kontrolliert und sanktioniert die Gendarmerie die Verstöße – doch leider viel zu selten. Aufgrund von Personalmangel könne man nicht dauerhaft Einsatzkräfte dort stationieren, so die örtliche Gendarmerie.
Bürgermeisterin macht auf Polizei
Daher geht die Bürgermeisterin nun selbst gegen jene vor, die sich nicht an die Sperren halten: „Das ist unsere einzige Waffe“, sagt die Ortschefin. „Wir haben keine Gemeindewachkörper. Als offizielles Organ habe ich aber das Recht, Strafzettel auszustellen“, sagt die Bürgermeisterin. Das macht sie, indem sie die Kennzeichen der Fahrzeuge fotografiert und die Fotos an die Behörde weiterleitet.
Das funktioniert zeitweise, reicht aber nicht, wie eine eigens gegründete Bürgerinitiative beklagt. Ihre zentrale Forderung: Dauerhaft installierteVerkehrskameras.


