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Steiermark

27.01.2021

Best-Practice: Feldbach zeigt vor, wie Blackoutvorsorge geht!

Was wäre, wenn plötzlich der Strom ausfällt? Wen kein Licht mehr geht, kein Handy, kein Internet, keine Heizung, kein Bankomat, keine Supermarktkassa oder keine Tankstelle? Mit dieser Frage hat sich die 14.000 Einwohner große Stadtgemeinde Feldbach in der Oststeiermark wie keine andere beschäftigt – und schließlich auch gehandelt. Heute kann Bürgermeister Josef Ober mit Stolz sagen: “Feldbach ist Blackout-sicher”.  Das Kommunalnet-Team hat die Vorreitergemeinde besucht, und eine Reportage im “Tatort Gemeinde”-Format gedreht – siehe Video unten.

Von vorne bis hinten durchgeplant

Drei Jahre hat der Prozess gedauert, den der Ortschef gemeinsam mit seinem Team und den Einsatzorganisationen der Stadtgemeinde erarbeitet hat. Dafür wurden mehrere Systeme entwickelt: Einerseits galt es, die kommunale Daseinsvorsorge im Falle eines Blackouts sicher zu stellen: Also, Trinkwasser für die Bevölkerung zu gewährleisten, Abwasser und Kanal funktionstauglich zu erhalten. Mittels Pumpstationen wurde die Kläranlage zu 100 Prozent autark gestaltet.

In einem zweiten Schritt wurden 13 Selbsthilfe-Basen verteilt auf das gesamte Gemeindegebiet errichtet.  Dort gibt es etwa Notstromaggregate, Informationen oder Kommunikationsmöglichkeiten, Bürger können auch notdürftig kochen.

Ernähren kann die Stadtgemeinde ihre Bevölkerung im Blackoutfall nicht, aber mit Trinkwasser versorgen. Deswegen ist auch die Mithilfe der Bürger gefragt: Sie müssen sich bereits im Vorfeld für den Ernstfall rüsten: Dafür wurden sie von der Gemeinde sensibilisiert, sich einen Vorrat an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs zu schaffen. Die Corona-Pandemie hat dieses Bewusstsein nur verstärkt.

Blackout-Radio soll im Ernstfall informieren

Um die Bürger im Blackoutfall über die Notsituation zu informieren und auch während einer Katastrophe auf dem Laufenden zu halten, hat die Stadtgemeinde auch einen eigenen Blackout-Radio mit einer Frequenz 88,3 der über Funk funktioniert. Mit einem Mobilfunkanbieter hat die Stadtgemeinde zudem ein Projekt gestartet, sodass eine lokale Notversorgung des Mobilfunknetzes gewährleistet sein wird. Und auch das Fernheizwerk ist mit Notstrom versorgt. In Arbeit ist etwa noch, Lebensmittelversorger mit der Thematik vertraut zu machen. Denn wie kommt man in ein Geschäft hinein oder wie soll man an der Kassa bezahlen, wenn es keinen Strom gibt?

Die Stadtgemeinde setzt nicht nur auf regelmäßige Blackout-Informationstage – auch der Ernstfall wurde bereits in Feldbach erprobt und hat gut funktioniert.

Blackout-Leitfaden für Gemeinden erarbeitet

Die Expertise, die die Stadtgemeinde zum Thema Blackout-Vorsorge bereits erworben hat, wird auch an weitere interessierte Gemeinden weiter gegeben. In Form eines Leitfadens können sich auch andere Gemeinden darauf vorbereiten, worauf sie sich im Blackoutfall einstellen müssen. Für Karl Puchas von der lokalen Ernergieagentur ist klar: Der Stromausfall ist nur der Auslöser einer Katastrophe. Die Folge  dessen ist es die Versorgung mit Trinkwasser-, Lebensmittel- und Gesundheitsgütern, die Entsorgung von Abwasser, die Sicherheit oder Kommunikation zu gewährleisten.“  Man dürfe nämlich nicht vergessen: „Bei einem Blackout funktionieren die selbstverständlichsten Alltagsdinge nicht mehr.“ Dazu zählen etwa Internet, die Tiefkühltruhe oder Klospülung. Daher steht für die Feldbacher fest: Die Frage ist nicht, ob ein Blackoutfall eintritt, sondern wann. Und darauf ist die 14.000 Einwohner Gemeinde vorbeitet.

-S.PEISCHL

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